Bundestrainer, verzweifelt gesucht

Prag..  Die Zeit von Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina scheint nach drei Jahren abzulaufen. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl, vermied nach dem deutschen Vorrunden-Aus bei der WM in Tschechien jegliches Bekenntnis zu Cortina und verwies auf ein Gespräch mit dem Coach in der kommenden Woche. Ein Überblick über die gehandelten Nachfolgekandidaten:


Uwe Krupp:
Wahrscheinlichkeit sehr hoch.

Cortinas Vor-Vorgänger ist der Top-Favorit. Mit dem damaligen DEB-Sportdirektor Reindl bildete Uwe Krupp bis 2011 ein erfolgreiches Gespann. Dann musste der frühere Stanley-Cup-Sieger Krupp unter dem damaligen DEB-Präsidenten Uwe Harnos gehen, weil er einen Vertrag bei den Kölner Haien unterschrieb.

Seit Reindl Präsident ist, ist Krupp häufig wieder bei deutschen Spielen auf der Tribüne zu sehen – stets in Reindls Nähe. Einziger Haken: Krupp ist aktuell Trainer der Eisbären Berlin. Zusammen mit der Liga müssten die Voraussetzungen für eine mögliche Doppelfunktion Krupps geschaffen werden.


Christof Kreutzer:
Wahrscheinlichkeit hoch.

Gilt als Trainer des Jahres in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Der Bruder des langjährigen Nationalstürmers Daniel Kreutzer führte seinen Heimatklub Düsseldorfer EG in seiner ersten Saison als Coach nach zuvor zwei Jahren auf dem letzten Tabellenplatz der DEL völlig überraschend ins Playoff-Halbfinale. Nationalkeeper Timo Pielmeier lobte schon vor der WM den Weg der DEG, auf junge deutsche Spieler und ein deutsches Trainergespann zu setzen. „Ich persönlich bin ein großer Fan von diesem System. Hoffentlich sehen auch andere Vereine, dass es mit deutschen Coaches auch funktioniert“, sagte Pielmeier.

Mit dieser Meinung steht Pielmeier im Nationalteam nicht alleine da. Selbst DEB-Präsident Franz Reindl sagte während der DEL-Playoffs zum Weg der DEG: „Das ist die Zukunft.“ Kreutzer könnte ein aussichtsreicher Kandidat werden, falls es mit Krupp doch nicht klappt.

Geoff Ward: Wahrscheinlichkeit gering.

Der Meistercoach der Adler Mannheim war bei der WM als Assistent von Cortina dabei und wurde von Spielern, Cortina und Reindl ausdrücklich für seine Arbeit gelobt. Nicht nur wegen seiner NHL-Vergangenheit als langjähriger Co-Trainer der Boston Bruins wäre er eine absolute Respektsperson. Vor allem im Hinblick auf die Heim-WM 2017 will Reindl aber offensichtlich unbedingt einen deutschsprachigen Chefcoach an der Bande, um diesen als „Gesicht“ vermarkten zu können.


Harold Kreis:
Wahrscheinlichkeit sehr gering.

Der frühere DEL-Coach der Düsseldorfer EG und Adler Mannheim galt als Co-Trainer von Krupp beim DEB mal als „heimlicher Nationaltrainer“, übernahm während der WM-Spiele 2010 öfter das Coaching. Wurde zuletzt erst noch von Ex-Nationalspieler Sven Felski für die damalige Zeit gelobt. Der frühere Nationalspieler Kreis steht aber inzwischen als Trainer beim EV Zug in der Schweiz an der Bande.


Ralph Krueger:
Wahrscheinlichkeit gegen Null

Vater von Nationalverteidiger Justin Krueger. Der Deutsch-Kanadier ist ein Schwergewicht der Branche und führte die Schweiz als Nationaltrainer von 1997 an aus der Zweitklassigkeit in den Dunstkreis der Weltspitze. War später NHL-Coach der Edmonton Oilers und galt nach der Krupp-Ära lange als Favorit von Reindls Vorgänger Harnos. War damals aber schlicht zu teuer und dürfte dies auch heute sein. Zudem ist er seit einem Jahr Vorstandsvorsitzender des englischen Fußballclubs FC Southampton in der Premier League. „Mein Vater ist zu 100 Prozent im Fußball“, wiegelte Sohn Justin daher ab. Er sagte aber auch: „Ich merke schon, dass er das vermisst, auf dem Eis zu sein. Er hat das Blut. Er ist sehr gerne Trainer.“


Pat Cortina:
Wahrscheinlichkeit gegen Null.

Natürlich kommt Cortina für eine Vertragsverlängerung infrage, zumal das Nationalteam bei der WM angesichts von mehr als 20 Absagen ein respektables Turnier ablieferte. Wurde von den Spielern dafür gelobt. Die Misserfolge der Vergangenheit drohen ihm aber zum Verhängnis zu werden.