Daniel Deußer verteidigt seinen Titel bei der DM in Balve

Den deutschen Meister in der Mitte: Tim Hoster (links) und Ludger Beerbaum umrahmen Daniel Deußer. Foto: dpa
Den deutschen Meister in der Mitte: Tim Hoster (links) und Ludger Beerbaum umrahmen Daniel Deußer. Foto: dpa
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Was wir bereits wissen
Er ballte kurz die Faust, als er auf dem Abreiteplatz sah, wie Konkurrent Tim Hoster patzte. Im Stechen gewann Daniel Deußer bei der deutschen Meisterschaft der Springreiter in Balve den Titel - und wiederholte seinen Triumph aus dem Vorjahr, mit dem sein rasanter Aufstieg begann.

Balve..  Daniel Deußer verzieht keine Miene, als er aus dem Parcours reitet. Obwohl es in ihm brodeln muss, aus Wut über sich selbst. Doch anstatt sich offensichtlich über diesen leichten Fehler zu ärgern, der ihn die direkte Titelverteidigung kostet, setzt der 32-Jährige ein Pokerface auf. Er gleitet geschwind vom Pferd, studiert den Plan der Hindernisse für das Stechen - und ist wenig später wieder hoch konzentriert im Sattel seines Fuchswallachs First Class im Balver Springstadion. Acht Sprünge, mehr oder weniger souverän, dafür fehlerfrei genommen, einige bange Sekunden auf dem Abreiteplatz als Konkurrent Tim Hoster reitet - dann darf Deußer jubeln.

Weil sich Hoster mit seinem zehnjährigen Wallach Cash del Mar im Stechen einen Abwurf leistet, gelingt Deußer das, womit er selbst kaum gerechnet hatte: Der erneute Triumph bei der deutschen Meisterschaft im Springreiten im Rahmen des Balve Optimum. „Ich bin überrascht, wie gut First Class die Aufgaben hier bewältigt hat“, erzählt er wenig später. Denn sein Neunjähriger ist eines der jüngeren Pferde, die sonst im Schatten von Deußers Erfolgsgaranten Cornet d’Amour stehen.

Erst vor wenigen Wochen gewann der alte und neue deutsche Meister mit Cornet d’Amour das Weltcup-Finale in Lyon, weshalb er dem Schimmel-Wallach bei der DM rund um Schloss Wocklum mit Blick auf einen Einsatz bei den Weltreiterspielen Ende August/Anfang September in Frankreich eine Pause gönnt. Doch in Balve, wo der Stern des gebürtigen Hessen mit dem überraschenden Titelgewinn im vergangenen Jahr aufging, setzt Deußer seine Erfolgsserie auch mit einem seiner insgesamt drei Nachwuchspferde fort.

Deußer: „Ein deutlicher Reiterfehler“

„Im vergangenen Jahr hat mir der DM-Titel einige Türen geöffnet“, sagt Deußer. Er startete erstmals in der deutschen Equipe beim CHIO in Aachen und gewann bei der Europameisterschaft mit dem Team die Silbermedaille. Daniel Deußer ist nach Balve zum festen Bestandteil der Mannschaft von Bundestrainer Otto Becker geworden. Und dies rechtfertigt er im Sauerland erneut.

Als einziger Starter bleibt er mit First Class vor dem vierten Umlauf der DM-Wertung fehlerfrei. Da er aber vielleicht im zu frühen Gefühl des Sieges patzt, gibt es zur Freude der mehreren Tausend Zuschauer ein Stechen mit Tim Hoster, diesem zuvor nur Experten bekannten 33-jährigen gebürtigen Niederrheiner, der sich mit Cash del Mar nur im zweiten Umlauf am Freitag einen Abwurf leistet. „Uns fehlten plötzlich zehn Zentimeter“, beschreibt Deußer lächelnd sein Missgeschick und gibt zu: „Es war wohl ein deutlicher Reiterfehler.“ Einer, der sich im Endeffekt aber nicht weiter auswirkt.

Zeit für eine ausufernde Feier lässt der eng gestrickte Terminplan dem Mann, der im belgischen Stall „Stephex“ von Stephan Conter in die Nähe von Brüssel angestellt ist, nicht. „Am kommenden Wochenende starten wir in Rom mit der deutschen Mannschaft im Nationenpreis“, sagt Deußer. An diesem Montagmorgen muss er seine Pferde trainieren, bevor sie auf die Reise nach Italien gehen.

Ludger Beerbaum auf Rang drei

Dass ihm derzeit vier Pferde zur Verfügung stehen, mit denen er hochkarätige Prüfungen absolvieren kann, freut den hochgewachsenen 32-Jährigen - und ist ungewöhnlich. „Ich hoffe, das bleibt noch einige Zeit so“, sagt er. Zu verdanken habe er dies seinem Chef, „der ein gutes Auge für junge Pferde hat“.

Einer, der in Balve ebenfalls mit einem jungen Vierbeiner auf das Siegerpodest reitet, ist Ludger Beerbaum. Er belegt mit dem neunjährigen Carinou Rang drei. „Ich habe ihn erst am Dienstag für die DM genannt“, erklärt der neunfache deutsche Meister zufrieden. Einmal in Plauderlaune ergänzt er: „Ich fand es für den Spannungsbogen übrigens super, dass es ein Stechen gab.“ Denn seine Platzierung stand da bereits fest.