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Das bessere Dubai

16.07.2010 | 18:32 Uhr
Das bessere Dubai
Zurück in Leverkusen: Michael Ballack lässt seine Karriere in der Bundesliga ausklingen.

Essen.Der Auftritt der Nationalelf bei der WM in Südafrika konnte sich sehen lassen. Er hat aber auch eine Kehrseite: Junge deutsche Spieler sind Ausland wieder hochbegehrt. Dafür lassen alternde Stars ihre Karrieren in der Bundesliga austrudeln.

Fabio Cannavaro hat sich hierzulande einen guten Namen gemacht, als er 2006 die Squadra Azzurra mit seinen Defensivqualitäten und als Kapitän zum WM-Titel führte. Vier Jahre später, kurz vor der Weltmeisterschaft in Südafrika, rauschte durch den Blätterwald, der Hamburger SV wolle mit dem gebürtigen Neapolitaner seine Probleme in der Innenverteidigung lösen. Cannavaro, 36 Jahre heute alt, lässt seine Karriere aber im Fußballrentner-Paradies ausklingen: Von Juventus Turin wechselt er nochmal für zwei Jahre zum Klub Al Ahli nach Dubai. Der Bundesliga ist ein Weltstar entgangen.

Das wär’s doch gewesen, denkt sich auch Christian Seifert von der DFL. „Wir sollten aufhören, uns als kleiner, hässlicher Bruder der Premier League zu sehen“, spricht er das gesteigerte Selbstbewusstsein der Klubs aus, das durch das erfolgreiche Abschneiden der Nationalmannschaft in Südafrika einen erneuten Schub erhalten hat. Schließlich sind wir wieder wer. Die Bayern standen dicht vor dem Triumph in der Champions League, der HSV verpasste in den vergangenen zwei Spielzeiten nur knapp das Finale der Euro League, Werder unterlag dort in der Spielzeit 2008/09 erst im Endspiel. „Die internationalen Vergleiche zeigen, dass die Liga stark ist und sich nicht verstecken muss – wenn überhaupt, nur hinter England“, sagt Michael Ballack.

Ballack und Raúl 33, van Nistelrooy 34, Hyypiä bald gar 37

Der Neu-Leverkusener ist der spektakulärste der zuletzt großen Transfers. Sami Hyypiä in Leverkusen, Ruud van Nistelrooy in Hamburg, vielleicht bald Raúl in Schalke und William Gallas auch beim HSV. Die Klubs sprechen von einer Signalwirkung, die Bundesliga zieht, es sind tolle Namen da. Aber: Ballack und Raúl sind 33, „Van the man“ ist auch schon 34, Hyypiä wird bald gar 37. Ihr Leistungsvermögen reicht hierzulande noch unbestritten aus, aus dem ganz großen Konzert europäischer Topvereine haben sie sich aber verabschiedet. Sie alle sind alternde Stars und lassen ihre großen Karrieren austrudeln, die Bundesliga ist das sportlich hochklassigere Dubai.

Ist auf dem Sprung - nur wohin? Wolfsburgs Stürmer Edin Dzeko

Es gibt Pfunde, mit denen wuchert die höchste deutsche Spielklasse schon seit Jahren: Das Gehalt wird pünktlich überwiesen, nirgendwo in Europa strömen mehr Fans in die Stadien. Dank der hervorragenden Nachwuchsarbeit von Vereinen wie Bayern München, Schalke 04 oder VfB Stuttgart steht die Bundesliga auch wieder für technisch versierte Tempofußballer mit reichlich Spielwitz, die vielleicht schon bald so hoch im Kurs stehen wie einst in den 90er-Jahren Matthäus, Klinsmann und Brehme bei Inter Mailand. Bastian Schweinsteiger hat neulich gesagt, er glaube fest daran, dass in Zukunft große Spieler nach Deutschland kommen würden.

Momentan stehen die Zeichen eher darauf, dass die Bundesliga ihre besten Spieler über kurz oder lang an zahlungskräftige Vereine aus dem Ausland verlieren. Mesut Özil sitzt in Bremen auf gepackten Koffern, der FC Barcelona wartet. An Sami Khedira sollen der FC Chelsea und Real Madrid dran sein, das gleiche gilt für Schweinsteiger. Der AC Mailand kann sich die Verpflichtung von Lukas Podolski und Dennis Aogo vorstellen. Jerome Boateng ist schon bei Manchester City gelandet. Gut möglich, dass die Fans in den Bundesligastadien schon bald in Erinnerungen schwelgen: „Weißte noch, als die Jungs bei uns gespielt haben...?“

Keine Steuervorteile mehr in Spanien und England

Es ist daher ein Trugschluss zu glauben, die Bundesliga würde sich alsbald, was ihre Bedeutung für die wirklichen Topstars angeht, gleichauf mit Spanien und England befinden. Zwar verlieren die Fußball-Arbeitnehmer in diesen beiden Ländern künftig ihre steuerlichen Vorteile, im Wettbewerb um die besten Spieler stehen die deutschen Klubs allerdings immer noch hinten an. In den vergangenen Jahren war es nur Bayern München möglich, hohe zweistellige Millionensummen für Vertreter der Güteklasse Ribéry oder Robben hinzublättern.

Auf der anderen Seite wird man den Eindruck nicht los, englische, spanische und italienische Vereine glaubten, die besten Spieler der Bundesliga für Spottpreise zu bekommen. Die zehn Millionen Euro, die der Khedira-Wechsel Stuttgart bringen soll, werden dem Spieler nicht gerecht und sind vergleichsweise ein Schnäppchen, wenn man sieht, wie viel Manchester City in Nigel de Jong (20 Millionen) oder David Silva (40 Millionen) investiert hat. Andererseits müssen sich der VfB und auch Werder Bremen im Fall Özil gut überlegen, ob sie ihre Spieler im nächsten Jahr kostenlos ziehen lassen wollen.

Folgt Dzeko nun Diego
und van der Vaart?

Und das ist nicht nur bei deutschen, sondern auch bei den internationalen Spielern so. Diego zog’s von Bremen nach Turin, Rafael van der Vaart von Hamburg nach Madrid. Der Dortmunder Neven Subotic wird immer wieder mit Manchester United in Verbindung gebracht. Und Wolfsburg wird Edin Dzeko über kurz oder lang freigeben müssen. Juventus wollte den Bosnier bislang gerne verpflichten und hat neben einem Batzen Geld auch zwei Spieler wie Sauerbier angeboten.

So verzweifelt ist die Bundesliga aber noch nicht, dass sie sich über Christian Poulsen oder Momo Sissoko als künftige Stars freuen müsste.

Andreas Berten

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