Boris auf Schalke
10.01.2010 | 11:20 Uhr 2010-01-10T11:20:00+0100Michael Boris ist neuer Trainer der zweiten Mannschaft von Schalke 04.
Ein einziges Tor sorgte dafür, dass sich einiges in Bewegung setzte: Die entscheidende Wende im beruflichen Leben des Fußballtrainers Michael Boris brachte ein Treffer im Frühsommer 2009. Durch das Tor in der 122. Minute des Finals des Mittelrheinpokals gegen den Bonner SC rettete sich der TSV Germania Windeck, damals Boris’ Team, ins Elfmeterschießen. Das gewann Windeck, zog dadurch in den DFB-Pokal ein - und dann ging für Boris alles ganz schnell. Seit einigen Tagen ist der 34-Jährige neuer Trainer der zweiten Mannschaft des FC Schalke 04.
„Ich bin totaler Optimist, aber ganz klar auch immer realistisch“, sagt Boris über Boris. Der S04 II liegt im Moment als Tabellen-14. nur einen Punkt vor dem ersten Abstiegsplatz. Es zählt also nur der Klassenerhalt, der Gang in die NRW-Liga muss verhindert werden. Der Neue, der Oliver Ruhnert ablöste, wird also viel zu tun bekommen.
Mit Zé Roberto II und Streit durch Ostdeutschland
Mit Neuzugängen wird Boris dabei nicht rechnen können. Dafür aber immer wieder mal mit Kickern aus der Profimannschaft. So wie im Moment: Der verspätet in Deutschland eingetroffene Zé Roberto II und Albert Streit reisen mit Boris, seinem Co-Trainer Frank Döpper und dem Tross der Zweiten durch Ostdeutschland. Am Donnerstag spielte der S04 II bei einem Hallenturnier in Leipzig, am Freitag in Erfurt, am Samstag steht Sömmerda und am Sonntag Nordhausen auf dem Programm. „Die ganzen Geschichten über Albert Streit kann ich nicht bestätigen, er verhält sich hier einwandfrei und vorbildlich“, sagt Boris.
Sogar Andreas Köpke hatte einst mit dazu beigetragen, dass Boris die Karriereleiter ein paar Stufen hochklettern konnte: Im August hatte der Ex-Nationaltorwart dem TSV Germania Windeck für die erste Pokalrunde die Bundesliga-Kicker des S04 zugelost. „Das war irre, da zieht der Köpke echt diese Kugel“, erinnert sich Michael Boris. Für das Fernseh-Interview mit Sky vor dieser Partie hatte er dann seinen ganzen Mut zusammengenommen, auf den Tipp von Uli Potofski (früher RTL, heute Sky und NRW-TV) gehört und Schalke-Trainer Felix Magath gesagt, dass er sich ein Praktikum beim FC Schalke wünsche - vor laufender Kamera. Magath reagierte gelassen, erlaubte dies und kurz darauf fuhr Boris die 120 Kilometer zum Training der königsblauen Profis.
Absprachen mit Co-Trainer Bernd Hollerbach
„In den 14 Praktikumstagen habe ich es nur zu drei Einheiten geschafft. Ab Mitte August aber war ich aber regelmäßig dienstags bei Schalke“, so Boris. Mit Co-Trainer Bernd Hollerbach besprach sich Michael Boris, machte ab, wann und wie oft er zu Schalke kommen darf. Mit dem Wolfsburger Meistertrainer Felix Magath hingegen hatte er nur wenig Kontakt. „Ich habe kaum mit ihm gesprochen. Er hatte immer sehr viel um die Ohren, stellt dem Erfolg alles unter“, sagt der Jungtrainer, der in der Saison 2007/08 beim Duisburger Klub VfB Homberg in der Oberliga Nordrhein und danach eineinhalb Jahre in Windeck arbeitete, voller Respekt über den alten Trainerfuchs.
„In den nächsten zwei Jahren braucht mich niemand mehr zu motivieren“, freut sich Boris, der die A-Lizenz besitzt, über seine neue Funktion. „Ich gebe hier alles und möchte das in mich gesteckte Vertrauen zurückzahlen.“ Heißt: Klassenerhalt in der Regionalliga. Und dann? Wie geht es weiter mit einem 34-jährigen Mann, der bereits in der Regionalliga die Zweitvertretung eines renommierten Bundesligaklubs trainiert? Schnell denkt man an Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel...“nein, nein, das ist doch alles Zukunftsmusik“, hält Boris bewusst den Ball flach - und die Erwartungen niedrig. „Wie es weitergeht, ist doch gar nicht planbar. Mein nächstes Ziel ist der Klassenerhalt.“
Naja, ein anderes Ziel gibt es aber doch im Leben des Michael Boris: „Irgendwann will ich die Ausbildung zum Fußball-Lehrer in Köln machen. Im Moment habe ich dazu aber keine Zeit.“
Video: RevierSport
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