Das Achtelfinale darf es schon sein

Doha..  Einen ersten Vorgeschmack auf die WM bekamen die deutschen Handballer schon in Frankfurt. Mit einer Maschine der in Doha beheimateten Qatar Airways reiste der Tross des Deutschen Handballbundes zum Turnier in Katar. Vom 15. Januar bis zum 1. Februar wird der Nachfolger von Titelverteidiger Spanien gesucht. Für das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson geht es zunächst darum, kleine Brötchen zu backen.

Wie hat sich die deutsche Mannschaft für die WM qualifiziert?

Eigentlich gar nicht. Noch unter Bundestrainer Martin Heuberger verlor das Team beide Playoff-Spiele gegen Polen. Doch der Weltverband IHF vergab eine Wildcard an die DHB-Auswahl als bestes Team der WM 2013, das sich nicht für Katar qualifiziert hatte.

Wie kam es zu dieser Wildcard?

Die IHF hat Australien ausgeschlossen. Dies tat sie mit der Begründung, dass Ozeanien keinen anerkannten Kontinentalverband hat. Das Verfahren ist jedoch nicht nur wegen seiner Intransparenz umstritten. Schließlich hatte Aus­tralien zuvor an sieben WM teilgenommen (1999; 2001 bis 2013).

Kam so etwas schon einmal vor?

Es ist ein Novum, dass eine Wildcard vergeben wurde. Allerdings war es nicht das letzte Mal. Auch Island und Saudi-Arabien rückten auf Beschluss des Weltverbandes nach. Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten zunächst aus politischen Gründen zurückgezogen, nach Lösung der Probleme aber wieder teilnehmen wollen. Das ließ die IHF nicht zu.

Worum geht es bei dieser WM?

In erster Linie natürlich um den Weltmeister-Titel. Aber auch die folgenden Plätze haben eine große Bedeutung. Denn neben dem Titelträger qualifizieren sich auch der Zweite und Dritte für die WM 2017 in Frankreich. Sollten die Franzosen das Halbfinale erreichen, sind es gar die ersten Vier. Zudem steht Olympia auf dem Spiel. Der Weltmeister ist 2016 in Rio dabei. Die Teams auf den Rängen zwei bis sieben qualifizieren sich für Ausscheidungsturniere.

Welche Ziele hat das DHB-Team?

Nach den Querelen im Vorfeld sind die Ansprüche bescheiden. Offiziell heißt es, das Achtelfinale sei Pflicht. Doch intern ist auf jeden Fall der siebte Rang im Visier, um für Olympia in Rio nicht den vagen Weg über die EM 2016 in Polen einschlagen zu müssen.

Sind die deutschen Spiele live im Fernsehen zu verfolgen?

Nach langer Hängepartie: ja. Der Bezahlsender Sky hat die Rechte erworben. Damit sind erstmals Handball-Spiele von einer WM oder EM nicht im frei empfangbaren TV zu sehen. Die Verhandlungen von ARD und ZDF mit Rechteinhaber beIN Sports waren gescheitert. Die Tochtergesellschaft des katarischen TV-Imperiums Al Jazeera hatte die Rechte für 80 Millionen Euro gekauft.

Wie ist der Spielmodus?

Die 24 Mannschaften spielen zunächst in den vier Gruppen A bis D die Vorrunde aus. Danach folgt die K.o.-Phase: Die jeweils ersten vier Teams erreichen das Achtelfinale.

Wer sind die Favoriten auf den Titel?

Nach Experten-Meinungen kommt nur ein Quartett für Gold infrage: Titelverteidiger Spanien, Olympiasieger Frankreich, der WM-Zweite Dänemark und der WM-Dritte Kroatien. „Und von diesen vieren sage ich: Dänemark“, meint Bundestrainer Sigurdsson.

Welche Besonderheiten gibt es bei der WM in Katar?

Zum ersten Mal seit 1958 wird bei den Männern eine WM in nur einer Stadt – Doha – ausgetragen. Zuletzt hatte es das bei den Frauen 2005 in St. Petersburg gegeben. Alle Spiele finden in nur drei Hallen statt: Ali Bin Hamad Al Attiya Arena (7700 Zuschauer), Lusail Multipurpose Hall (15 300) und Duhail Sports Hall (5500). Alle Hallen wurden für die WM gebaut – die Kosten sollen geschätzte 228 Millionen Euro betragen haben.