Boykott in der Essener Kreisliga

Essen..  An diesem Wochenende steht in der Essener Fußball-Kreisliga B 1 das Rückspiel zwischen dem Drittplatzierten Türkiyemspor und der noch ungeschlagenen zweiten Mannschaft des BV Altenessen an. „Aber wir werden nicht antreten“, sagt Türkiyemspor-Trainer Selcuk Günes. Sein Team will wie alle anderen Vereine der Liga nicht mehr gegen BVA II spielen. Den Boykott erklären die Vereine in einem Offenen Brief mit dem „unfairen, sogar brutalen Verhalten einzelner Spieler, Zuschauer sowie Offizieller“.

Der Fußballkreis „Essen Nord-West“ war nach etlichen Gewalttaten und drei lebenslangen Spielersperren in dieser Saison bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Neben anderen Mannschaften tragen auch die des BVA Schuld daran: Im September wurde die Partie BVA I gegen Fatihspor wegen einer Schlägerei abgebrochen, im November der Kick gegen Essen-Nord. Der BVA-Vorsitzende Bodo Hanneberg meldete die erste Mannschaft frustriert ab.

Am 22. Februar kam es beim Aufeinandertreffen von BVA II und Juspo West zum traurigen Höhepunkt: Als der bis dahin ungeschlagene Ballspielverein 0:2 hinten lag, streckte der Kapitän den Schiedsrichter nieder, schlug auf ihn ein. Ein Mitspieler soll ebenfalls zugeschlagen und gespuckt haben, ein Dutzend Streifenwagen rasten zum Tumult. Die Spruchkammer sperrte den Kapitän lebenslang, wollte fortan drei Schiedsrichter und einen Funktionär als Aufpasser zu jedem BVA-Spiel schicken. Das aber reicht der Konkurrenz nicht, erklärt Selcuk Günes: „Alle haben Angst, ein Tor gegen die zu erzielen. Wer garantiert für unsere Sicherheit?“

Gespräch mit 70 Vereinen

Der BVA, der 2010 vom DFB für seine Integrationsarbeit ausgezeichnet wurde, will Täter in den eigenen Reihen ausschließen. Ein neuer Trainer soll für Disziplin in der Weltauswahl sorgen, in der Männer mit Wurzeln in neun Nationen mitmischen. Die Konkurrenz aber spielt nicht mit. Jede ausgefallene Partie wird nun laut satzung für BVA II gewertet. Am Ende wird Altenessen so aufsteigen – und doch der Verlierer sein.

Der Fußballkreis indes appelliert an die Stadt, Gewalttäter von allen Plätzen zu verbannen, und bittet am Montag Vertreter von 70 Vereinen zum Krisengespräch.