Das Geheimnis wird gelüftet
23.09.2009 | 23:17 Uhr 2009-09-23T23:17:00+0200
Oberstdorf. Aljona Savchenko und Robin Szolkowy präsentieren in Oberstdorf ihre Kür, mit der sie im Februar 2010 in Vancouver Olympiasieger werden wollen.
Um diese Jahreszeit schwirrt gewöhnlich allerlei Wandervolk durch die hübschen Gassen der Marktgemeinde Oberstdorf, aber in den nächsten Tagen werden rotweiß karierte Hemden und Funktionshosen auf hautenge Kostüme, leuchtende Farben und Pailletten treffen. Die Nebelhorn-Trophy der Eiskunstläufer, erster Wettbewerb eines jeden Winters mit mehr als vier Jahrzehnten Tradition, zieht viel Jungvolk an, denn es geht um das große Thema: Olympia im Februar 2010.
Lindemann unter Druck
Wie die Kür aussieht, mit der die zweimaligen Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy in knapp fünf Monaten in Kanada die Goldmedaille im Paarlauf gewinnen wollen – es wäre die erste eines deutschen Paares nach mehr als einem halben Jahrhundert – wird man Freitagabend am Fuße des Nebelhorns sehen. Die erste öffentliche Präsentation der neuen Kür in der Entscheidung der Konkurrenz wird mit Spannung erwartet, und in diesem Fall wird es gewissermaßen nur am Rande um Punkte und Platzierungen gehen.
In anderen geht es dagegen genau darum. Für jene Nationen, die im März bei den Weltmeisterschaften in Los Angeles in einer oder mehreren Disziplinen keinen Startplatz ergattern konnten, bietet die Nebelhorn-Trophy die einmalige Chance, das nachzuholen. Zwei Startplätze im Paarlauf, je einer bei den Frauen und im Eistanz stehen nach den Ergebnissen von Los Angeles für die Deutsche Eislauf-Union (DEU) bereits zu Buche, aber keiner in der Männerkonkurrenz.
Lange Verletzungspause
Um das zu ändern, muss Deutschlands Kandidat in Oberstdorf mindestens Sechster werden – und dieser Kandidat ist kein anderer als der ehemalige WM-Dritte Stefan Lindemann. Nach zwei Jahren Pause auf der internationalen Bühne, erzwungen durch eine Leisten-Operation, Beschwerden an der Achillessehne und diversen Kleinigkeiten, gibt Lindemann an jenem Ort ein Comeback, an dem er vor neun Jahren zum Beginn seiner Karriere Weltmeister der Junioren geworden war. Nach einem Testlauf im Juli wurde der Thüringer von der DEU für die Nebelhorn-Trophy nominiert, allerdings auch deshalb, weil sich der amtierende Deutsche Meister und WM-Starter Peter Liebers aus Berlin bei der Grundausbildung der Bundeswehr im Frühjahr einen Fußbruch zugezogen hatte und damit absehbar war, dass er zu den Qualifikations-Wettbewerben des Winters nicht rechtzeitig wieder fit sein würde.
Sollte Lindemann den olympischen Startplatz in Oberstdorf erobern, bedeutet das allerdings nicht, dass er garantiert in Vancouver dabei sein wird. Aber es wäre mehr als ein erster Schritt in diese Richtung, angesichts der neuen Qualifikations-Kriterien der DEU, bei denen es nicht mehr allein auf die Ergebnisse von Deutschen Meisterschaften oder Europameisterschaften ankommen wird. Auch die Nebel-Trophy in Oberstdorf wird berücksichtigt.

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