Das große Affentheater Abstiegskampf

Essen..  In einem der spannendsten Existenzkämpfe der Fußball-Bundesliga-Geschichte spielten sich groteske Szenen ab. Die Stuttgarter Profis führten nach ihrem Siegtreffer einen Affentanz auf, Freiburgs Trainer Christian Streich stürzte beim Lauf in die Katakomben. Aber noch tiefer stürzte der Hamburger SV, der zu den großen Verlierern des 33. Spieltags gehörte und beim Showdown am nächsten Wochenende Schützenhilfe benötigt.


VfB Stuttgart - Hamburger SV2:1
Stuttgart lebt – und mischt unten wieder kräftig mit. „Diese Ausgangsposition hatten uns so viele nicht zugetraut“, meinte VfB-Kapitän Christian Gentner nach dem hoch verdienten Sieg über einen schwachen HSV. Auf die Kritik ihres Trainers Huub Stevens unter der Woche („Ihr seid Affen“) reagierten die VfB-Profis mit einer Retourkutsche und führten nach dem Siegtreffer durch Martin Harnik einen Affentanz auf. Stevens fand das spaßig: „Das ist doch schön“, meinte der Coach.

Tristesse und Hilflosigkeit herrscht hingegen beim Hamburger SV, der vor dem letzten Heimspiel gegen Schalke auf den vorletzten Platz zurückfiel. Nach der zweitligareifen Vorstellung könnte die Stadionuhr des HSV nach fast 52 Jahren Bundesliga zum Stillstand kommen. „Die Relegation ist vermutlich schon ein Erfolg“, so HSV-Sportdirektor Peter Knäbel.


SC Freiburg - Bayern München2:1
Um genau zwei Punkte besser ist die Stimmung in Freiburg. Die Breisgauer feierten ihren völlig unerwarteten Sieg über Meister Bayern München. Trainer Christian Streich stürzte nach der emotionalen Partie beim Versuch, schnell in die Kabine zu laufen – und rappelte sich wieder auf. Wie sein Team. „Als wir am Boden lagen, sind wir aufgestanden. Jetzt dürfen wir nicht anfangen zu spinnen und zu fliegen“, sagte der SC-Coach nach dem 2:1-Erfolg. Bayern, das sich von anderen Vereinen wie Hannover und Wolfsburg den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung gefallen lassen musste, spielte tatsächlich engagiert und ging durch Bastian Schweinsteiger auch früh in Führung. Aber Admir Mehmedi (33.) und Joker Nils Petersen kurz vor Schluss drehten das Spiel. „Freiburg wollte mehr und hat mehr Kampf gezeigt, um zu gewinnen“, räumte Bayern-Trainer Pep Guardiola ein. Für sein Team war es die dritte Liga-Niederlage, für die Breisgauer – vielleicht – die Basis zur Rettung.
FC Augsburg - Hannover 961:2
Matchwinner für Hannover war Lars Stindl, der nächste Saison in Mönchengladbach spielen wird. Der Kapitän erzielte beide Treffer zum 2:1 in Augsburg und bescherte Trainer Michael Frontzeck den ersten Punkte-Dreier. „Ich hoffe, dass wir es nächste Woche vergolden“, sagte Stindl. Und dieses Saisonfinale hat es für alle Kellerkinder in sich.


Der Ausblick
Die Dramaturgie des Spielplans führt vier der sechs noch gefährdeten Teams am Samstag in zwei direkte Duelle. Dabei können sich die Stuttgarter (33 Punkte) in Paderborn (31) mit einem Sieg selbst retten. Außerdem treffen Hannover und Freiburg (je 34) aufeinander. Spielen sie zum Beispiel unentschieden, käme der HSV (32) wegen der Tordifferenz an ihnen auch bei einem Sieg über Schalke nicht mehr vorbei.