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Bei Enke versagen alle Betroffenheits-Rituale

11.11.2009 | 14:11 Uhr
Bei Enke versagen alle Betroffenheits-Rituale

Essen. Über die Hintergründe des Freitods des Nationaltorhüters Robert Enke zu spekulieren, ist müßig und vor allem pietätlos. Es ist einfach bloß traurig. Ein Kommentar.

Robert Enke ist tot – angesichts der Nachricht vom Freitod des gerade mal 32 Jahre alt gewordenen Fußball-Nationaltorhüters von Hannover 96 versagen alle Betroffenheits-Rituale. Über die Hintergründe des Unfassbaren zu spekulieren, ist müßig und vor allem pietätlos. Steht doch hinter solchen Verzweiflungstaten immer eine Tragödie. Die Prominenz des Opfers macht sie nicht größer, nur spektakulärer.

Millionär, Nationaltorwart mit der Aussicht, bei der kommenden WM in Südafrika als Nummer eins im deutschen Tor zu stehen, respektiert und beliebt bei Mitspielern wie Gegnern – Menschen wie Enke wähnen wir auf der Sonnenseite des Lebens. Er selbst, einer der selten gewordenen leisen Stars, hatte die brutale Kehrseite aber schon kennengelernt, als er seine zweijährige Tochter verlor.

Das Spiel des Lebens ist zu Ende

Immer dann, wenn Sportler dabei sind, sich unverhältnismäßig über Nichtnominierungen oder falsche Schiedsrichterpfiffe zu erregen, bekommen sie zu hören: Es gibt auch ein Leben neben und nach dem Sport. Für Robert Enke ist das Spiel des Lebens zu Ende, bevor es richtig angefangen hat. Es ist einfach bloß traurig.

Reinhard Schüssler

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Kommentare
16.11.2009
13:02
Bei Enke versagen alle Betroffenheits-Rituale
von heinzwurscht | #35

also der herztod vieler junger spieler ist meist auf den missbrauch von doping zurück zuführen. wenn jemand den freitod wählt, da er keinen anderen ausweg sieht ist sehr schlimm und traurig.
da herr enke nunmal ein mensch war, der in den medien präsent war ist es verständlich das dies so zelebriert wird. wie wars bei michael jackson?
man kann von niemandem verlangen, der einen nahen angehörigen oder besten/guten freund verloren (durch suizid, unfall oder natur) verloren hat dies einfach zu ignorieren. fußball ist in deutschland die sportart nummer eins. und er war idol vieler fußballspieler und fans.
aber bei jeder art suizid sind immer andere menschen involviert. und die einzige art, wo niemand ein seelisches trauma erleidet (durch anblick des toten) sind nuneimal die tabletten, die allerdings auch recht jhäufig überleben.

männer bevorzugen eh die radikale kein weg zurück methode (erschießen, springen ...)

es ist schade, das es jedes jahr so viele suizide gibt. man sollte mehr präventiv maßnahmen ergreifen.

15.11.2009
20:19
Bei Enke versagen alle Betroffenheits-Rituale
von Frank Kaczmarek | #34

Die ganze Enke Show ist schon widerlich.Was die Medien da auffahren ist unglaublich. Zumal sich Enke selbst das Leben nahm. Was ist denn mit den vielen jungen Spielern, die auf dem Spielfeld den plötzlichen Herztod erlitten. Von denen wollte bestimmt noch keiner sterben. Ihnen wurde nicht soviel Anteilnahme zuteil.

13.11.2009
16:54
Bei Enke versagen alle Betroffenheits-Rituale
von Rarehero | #33

Wow, du bist krass drauf, millefit.
Was würdest du machen, wenn dein möglicherweise bester Freund überraschend stirbt? Gehst du gleich am Tag darauf wieder zur Arbeit (oder doch eher in die Schule?), als wäre nichts gewesen?

Die Spieler der Nationalmannschaft haben einen Freund verloren. Sie sind am Boden zerstört und du verlangst, dass sie einfach weiter machen sollen. Schon ... krass, irgendwie. Ich glaube, den Menschen in diesem Land geht es einfach zu gut,

12.11.2009
03:18
Bei Enke versagen alle Betroffenheits-Rituale
von millefit | #32

dieser ganze betroffenheitsmüll der abgelassen wird ist das eigentliche problem....the show must go on...weiter gehts.....

spielt von mir aus mit trauerflor aber das hat es zu sein....

länderspiel absagen? wieso?

es bringen sich hunderte menschen im monat um.....werden deshalb firmen geschlossen?

oder krankenhäuser?

so schlimm der freitod von robert enke für die angehörigen sein amg er ist für 99% der bevölkerung recht irrelevant......

auch wenn der betroffenheitsjournalismus und die (live) übertragungen der trauerfeier(interessant schon wenige stunden nach dem tod) uns etwas anderes suggerieren sollen....

lasst die familie in ruhe und geht zur tagesordnung über.....

wie gesagt...the show must go on....

12.11.2009
02:21
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von Beatrix.Gutmann | #31

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12.11.2009
01:58
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von Beatrix.Gutmann | #30

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12.11.2009
01:50
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von Beatrix.Gutmann | #29

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11.11.2009
22:04
Bei Enke versagen alle Betroffenheits-Rituale
von Dirk Rohde | #28

Bis in den Tod hinein …

Jedes Zeitalter hat seine eigenen Krankheiten, vermuten Walter Benjamin und Alain Ehrenberg und diagnostizieren für unser Beschleunigungszeitalter eine signifikante Zunahme von Angst-, Depressions- und Burn-out-Erkrankungen. Es sind diese erschütternden Beispiele, die uns Normalbürger in erhebliches Staunen versetzen, weil wir doch annehmen, dass gerade solch prominente Persönlichkeiten mehr als ausreichend mit den Vorzügen der modernen Gesellschaft gesegnet sein müssten: So verfügen sie in der Regel über erhebliche Geldmittel, was sie in die Lage versetzt, eine größtmögliche Optionenvielfalt auszukosten. Viele Prominente haben Wohnsitze quer über den Globus verteilt. Sie sind deshalb überall ein bisschen und nirgendwo ganz zu Haus. Vielleicht ist dies gerade eine Wurzel der Depression?

Enke habe seine Krankheit geheim halten wollen, um sein Privatleben zu schützen und seine Karriere als Fußball-Profi nicht zu gefährden, konstatiert die FAZ. Auf den ersten Blick unschwer zu erkennen, ist die Angst Enke´s vor einer Missachtungserfahrung, was gleichbedeutend mit Anerkennungsverlust ist, durch die Öffentlichkeit, denn die Depression gilt (immer noch) als eine Krankheit, die nur willensschwache und zerbrechliche Persönlichkeiten befällt und sie wirkt damit als ausgrenzend, weil stigmatisierend. Noch viel bedeutsamer erscheint mir allerdings der zweite Teil der Begründung Enke´s: Hier finden wir nun die von dem Soziologen Hartmut Rosa identifizierte Pathologiediagnose der spätmodernen kapitalistischen Lebensführung in seiner Reinform bestätigt: Selbst die Profiteure und Gewinner des kapitalistischen Steigerungsspiels werden nur glücklich, wenn sie alle Energien einem einzigen, blinden, instrumentellen Telos unterwerfen: dem Kampf um die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Im Fall von Robert Enke möchte man hinzufügen: Bis in den Tod hinein!

11.11.2009
22:04
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von Dirk Rohde | #27

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11.11.2009
22:00
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von Dirk Rohde | #26

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