Breitenreiter ist Schalkes Neuer

Gelsenkirchen..  Überraschende Wende beim FC Schalke 04: André Breitenreiter, bisher Trainer des SC Paderborn, wird Nachfolger von Roberto Di Matteo. Mit dem seit der Trennung von dem Italiener als Top-Kandidat gehandelten Marc Wilmots ist sich der Bundesligist nicht einig geworden. Nach Informationen dieser Zeitung hat der Verein seinem früheren Vorzeige-Fußballer am Freitag eine Absage erteilt – und nicht umgekehrt.

Am frühen Freitagabend verkündeten die Schalker dann, dass Breitenreiter einen Zweijahresvertrag bis Juni 2017 erhält. „Wir sind sehr glücklich, in André Breitenreiter den passenden Cheftrainer gefunden zu haben“, erklärt Schalkes Manager Horst Heldt, der Gespräche mit mehreren Kandidaten geführt hatte, die seinem Anforderungsprofil entsprachen.

Nachdem die Schalker am Montag eine Absage des Augsburger Erfolgstrainers Markus Weinzierl hatten hinnehmen müssen, traf sich Heldt am Mittwoch mit Breitenreiter in einem Düsseldorfer Hotel. Dabei soll der sich sehr schnell als ein Favorit herauskristallisiert haben. „Nach dem Abschied von Roberto Di Matteo habe ich betont, was wir uns vom neuen Coach erwarten: attraktiven, leidenschaftlichen Offensivfußball und einen Teamgedanken, der unsere Fans begeistert“, betont Heldt.

Pluspunkte bei Schalkes Fans

Breitenreiter habe alle Verantwortlichen umfassend überzeugt. „Er ist ein junger, mutiger Trainer. Beim SC Paderborn hat er bewiesen, dass er Talente weiterentwickeln kann und es versteht, eine Mannschaft zu formen und besser zu machen“, erklärt Heldt.

In der Tat genießt der 41-Jährige trotz des Bundesliga-Abstiegs der Ostwestfalen in der Branche einen guten Ruf. Denn er hat die mit wenig Finanzkraft ausgestatteten Paderborner nicht nur überraschend in die Bundesliga geführt, sondern auch dort mit dem krassen Außenseiter-Team keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Erst gegen Ende der Saison reichte es für die Paderborner dann doch nicht mehr. Großes Pech hatten sie am vorletzten Spieltag: In Schalke waren sie die deutlich engagiertere und spielstärkere Mannschaft, dennoch kassierten sie eine 0:1-Niederlage – besiegelt durch ein Eigentor!

André Breitenreiter sammelte an diesem 16. Mai viele Pluspunkte bei den Schalker Anhängern, die sich nach dem Fußball zum Einschlafen in der Ära Di Matteo nach einem Trainer sehnen, mit dessen Vorstellungen sie sich voll identifizieren können. Allzu teuer dürfte Breitenreiter auch nicht sein: Eine Klausel in seinem bis 2016 datierten Vertrag ermöglichte ihm den Wechsel, die Ablösesumme soll zwischen 500 000 und einer Million Euro liegen.

Nach den Verhandlungsgesprächen mit Marc Wilmots entschieden sich die Schalker, auf eine Verpflichtung des Trainers der belgischen Nationalmannschaft zu verzichten. Es ist davon auszugehen, dass einer Einigung auch die Forderungen von Wilmots in Bezug auf Macht und Geld im Wege standen. Neben der Ablöse an den belgischen Verband in Höhe von zwei Millionen Euro soll es um vier Millionen Euro Jahresgehalt bei einem Dreijahresvertrag gegangen sein. Außerdem wollte Wilmots sein Trainerteam mit nach Gelsenkirchen bringen.

Wilmots reagiert verärgert

Der Belgier reagierte am Freitagabend vor dem EM-Qualifikationsspiel in Wales stocksauer. Während er mit dem Team beim Essen saß, erreichte ihn die zuerst von unserem Online-Portal DerWesten.de verbreitete Meldung. „Wenige Stunden vor unserem so wichtigen Spiel solche Nachrichten zu streuen, das ist Wahnsinn und ganz schlechter Stil“, sagte Wilmots dem Sportmagazin Kicker. Es sei nach Gesprächen mit Schalke schnell klar gewesen, „dass wir konzeptionell nur schwer zusammenkommen“. Schalke sei zu ihm gekommen, deshalb sei es „ein schlechter Witz, wenn man meint, mir absagen zu können“.