BVB - Watzke droht der Mannschaft

Foto: Marius Becker

La Manga.. Das Leben an diesem Ort könnte wirklich wunderbar sein. Die Sonne scheint warm auf die Terrasse in der ersten Etage. Von dort hat man einen traumhaften Blick über das Grün eines Golfplatzes, über die Bäume, die sich im kühlen Wind schütteln, über die Landschaft in La Manga, den Ort, an dem sich Borussia Dortmund zum vierten Mal in Serie auf die Rückrunde der Fußball-Bundesliga vorbereitet. Nur eben dieses Mal unter vollkommen anderen Vorzeichen.

Drinnen scheint die Sonne nicht. Dort sitzt Hans-Joachim Watzke im Vereins-Jogginganzug. HJW ist mit gelbem Stoff auf die graue Hose genäht. „Ich bin in der Winterpause nicht mit einem breiten Grinsen durch die Gegend gelaufen“, sagt der Geschäftsführer. Die Winterpause ist vorbei, sein Gemütszustand scheint sich nicht signifikant verändert zu haben. Er lacht wenig, redet leise. Das ­Knarzen der Türen, die Hotelbedienstete auf- und wieder zustoßen, ist fast lauter.

Seit Dienstag in Spanien

Seit Dienstag erst befindet sich der BVB-Boss vor Ort. Er hatte noch Termine, die keinen Aufschub duldeten. Pünktlich zum ersten Testspiel gegen Sion war der Chef aber da. Später am Abend sprach er zur Mannschaft. Was er von ihr in der Rückrunde sehen will, sagt er deutlich: „Das Ziel für die Rückrunde lautet: Klassenerhalt. Alle anderen Dinge, die in manchen Köpfen außerhalb unserer Mannschaft vielleicht noch herumspuken, zählen nicht. Ich erwarte den Klassenerhalt und zwar in einer Art und Weise, die man als Leistung bewerten kann. Und keinen Nichtabstieg, weil zwei oder drei Mannschaften noch schlechter waren als wir.“

Es ist eine hübsche Terrasse. Loch 18 liegt ihr zu Füßen. Platz 17 aber ist allgegenwärtig. Keine Mannschaft in der Bundesliga-Tabelle hat mehr Niederlagen als der BVB, nur Freiburg liegt dahinter, punktgleich. Das bedrückt die Gemüter. Die der Verantwortlichen, die der Fans. Nicht alle liegen dem Verein und dem Trainer noch so zu Füßen, wie das in den vergangenen Jahren mal war. Manche sind trotzdem nach Spanien gekommen. Der Kleinste ist nicht einmal zwei Jahre alt und macht abseits des Trainingsplatzes erste Gehversuche. Im Mund trägt er einen BVB-Schnuller.

Gewiss, es gibt im Leben weit größere Sorgen, als die, die ein Tabellenstand verursachen kann. Doch es ist eine schwere Zeit, die Gedanken im schwarz-gelben Reich sind nicht mehr länger rosa-rot, sondern grau. Sie kreisen um die Gegenwart, um die Zukunft.

„Wenn man jeden Stein umgedreht hat und dann fünf Köpfe rollen sehen möchte, ist das dann der Beweis dafür, dass man akribisch analysiert hat?“, fragt Watzke. Es ist eine rhetorische Frage, weil er weiß, dass die richtige Antwort auf die Situation nicht zwingend die ist, die halbe Mannschaft auszutauschen. 12,5-Millionen-Mann Kevin Kampl ist neu dabei. Kommt noch ein Spieler? „Es ist wenig wahrscheinlich, aber auch nicht komplett unmöglich.“

Einfacher, wenn du erfolgreich bist

Spätestens im Sommer aber könnte es gravierende personelle Veränderungen geben. Denn mutmaßlich wird sich der BVB nicht für das europäische Geschäft qualifizieren, die sportlichen und monetären Perspektiven für hoch gehandelte Stars wie Marco Reus (Ausstiegsklausel) und Ilkay Gündogan (Vertrag lediglich bis 2016) sind da andernorts deutlich besser. Was, wenn sie gehen? Was macht dann einer wie Kapitän Mats Hummels, was machen andere hoch bezahlte Profis? „Natürlich ist es einfacher, wenn du erfolgreich bist“, blickt Watzke auf nahende Verhandlungen. Aber der Boss kann an diesem Tage doch noch kämpferisch sein. „Der Spieler, der sich jetzt oder im Sommer zu uns bekennt, weil er bleibt oder neu dazukommt, der hat vielleicht auch eine Mentalität, die wir in dieser Phase brauchen. Im Gegensatz zu denen, die nur auf der Euphoriewelle surfen, die durch uns oben ankommen oder oben bleiben wollen. Sollte es diese bei uns geben, ist es vielleicht gar nicht schlecht, wenn der eine oder andere davon verschwindet.“ Die Botschaft wird den möglichen Empfänger erreichen. Ein explosiver Satz. Ein Sprengsatz.

Dann verschwindet Watzke auf die Terrasse. Was bleibt, ist das unüberhörbare Knarzen.