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Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw

14.08.2012 | 19:17 Uhr
Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw
Berti Vogts bricht eine Lanze für Joachim Löw.Foto: Jakob Studnar / WAZ FotoPool

Düsseldorf.  Berti Vogts ist nach wie vor Deutschlands letzter Europameister-Trainer. Er lobt Bundestrainer Joachim Löw, sieht die Nationalmannschaft bei 80 Prozent und prophezeit der Liga ein spannendes Titelrennen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern.

Sein persönliches Dilemma bündelte Berti Vogts während seiner Zeit als Bundestrainer in einem bemerkenswerten Satz: „Wenn ich übers Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker: Nicht mal schwimmen kann er!“ Er war weder Lichtgestalt noch Sommermärchenonkel, er war der Fußballlehrer mit dem Imageproblem. Erfolglos aber blieb er nicht: Der Mann, der schon als Spieler 1974 Weltmeister geworden war, krönte seine Trainerlaufbahn 1996 mit dem Gewinn der Europameisterschaft in England. Beim Gespräch in einem Düsseldorfer Hotel nimmt der 65-Jährige, der seit vier Jahren als Nationaltrainer von Aserbaidschan arbeitet, nicht nur die aktuelle deutsche Nationalmannschaft unter die Lupe, sondern beurteilt vor dem Bundesligastart auch die Lage beim Meister Borussia Dortmund, beim Herausforderer FC Bayern und bei seiner alten Liebe Borussia Mönchengladbach.

Nach Ihnen hat kein Bundestrainer mehr einen Titel gewonnen. Hätte das deutsche Team dies bei der Europameisterschaft 2012 ändern müssen?

Berti Vogts im Gespräch mit Redakteur Peter Müller.Foto: Jakob Studnar / WAZ FotoPool

Berti Vogts: Bis zum Viertelfinale waren wir mit Abstand die beste Mannschaft. Besser als die Spanier, deren Ballgeschiebe ich mir schon nicht mehr anschauen konnte. Aber die konnten dann im Finale noch zulegen. Wir dagegen haben es den Italienern zu leicht gemacht. Ich hatte erwartet, dass wir ins Endspiel kommen würden.

Sie kennen das aus Ihrer Zeit, für Joachim Löw war es neu: Nach dem Halbfinal-K.o. stand er in Teilen der Öffentlichkeit schwer in der Kritik.

Vogts: Diese Diskussion um ihn durfte gar nicht erst aufkommen. Was er geleistet und aufgebaut hat, zuvor auch schon in Verbindung mit Jürgen Klinsmann, das ist aller Ehren wert. Löw hat die Mannschaft ja sogar noch weiterentwickelt, deshalb ist es großer Bullshit, ihn nach einer Niederlage zu zerreißen. Ich habe ihn auch direkt angerufen und ihm geraten, dass er jetzt bloß nicht den Fehler einer Kurzschlusshandlung machen soll.

Es hieß, der deutschen Mannschaft fehle die Siegermentalität.

Vogts: Die war aber in den ersten vier Spielen da. Ich denke, wir haben gegen Italien aufgrund des jugendlichen Elans verloren. Wir haben jetzt eine Generation, die ganz anders spielt als andere vor ihr, viel eleganter. Aber wir sind noch nicht so weit, dass man uns die Brasilianer Europas nennen könnte, da sind die Spanier weiter. Du brauchst auch mal ein paar Säcke, die Aggressivität reinbringen, die ein Team auch mal wachrütteln. Wie früher ein Lothar Matthäus oder ein Matthias Sammer. Ich bin kein Freund von Stefan Effenberg, das ist bekannt, aber wie auch er bei den Bayern gefightet hat, das war beeindruckend.

In zwei Jahren wird es bei der WM in Brasilien kaum leichter werden.

Vogts: Ganz sicher nicht. In der Vorbereitung sollten die Deutschen deshalb nicht wieder die Südamerikaner zu uns holen, sondern bei ihnen spielen, dort können unsere Spieler etwas lernen. Ich denke, die Mannschaft ist erst bei 80 Prozent.

Aber es rücken regelmäßig interessante junge Spieler nach.

Vogts: Ja, ziemlich viele sogar. Dafür muss man auch mal der Liga Dank sagen, die in ihren Akademien hervorragend arbeitet.

Auch die Trainer haben umgedacht. Früher saßen U-21-Nationalspieler in der Bundesliga auf der Bank, heute spielen die Besten in diesem Alter schon bei Joachim Löw.

Vogts: Die Jungs sind ja auch deutlich besser ausgebildet. Und sie machen natürlich weniger Probleme als Stars, die ihre eigenen Schwächen nicht kennen wollen.

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Berti Vogts denkt auch mit 65 nicht an die Rente

Den Geburtstag verbringt der frühere Bundestrainer Berti Vogts mit seinem Sohn Justin und ein paar Freunden in Dubai, weil er seine Ruhe haben möchte. Im Fußballgeschäft ist er aber noch umtriebig wie immer.

Macht Jürgen Klopp alles richtig?

Vogts: Er ist der Vater des Dortmunder Erfolgs, aber beim BVB passt alles. Watzke und Zorc geben dem Trainer Ruhe und Sicherheit, und er formt die Mannschaft – und zwar mit Begeisterung. Toll, wie die Dortmunder spielen. Ähnlich wie wir Gladbacher in den 70er-Jahren.

Gutes Stichwort. Ihre Borussia ist überraschend auf Platz vier gelandet, hat sich aber von mehreren Leistungsträgern trennen müssen. Ihr Urteil?

Vogts: Das Wichtigste war, sich für Lucien Favre als Trainer zu entscheiden. Es ist sein Verdienst, dass wir uns jetzt für die Champions League qualifizieren können. Man muss aber auch feststellen: Max Eberl hat genau richtig eingekauft, das sind Investitionen in die Zukunft. Favre muss die neuen Spieler zwar jetzt noch integrieren, aber ich hoffe sehr, dass sie einschlagen werden.

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Und der FC Bayern? War es eine gute Idee, Matthias Sammer als Sportdirektor zu holen?

Vogts: Für den DFB ist es schade, aber für die Bayern enorm wichtig. Matthias Sammer ist ein anständiger Kerl. Alles, was er will und macht, dient dem Erfolg. Er wird vieles bewegen, auch mit seiner direkten, knorrigen Art – mir gefällt sie. Aber ein großes Kompliment muss man natürlich Jupp Heynckes aussprechen. Denn er hat als Trainer die Zustimmung zu dieser wertvollsten Neuverpflichtung der Bayern gegeben. Matthias hat in ihm einen Menschen, dem er voll vertrauen kann. Es wird Schlagzeilen geben – aber gemeinsam werden die beiden das aushalten.

Führt der Weg zur Deutschen Meisterschaft ausschließlich über Dortmund und München?

Vogts: Ja, nur. Entscheidend wird sein, wie sich die Dortmunder diesmal international schlagen, sie wollen ja in Europa auch mal eine Duftnote hinterlassen. Dann werden sie es in der Bundesliga auch nicht mehr so leicht haben. Es wird auf keinen Fall mehr passieren, dass Dortmund dreimal in einer Saison gegen die Bayern gewinnt.

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Kommentare
15.08.2012
16:56
Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw
von freischwimmer | #9

und was meint Lottar M.

15.08.2012
15:30
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.08.2012
12:39
Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw
von lightmyfire | #7

Die Kleinen haben es schwer und er ist Trainer und war in der gleichen Position wie Löw für den er verständlich eine Lanze bricht. Löw machte ein Fass auf, dass fast in Vergessengeheit geraten war und seine Kritik an Medien und Gegner werden daran nichts ändern, weil es mehr um "Nebenschauplätze" ging, die auch in Zukunft ihren Bestand haben werden. Die fachlichen Fehler wurden in seiner Kritik nur am Rande wiedergegeben.

Jeder Mensch und sei es der beste Fußballtrainer der Welt neigt dazu, Fehler zu entschuldigen oder zu beschönigen und bringt mehr Vorwände als Einwände hervor.

15.08.2012
12:05
Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw
von Karl-J.Schmitz | #6

Die Meinung Berties interessiert doch eh die Wenigsten und Sachverstand ?? ... nun ja !!

15.08.2012
11:39
Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw
von dummmberger | #5

Berti ist in seiner Außendarstellung ja immer etwas gewöhnungsbedürftig. Aber an seinen Aussagen in diesem Interview gibt es nichts zu kritisieren. die sind sehr sachlich und offenbaren auf jeden Fal mehr Sachverstand als bei den meisten Kommetatoren hier.

15.08.2012
10:05
Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw
von buntspecht2 | #4

Herr Vogts war schon immer ein bisschen durch den Wind

15.08.2012
09:05
Der Sommerloch-Fussball-Experte...
von esc2300 | #3

...hätt ichs bloß nicht gelesen. Herr Vogts kann nicht anders als solch leeres Geschwafel.
Die grandioseste Leistung hat Herr Vogts in einer Tatort-Folge gebracht, wie viele von uns wissen:
Mann im Morgenmantel verdattert: „Naabbend!?“ – Berti Vogts, Kaninchen streichelnd: „Nahmd! Das ist doch euer Kaninchen, das saß vor meiner Haustür.“ – Mann im Morgenmantel leicht vorwurfsvoll: „Wie kommt das Kaninchen zu dir?“ – Berti Vogts aufmerksam: „Es riecht nach Gas! … Was ist denn hier los?“ – Frau im Morgenmantel müde: „Hallo!?“ – Berti Vogts entrüstet: „Ja wollt ihr uns denn alle in die Luft jagen?“ – Mann im Morgenmantel stammelnd: „Das… Das… Das müssen die Heizungsmonteure gewesen sein… Die… Die waren heute hier und ich hatte schon das Gefühl, die waren besoffen, als sie kamen…“ – Berti Vogts weltmännisch: „Erstatte Anzeige! Solche Leute arbeiten im falschen Beruf! Gib dem Kaninchen eine Möhre extra! Es hat uns das Leben gerettet… Tschüss!“

1 Antwort
Hey...nicht schlecht!
von Forwhomthetollbells | #3-1

Warst du beim Dreh dabei.... als Kaninchen? :-)

15.08.2012
08:15
Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw
von JayLemo | #2

Und Khedira will auch weiterhin die deutsche Hymne nicht singen, das Spiel heute abend spar ich mir dann. Ich fass es einfach nicht !

1 Antwort
Berti Vogts bricht eine Lanze für Bundestrainer Joachim Löw
von ModemHamster | #2-1

Wenn Du Leute beim Singen beobachte willst, solltest Du Dir vielleicht eine Karte für ein Konzert der Fischer-Chöre kaufen.

15.08.2012
07:40
Ein Trainer der für Aserbaidschan arbeitet
von meigustu | #1

ist vielleicht nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.

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