Bei Inter darf Poldi wieder spielen

Mailand..  Das nennt man Arbeitseifer! Der Leihvertrag zwischen Inter Mailand und dem FC Arsenal war noch nicht einmal unterschrieben, da tauchte Lukas Podolski bereits im Trainingszentrum Appiano Gentile auf. Gern hätte der Kölner auch die Fußballschuhe geschnürt. Aber weil sich sein alter und sein neuer Arbeitgeber über Details noch nicht einig waren – die Unterzeichnung wird für den heutigen Montag erwartet –, musste der Weltmeister das tun, was zuletzt beim englischen Erstligisten Arsenal seine Hauptbeschäftigung war: zuschauen, wie die Kollegen mit dem Ball umgehen. Ob ihn das Gesehene erfreut hat, verkündete Nationalspieler Podolski bislang aber noch nicht.

Ein paar talentierte Kollegen findet er trotz Inters elftem Tabellenplatz in der italienischen Serie A an seiner neuen Arbeitsstelle immerhin. Kroatiens Spielmachertalent Mateo Kovavic ist dribbelstark und hat ein gutes Auge für den Nebenmann. Spaß dürfte Podolski auch das Zusammenspiel mit Mauro Icardi bereiten. Der Argentinier ist schnell, trickreich und spielt gern direkt. Seinen Durchbruch hat er allerdings noch nicht geschafft. Zumindest nicht auf dem Rasen. Bekannter als für Tore wurde Icardi durch die Affäre, in deren Folge er dem einstigen Mannschaftskollegen Maxi Lopez die Ehefrau ­ausspannte und später selbst ehelichte. Das Trio ließ die Welt per Twitter und Facebook an der Affäre teilhaben.

Fußballerisch erhofft sich Inter eine Erlösung durch Podolski. Seit dem Triumph in der Champions League im Jahr 2010 produzierten die Nerazzurri vor allem Negativschlagzeilen. Trainer wurden verschlissen, einstige Ikonen wie Javier Zanetti zu spät und auch noch stillos entsorgt. Sogar Oberfan Massimo Moratti verlor die Lust und verkaufte den Klub und trat später sogar als Ehrenpräsident zurück.

Poker um Cerci verloren

Trainerlegende Roberto Mancini, mit ihm gelangen Inter einst fünf Titelgewinne hintereinander, will die Wende mit einem offensiven 4-2-3-1-System versuchen. Dafür braucht er Angreifer auf den Flügeln. Nachdem der Poker um Kandidat Nummer eins, Alessio Cerci, verloren ging – er wechselte von Atletico Madrid ausgerechnet zum Inter-Lokalrivalen AC Mailand –, ist nun Poldi an der Reihe. „Ich kenne ihn gut. Er kann verschiedene Rollen übernehmen und wird uns sicher weiterhelfen“, meinte der frühere Meister-Coach von Manchester City optimistisch.

Ersten medialen Gegenwind hatte Podolski noch vor der ersten Ballberührung bekommen. Die „Gazzetta dello Sport“ kramte ein sieben Jahre altes Interview hervor, in dem der 29-Jährige sich ausgerechnet als Juventus-Fan identifizierte. Das ließ sofort Luft aus der frischen Liebe zu Inter entweichen. Und es wird klar: Hier haben nur zwei Versehrte zusammengefunden, die sich an den Krücken des Anderen aus den Malaisen befreien wollen.