BVB-Manager lässt Ginter nicht weg

Prag..  Der Blick von Matthias Ginter war fest. Von Verunsicherung keine Spur nach einer sportlich harten Saison. Nicht einmal ein Jahr nach dem WM-Rausch im Konfettiregen von Maracana beginnt für den Fußball-Weltmeister ohne Einsatz nun der Neustart - in der zweiten Reihe. „Ich werde versuchen, die bei der Weltmeisterschaft gesammelten Erfahrungen an die Kollegen weiterzugeben“, sagte der Abwehrspieler bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Kreis der U 21-Junioren vor dem EM-Auftakt in Prag.

Die sportlichen Erfahrungen, die Ginter nach der Rückkehr aus Brasilien machte, reichen normalerweise für eine ganze Karriere. Ginter stürzte regelrecht ab. Nach der WM wechselte er für zehn Millionen Euro vom SC Freiburg zu Borussia Dortmund. Im März und April dieses Jahres fand er sich in der U 23 des BVB wieder und kämpfte dort - vergebens - gegen den Abstieg aus der 3. Liga.

Ginter hat in Dortmund einen Vertrag bis 2019. Er sei „ehrgeizig genug, voll anzugreifen“, glaubt er. Er hatte aber auch eine Option im Auge: Einen möglichen Wechsel zum Champions-League-Starter Borussia Mönchengladbach. Doch dieser Wechsel kommt nicht zustande. Der BVB sei nicht an einem Verkauf von Ginter interessiert. „Wir sehen ihn beim BVB“, sagte der Dortmunder Manager Michael Zorc dem Fachmagazin „Kicker“.

„Viele Sportler sagen, dass sie die Krisenzeit mehr geprägt habe als alles andere. Weil man daraus lernt und für die Zukunft gewappnet ist“, sagt Ginter. Er sieht sich noch am Beginn seiner Karriere, und Dortmund ist nicht die schlechteste Adresse, um nach einer schwachen Saison durchzustarten.

Den Rest will er analysieren, verarbeiten und dann abhaken. Denn gleich das erste Bundesligaspiel nach der WM begann für ihn vor 80 000 Fans im Dortmunder Fußball-Tempel mit einem dicken Bolzen. Unmittelbar nach dem Anstoß im Duell mit Bayer Leverkusen tunnelte ihn Karim Bellarabi, der dann traf - nach nur neun Sekunden.

Aufbauarbeit vom Trainer

Es folgte eine schwache Hinrunde. Ginter hatte keine Zeit, sich in dem plötzlichen Wirrwarr beim einstigen Hauptkontrahenten des FC Bayern auf das neue Niveau einzustellen. Und in dieser Situation baute Trainer Jürgen Klopp auf bewährte Kräfte wie Mats Hummels und Sokratis. „Dass es nicht einfach werden würde, war klar. Es war auch klar, dass ich nicht jedes Spiel machen werde“, sagte der gebürtige Freiburger. „Unsere problematische Hinrunde kam dazu.“

Vielleicht auch deswegen ist die U 21 mit einem unaufgeregten Trainer wie Horst Hrubesch, bei dem er zu den Schlüsselspielern gehört, genau das Richtige. „Man hat gesehen, dass es nicht nur bergauf geht. Man muss auch einen Schritt zurück machen. Das buche ich unter Erfahrung ab. Wichtig ist, dass er darauf aufbaut“, sagte Hrubesch.