Bayerns Präsident Hoeneß gehen die Gäule durch

Foto: imago

Das tut schon weh. Uli Hoeneß setzt ganz bewusst fort, was Karl-Heinz Rummenigge nach dem 1:1 der Bayern in Hamburg losgetreten hat. Rummenigge monierte, sein Verein wäre noch immer Tabellenführer, hätte nicht Schiedsrichter Knut Kircher einen Treffer aberkannt.

Nun hat es schon häufig Anlass gegeben, Schiedsrichter zu kritisieren. Aber diese Nummer hat System. Sie kommt ungeniert zu einem Zeitpunkt, an dem sich gerade erst Hertha BSC und Eintracht Frankfurt an einem Schiedsrichter abgearbeitet haben. Sie kommt übrigens drei Monate nach dem Suizid-Versuch von Babak Rafati. Schon vergessen? Rafati nannte später Gründe, dazu gehörte der zunehmende, auch medial erzeugte Druck. Was war also das damalige „Lasst uns die Schiris besser schützen“ der Fußball-Branche? Bestenfalls Betroffenheits-Ritual, schlimmstenfalls scheinheilig.

Und also sprach gestern Hoffenheims Trainer Markus Babbel: „Solange sie kein Transferfenster für Trainer einführen, ist das alles in Ordnung.“ Haha, selten so gelacht. Es ist ja auch zu komisch, wenn Herr Babbel in Windeseile aus Berlin nach Hoffenheim wechselt. Dass sein Mainzer Kollege Thomas Tuchel diese neue Trainer-Unsitte kritisiert: bravo.

Aber auch hier gilt: Ein Trainer, dem völlig egal ist, ob er morgen schon den Gegner von heute trainiert, reicht nicht. Es gehören Vorstände und Manager dazu, denen Rückgrat, Prinzipien, Geduld, Vertrauen ins eigene Konzept oder auch nur jedes Schamgefühl abhanden kommen. Denen spätestens im Liga-Endspurt der Zweck jedes Mittel heiligt.