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Bettina Hoy hofft auf Blitzheilung

06.07.2008 | 22:08 Uhr

REITEN. Verletzung ihres Pferdes lässt die Vielseitigkeits-Reiterin um ihren Olympiastart bangen.

AACHEN. Sie hat einen Traum. Mit der Goldmedaille um den Hals und dem Blumenstrauß in der Hand auf dem Podest der Nationalhymne zu lauschen. Den Tränen freien Lauf zu lassen und den Triumph zu genießen. Sie hat diesem Moment schon einmal erlebt - damals in Athen. Doch der Augenblick ihres größten Erfolges blieb ein Traum, aus dem Bettina Hoy unsanft erwachte.

Sie musste ihre beiden Goldmedaillen zurückgeben und zusehen, wie sich die Konkurrenz damit schmückte. In diesen Momenten mag sie sich geschworen haben, ihre Medaillen bei der nächsten Gelegenheit zurückzuerobern. Die wäre jetzt in Hongkong. Bettina Hoy ist fit, ihr 17-jähriger Wallach Ringwood Cockatoo hat ebenfalls bewiesen, dass er in Olympiaform ist, die Nominierung in Aachen schien nur eine Formsache.

Bis zum Freitag. Im Springparcours passierte es. Ringwood Cockatoo verweigerte seiner Reiterin plötzlich die Mitarbeit und rutschte dabei unglücklich in eines der Hindernisse. Zunächst schien alles nicht weiter tragisch, der Schock kam für Bettina Hoy am Samstag: der Schimmel lahmte. Die Reiterin sagte sofort ihren Start im Gelände ab und fuhr mit ihrem Pferd in die Klinik. Röntgen und Ultraschall blieben ohne Befund.

Teamtierarzt Dr. Carsten Rohde diagnostizierte allerdings ein Hämatom am Sitzbeinhöcker. "Das scheint ihm sehr weh zu tun", erklärte Bettina Hoy sichtlich mitgenommen. Die Amazone kämpfte mit den Tränen, als sie sagte: "Bei mir geht es anscheinend nicht ohne Drama. Mein Seelenleben ist entsprechend."

Schlimmer noch als die verblassenden Olympiaträume ist, dass sie selbst Auslöser der Tragödie war. "Ich habe das Hackemore (gebisslose Zäumung, Anm. d. Red.) zu scharf geschnallt. Das ist mir noch nie passiert. Cockatoo ist sehr sensibel und deshalb hat er beim Springen so extrem reagiert. Ich mache mir große Vorwürfe", sagte die 45-Jährige.

Fitnesstest in Hünxe soll Klarheit bringen

Sie kann jetzt nur noch hoffen, dass sich der Bluterguss in kürzester Zeit zurückbildet und ihr Schimmel wieder schmerzfrei laufen kann. Nur dann hat sie eine Chance, mit nach Hongkong zu reisen. Die Quarantäne für die Pferde beginnt bereits in zehn Tagen und der Bundestrainer Hans Melzer macht keine Ausnahmen. "Wenn der Wallach in drei bis vier Tagen nicht wieder fit ist, ist der Zug abgefahren."

Bettina Hoy bleibt nichts anderes übrig als abzuwarten und auf eine Blitzheilung zu hoffen. Auf den Einsatz von Medikamenten und Schmerzmitteln muss sie aufgrund der Dopingbestimmungen verzichten. Sie plant jedoch, am Dienstag wieder im Sattel zu sitzen.

Das muss sie auch, denn nach langer Beratung hinter verschlossenen Türen hat der Bundestrainer sie zwar nominiert, aber unter einer Bedingung: Bettina Hoy und Ringwood Cockatoo müssen am kommenden Wochenende bei der Zwei-Sterne-Vielseitigkeit in Hünxe beweisen, dass sie fit sind. "Das ist die richtige Entscheidung. Wir werden zeigen, dass wir einsatzbereit sind", sagte Bettina Hoy am Samstagabend, schon sichtlich gefasster.

Sie hat ihren olympischen Traum noch nicht ausgeträumt. Ob sie jedoch mit der Goldmedaille um den Hals auf der Ehrenrunde galoppieren wird, daran wagt sie selbst nicht mehr zu glauben. "Es wäre natürlich schön, wenn es eine Wiedergutmachung für Athen gäbe, doch wir müssen abwarten. Keiner weiß, wie die Pferde mit dem Klima zurecht kommen. Ich hoffe aber auf ein gutes Einzelergebnis." Noch sind die Spiele für Bettina Hoy nicht zum Albtraum geworden. (NRZ)

DOMINIQUE SCHROLLER

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