„Bis zum Schluss ein harter Kampf“

Doha..  Die äußeren Bedingungen waren hervorragend, die internen nicht: Bundesligist Schalke 04 wurde in seinem Winter-Trainingslager im warmen Katar erneut von Verletzungspech verfolgt. Und so ergeben sich vor dem Rückrundenstart am 31. Januar gegen Hannover 96 Probleme, die auch Manager Horst Heldt bekannt vorkommen.

Das Trainingslager ist beendet. Wie zufrieden ist der Manager?

Horst Heldt: Wir haben in Ruhe arbeiten können. Es ist schön, dass Jan Kirchhoff nachgereist ist und alle Einheiten mitmachen konnte. Sidney Sam und Kevin-Prince Boateng haben intensiv trainiert, das war zuletzt nicht der Fall. Davon können wir in der Rückrunde enorm profitieren.

Sechs Spieler sind in Deutschland geblieben, drei Spieler haben sich in Katar verletzt. Haben Sie Angst, beim Training zuzuschauen?

Wenn unser Arzt wieder über den Platz rennt, beobachtet man das sehr genau. Aber dass sich Spieler verletzen, kommt bei dieser Intensität vor. Natürlich tut es uns weh, dass mit Ralf Fährmann, Dennis Aogo und Maurice Multhaup drei Spieler verletzt abreisen mussten. Bei Fährmanns Kreuzbandzerrung hatten wir Glück im Unglück, es hätte schlimmer kommen können.

Warum zogen sich die Verhandlungen mit Matija Nastasic hin?

Es erweckt vielleicht den Eindruck, aber es hat gar nicht so lange gedauert. Der Teufel steckt eben im Detail. Im Fall Nastasic kommt hinzu, dass er als Nicht-EU-Bürger ein Vorab-Visum für Katar brauchte und Botschaften nicht rund um die Uhr arbeiten. Als wir den Durchbruch erzielt haben, ging es sehr schnell.

Wie ist Ihr erster Eindruck von ihm?

Matija ist ein kommunikativer, junger Spieler. In der ersten Trainingseinheit hat er sofort seinen Job gemacht. Er ist Innenverteidiger. Damit meine ich, dass er auf dem Platz nicht so freundlich und nett ist wie sonst. Das muss er auch nicht, dafür haben wir ihn von Manchester City ausgeliehen. Wir sind überzeugt davon, dass er eine große Verstärkung ist.

Braucht die Mannschaft wegen der vielen verletzten Spieler denn noch weitere Verstärkungen?

Im Moment ist nichts geplant, weder an Zugängen noch an Abgängen. Ob wir noch was machen, hängt auch davon ab, wer von den Verletzten bis zum Rückrundenstart zurückkommt.

Welche Spieler erwarten Sie denn bald zurück?

Leon Goretzka hat im Trainingslager einen großen Schritt nach vorne gemacht, er hat zwar nur individuell trainiert, das aber sehr gut. Wir haben große Hoffnungen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis er ins Mannschaftstraining einsteigt. Auch bei Joel Matip sieht es sehr gut aus. Atsuto Uchida ist am weitesten, er wird am Sonntag oder Montag wieder mittrainieren.

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Roberto Di Matteo?

Sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit macht großen Spaß. Das empfinden auch die Spieler so. Er hat einen klaren Plan.

Das Ziel ist die erneute Qualifikation für die Champions League. Würden Sie Rang vier heute unterschreiben?

Am liebsten wollen wir uns auf direktem Wege qualifizieren, das bedeutet mindestens Rang drei. Der FC Bayern ist Meister, Platz eins ist zementiert. Dahinter gibt es einen harten Kampf bis zum Schluss. Wolfsburg, Mönchengladbach, Leverkusen, auch Augsburg wird nicht leicht abzuschütteln sein.

Der FC Schalke hat sich zum vierten Mal in Doha auf die Rückrunde vorbereitet. Der Vertrag mit der Aspire-Academy ist ausgelaufen. Strebt der Verein eine Verlängerung an?

Wir werden gemeinsam mit Roberto Di Matteo ein Resümee ziehen. Entschieden ist noch nichts.

Traininglagerreisen nach Katar sorgen in Deutschland für Diskussionen. Es gibt Missstände, die nicht von der Hand zu weisen sind. Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, wünscht sich mehr Fingerspitzengefühl und einen kritischeren Blick, weil bei der WM 2022 in Stadien gespielt wird, in denen Bauarbeiter aufgrund der Bedingungen ihr Leben gelassen haben.

Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass hier auch schlimme Fehler gemacht wurden, die nicht akzeptabel sind. Aber der Dialog, die Auseinandersetzung mit dem Land findet vor Ort statt und nicht aus der Entfernung. Die Kataris haben sich dieses Themas sehr angenommen und in der Gegenwart Missstände behoben. Es ist eine Entwicklung, die man unterstützen und im Dialog begleiten sollte.