Bayern weicht in der Königsklasse vom Weg ab

Porto..  Auch am Tag danach zeigten all die Versuche, sich Mut zuzusprechen, noch keine Wirkung. Verstimmt von der 1:3-Niederlage beim FC Porto im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League verließ die Reisegruppe des FC Bayern die sanften Hügel der Stadt am Rio Douro. Als sie in München wieder eintraf, blieben nur noch vier Tage Zeit, um sich auf die knifflige Aufgabe vorzubereiten, doch noch ins Halbfinale einzuziehen – gestört allerdings durch das Auswärtsspiel in der Bundesliga bei 1899 Hoffenheim an diesem Samstag.

Thomas Müller hatte sich um den Zuspruch besonders verdient gemacht. „Wir sind immer noch der FC Bayern. Es ist ja nicht so, dass wir zu Hause noch nie gewonnen hätten“, sagte er über das Rückspiel am Dienstag. „Es wäre jetzt kein Fußball-Wunder, wenn wir ein Heimspiel 2:0 gewinnen sollten.“

Keine Wucht im Angriff

Als ein Wunschlos war die Mannschaft von Trainer Julen Lopetegui erst betrachtet worden. Nun könnte sie sich als vorzeitige Endstation auf dem Weg zum angestrebten Triple entpuppen. Diese Sorge ließ auch Bayern-Trainer Pep Guardiola erkennen. „Wenn man alles zusammenzählt, war Porto die bessere Mannschaft“, stellte er sachlich fest. Es waren ja nicht nur die drei individuellen Fehler von Xabi Alonso, Dante und Jérôme Boateng, die zu den Gegentreffern von Doppeltorschütze Ricardo Quaresma sowie Jackson Martínez und damit zur erstaunlich deutlichen Niederlage geführt hatten.

Vor allem ging dem Deutschen Meister im Spiel nach vorne viel von jener Gefährlichkeit und Wucht ab, die man von einem angehenden Halbfinalisten erwarten darf. Abgesehen von Thiago Alcántaras Tor zum 1:2 hatten sich die Münchener keine wirklich zwingende Torszene mehr erspielen können. Es war vor allem: eine Grenzerfahrung.

Das war auch Manuel Neuer nicht entgangen, der nach seinem Foul zu Beginn an Martínez von Glück sagen konnte, nur mit der Gelben Karte bedacht worden zu sein und damit im Rückspiel mitwirken zu dürfen. Abgesehen von den Fehlern hinten sei es wichtig festzuhalten, „dass wir uns zu wenige Tormöglichkeiten herausgespielt haben“. Was zuletzt bei Borussia Dortmund in der Bundesliga und bei Bayer Leverkusen im DFB-Pokal noch durch Leidenschaft kompensiert werden konnte, trat nun als offensichtlicher Makel in Guardiolas Mannschaft zu Tage. Die Solisten und Tempomacher Arjen Robben, Franck Ribéry und David Alaba fehlten, um den clever agierenden und sehr gut abgestimmten FC Porto zu knacken.

Zugleich zeigte sich, dass Bayern derzeit die Mittel fehlen, sich unter Druck zu befreien – besonders deutlich wurde dies bei Xabi Alonso. Nach 80 Sekunden leistete sich der Spanier als letzter Mann jenen Ballverlust im aggressiven Pressing Portos, der die Dramaturgie des Spiels einleitete. Dante tat es ihm wenig später gleich, doch vor allem bei Xabi Alonso wurde auch wegen eines ähnlichen Fehlers in der zweiten Halbzeit deutlich, wie wenig ihm ein forsch attackierender Gegner behagt.

Alonsos Spiel ist anfällig ohne Raum und Zeit – und damit das des FC Bayern. Es war bereits sein dritter Auftritt nacheinander in der Champions League, bei dem er havarierte. Zuvor hatte er bei Manchester City ein Gegentor verschuldet, im Achtelfinal-Hinspiel gegen Donezk war er nach mehreren Fouls vom Platz geflogen. Schon bei der WM in Brasilien war der 33-Jährige mit ähnlichen Fauxpas‘ auffällig geworden. So edel seine Pässe oft sind, so brüchig ist sein Stil unter Bedrängnis.

Auf Schuldzuweisungen haben die Münchener verzichtet, und es war beileibe nicht allein Alonso anzulasten, dass das Halbfinale nun nur noch sehr schwer zu erreichen ist. Doch vernehmbar war, dass die Kollegen genau beobachtet hatten. „Es war
halt einfach saublöd, dass…“, sagte Müller – und schnitt seinen Satz ab.