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Bei Preußen Münster herrscht Sehnsucht nach dem großen Fußball

02.11.2012 | 18:54 Uhr
Die Mannschaft von Preußen Münster hat in der 3. Liga häufig Grund zum Jubeln.Foto: imago

Münster.   Der Traditionsklub Preußen Münster will aus der 3. Liga aufsteigen - derzeit liegt man dort auf Tabellenplatz drei. Bei den Fans herrscht große Euphorie - und auch ein heutiger und ein ehemaliger Star sind optimistisch, dass am Ende der Saison die 2. Bundesliga steht.

Fußball-Fans haben Träume. Sie sehnen Titel herbei, sie wünschen sich in aussichtsloser Lage die Rettung vor dem Abstieg. Manchmal greifen sie auch gleich zu den Sternen. So wie der junge Mann, der zum Spiel seiner Preußen in der Fahrrad-Stadt Münster auf zwei Rädern anreiste. Neben der Grundausrüstung, schwarz-weiß-grüner Schal und das Trikot von Torjäger Matthew Taylor, hatte er sich zur Feier des Abends für den Schlager gegen den FC Augsburg den DFB-Pokal unter den Gepäckträger geklemmt. Etwas kleiner als das Original und auch lediglich aus Plastik, aber zum Hochrecken in der Ostkurve und als Anreiz für seine Helden auf dem Rasen wie geschaffen.

Auch wenn schließlich der Traum vom Einzug ins Achtelfinale durch das 0:1 gegen den Erstligisten aus Augsburg platzte, gingen die Fans des SC Preußen Münster, egal ob mit oder ohne Pott-Attrappe, gut gelaunt nach Hause. Obwohl eine weitere Sensation wie in der ersten Runde beim 4:2 gegen Werder Bremen ausgeblieben war. „Wir haben zwei Mannschaften auf Augenhöhe gesehen“, sagte Münsters Trainer Pawel Dotschew, „wir hatten sogar die besseren Chancen. Wir sollten nicht über das Pokal-Aus enttäuscht sein und nur das Positive mitnehmen. Wir haben gegen einen Erstligisten sehr gut mitgehalten. Jetzt wollen wir Erfurt schlagen.“ Der Tabellenletzte aus Thüringen kommt am Samstag nach Münster (14 Uhr, live im Ticker). Die Preußen sind wieder im Alltag angekommen. Dritte Liga, doch diesmal sind sie die klaren Favoriten. Mit 29 Punkten stehen sie auf Platz drei hinter dem VfL Osnabrück (32) und Arminia Bielefeld.

Annsgar Brinkmann glaubt an den Aufstieg

„In der Stadt ist die Sehnsucht riesengroß, endlich wieder in den großen Fußball zurückzukehren. Glücklicherweise sind wir seit 2011 aus dieser Drecks-Vierten-Liga raus“, sagt Ansgar Brinkmann. Der 43-Jährige ist Kult. Nicht nur beim SC Preußen Münster, bei dem er gleich dreimal unter Vertrag stand. Die Fans liebten ihn wegen seiner flotten Sprüche und seinem feinen Füßchen, sie feierten ihn als weißen Brasilianer. Unvergessen ist eine Ansage auf seinem Anrufbeantworter: „Bin bis fünf Uhr früh in meiner Stammkneipe zu erreichen“. Stamm-Gast ist der TV-Experte auch im Preußen-Stadion. „Die Mannschaft hat das Potenzial zum Aufstieg“, glaubt Brinkmann.

Es wäre Münsters Zweitliga-Rückkehr nach 21 Jahren. Der Klub, der 1963 noch zu den Gründungsmitgliedern der Fußball-Bundesliga gehörte, hat bessere Zeiten erlebt. Viel bessere. Wie 1951, als die Preußen den 1. FC Nürnberg, den Hamburger SV und Tennis Borussia ausschalteten und erst im Finale um die Deutsche Meisterschaft vor 100 000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion dem 1. FC Kaiserslautern mit 1:2 unterlagen. Das Tor für Münster erzielte Rechtsaußen Felix „Fiffi“ Gerritzen. Der Nationalspieler, der in Münster mit Adi Preißler, Rudi Schulz, Jupp Lamers und Sigi Rachuba den „100 000-Mark-Sturm“ bildete. Angeblich waren sie zusammen diese für damalige Zeiten unglaubliche Summe wert.

Finanziell im unteren Drittel der 3. Liga

Heute wird im Fußball mit anderen Beträgen jongliert. Auch in Münster. Aber mit einem Mannschafts-Etat von 2,7 Millionen Euro steht der aktuelle Kader des SC Preußen Münster im unteren Drittel der 3. Liga. Umso erstaunlicher ist das sportliche Abschneiden der Münsteraner. Und auch die finanzielle Situation des Klubs hat sich in den vergangenen Jahren unter Präsident Dr. Marco de Angelis stetig verbessert. Dank der Pokal-Einnahme gegen Augsburg konnten die Preußen ihre letzte Rate abbezahlen und sind seit dem 31. Oktober schuldenfrei. „Hier ist wirklich gute Arbeit geleistet worden“, urteilt Brinkmann.

Pokalspiel gegen Münster

Star der Mannschaft ist Matthew Taylor. Der US-Amerikaner erzielte nicht nur drei Treffer bei der Pokal-Sensation gegen Bremen, er führt auch die Torschützenliste der 3. Liga an. Der 30-Jährige hat schon für vier Zweitliga-Klubs in Deutschland gespielt. Das will er möglichst bald auch mit Münster tun. „Ich bin nur ein Mann in einer laufenden Maschine“, sagt Taylor, „Ich weiß, Münster war früher eine Fußball-Stadt, das wollen wir wieder werden. Hier steckt etwas unter der Decke.“

Thomas Lelgemann


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