Borussia Dortmund steckt ratlos im Keller der Bundesliga fest

Dortmund.. Die Pfiffe gellen. Laut. Von überall her. Sie gelten zehn Männern in Schwarz und Gelb, die sich nach dem Schlusspfiff vor der Südtribüne versammeln. Borussia Dortmund, Tabellenletzter der Fußball-Bundesliga, hat soeben 0:1 (0:0) gegen den FC Augsburg verloren. Und die Wut, die Wut der vielen Tausend muss raus. Torwart Roman Weidenfeller nähert sich den Fans, man kippt ihm Bier entgegen, Becher fliegen. Weidenfeller erklimmt den Zaun hinter dem Tor, versucht zu erklären, was kaum zu erklären ist. Das Ergebnis. Die Art und Weise, wie es zustande kommt. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, dröhnt es ihm und seinen Kollegen entgegen. Die Botschaft ist unmissverständlich.

Und sie trifft auf offene Ohren. Kurz nach dem Spiel sagt Trainer Jürgen Klopp: „Das Ergebnis tut weh.“ Er sagt aber auch, man sei selbst verantwortlich für diese Niederlage. Beim Gegentor: „Das war fünf-, sechsmal zu verteidigen.“

Bei allem Ärger und bei aller Wut war aber doch lange ein bisschen Hoffnung übrig gewesen. 27 Minuten waren ja schließlich noch übrig von diesem Spiel, das ein Schritt nach vorn werden sollte. 27 Minuten in Überzahl. Christoph Janker konnte den in Mach-Geschwindigkeit heranrauschenden Pierre-Emerick Aubameyang nur noch mit einem Foul stoppen. Letzter Mann, Rote Karte, Platzverweis.

Das Gefühl, das die Menschen im Stadion einte: Gegen zehn Augsburger möge es doch wohl möglich sein, ein Tor zu erzielen. Das Tor zum 1:1, das zumindest einen Punkt rettet. Dortmund spielte auf das Tor, in dem einst die Treffer gegen Malaga fielen. Doch das war ein anderes Dortmund.

Das Dortmund der Gegenwart ist anfällig. Nach einer halben Stunde hätte der Gast drei Treffer erzielt haben können. Raul Bobadillas Kopfball geriet zu lasch (2. Minute), der Lupfer von Dong-Won Ji, in der Hinrunde noch Borusse, zu hoch (14.), der Schuss von Paul Verhaeg nur knapp zu ungenau (31.). Die nach dem Rückrundenstart als zurückerobert gepriesene Stabilität in der Defensive entpuppte sich in dieser Partie gegen die bestens organisierten und balllsicheren Augsburger als nicht sehr belastungsresistent. Immerhin: Offensiv kam der BVB zu ein paar Chancen. Kevin Kampl verzog nach 15 Minuten aus spitzem Winkel, Sekunden später setzte Marco Reus seinen Schuss ans Außennetz.

Doch nach 50 Minuten passierte wieder, was dem BVB so oft schon passierte: Fatale Fehler von Kevin Großkreutz, von Sokratis, von Mats Hummels reihen sich aneinander und am Ende kam Bobadilla acht Meter vor dem Tor frei zum Schuss. Drin. 0:1. Schockzustand beim BVB, kaum Aufbäumen. Auch Trainer Klopp fährt sich nur mit der Hand durch den Bart.

Flanken, Pässe, Dribblings misslingen. Die Stimmung war in den letzten Minuten längst gekippt. Der eingewechselte Henrikh Mkhitaryan scheiterte an Alexander Manninger (89.) und Ciro Immobile köpfte dem Augsburger Torwart aus drei Metern in die Arme (91.). Schlusspfiff. Wut. Und wohl auch ein bisschen Angst.