Bayern siegt und fliegt raus

München..  Es kommt nicht oft vor, dass Verlierer jubeln. Auf dem grünen Geläuf der Münchener Arena aber feierten am Dienstagabend die in grässlichen neongelben Auswärtstrikots angetretenen Fußballkünstler des FC Barcelona. Sie zogen ins Champions-League-Finale am 6. Juni in Berlin ein, obwohl der FC Bayern sie mit 3:2 besiegt hatte. Doch Barcas Sieg im Hinspiel war mit 3:0 zu deutlich ausgefallen, als dass sich die ohnehin nur vage Hoffnung der Münchener auf eine Sensation hätte erfüllen können.

Nur acht Minuten Hoffnung

Extrem laut war es zu Beginn des Rückspiels im Stadion. Die Phonstärke wies darauf hin, dass die Bayern-Fans ihrem Team Wundertaten durchaus zutrauten. Die erste Chance aber hatte Barcelona: In der fünften Minute schaute Bayerns Innenverteidiger Medhi Benatia nicht nach hinten, der Marokkaner ließ Ivan Rakitic ziehen, und Manuel Neuer musste sich beim Schuss seines alten Kumpels aus Schalker Zeiten mächtig strecken.

Schon zwei Minuten später aber war Benatia auf der anderen Seite hellwach, während sich Barcelonas Abwehr eine Auszeit nahm: Bei einem Eckball von Xabi Alonso nutzte Benatia die unerwartete räumliche Freiheit zu einem präzisen Kopfball – 1:0, da war sie, die von den Bayern herbeigesehnte frühe Führung.

Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Aufholjagd hielt genau acht Minuten lang an, dann wurde sie von Barcas Dreizack zerstört: Lionel Messi spielte einen genialen Pass auf Luis Suárez, der legte den Ball nach innen, wo ihn Neymar ins Netz steuerte.

So ein Tiefschlag fürs Gemüt raubte den Bayern natürlich auch Energie. Nun war den Münchenern klar, dass ihnen nicht einmal ein 4:1-Sieg reichen würde. Zehn Minuten lang wirkten sie orientierungslos, es häuften sich die Abspielfehler. Als sie sich wieder gefangen hatten und wieder zielstrebig den Weg nach vorne suchten, spielten sie mit Risiken und Nebenwirkungen.

Vorne ließ sich Thomas Müller die Gelegenheit zum zweiten Tor für die Bayern entgehen, und im Gegenzug kollabierte ihre defensive Ordnung. Wieder legte Messi vor, diesmal sogar per Kopf, wieder kam Suárez über halbrechts, wieder nahm Neymar den Pass in die Mitte auf und veredelte ihn. Es ist offenbar leichter, den Wind einzufangen, als dieses phänomenale Angriffs-Trio aufzuhalten, das nun insgesamt schon 114 Pflichtspieltreffer in dieser Saison verbuchte.

2:1 für Barca nach 29 Minuten, damit war die Sache erledigt. Die Bayern rissen sich aber zusammen. Bastian Schweinsteiger zwang Marc-André ter Stegen mit einem tollen Kopfball in der 37. Minute zu einer ebenso sehenswerten Parade, und zwei Minuten später vergab Robert Lewandowski eine Top-Chance: ter Stegen reagierte wieder reflexartig, der Ball trudelte dann zwar in Richtung Linie – aber nicht über den weißen Strich.

Die Bayern-Fans bewiesen auf originelle Art Galgenhumor. „Ihr werdet nie Deutscher Meister!“, ließen sie die Katalanen wissen, die diesen Umstand sicherlich verschmerzen können. Deutschlands beste Vereinsmannschaft konnte sich nur noch um ein angenehmeres Resultat bemühen. Die Bayern gaben sich nicht auf, und diese ehrbare Haltung wurde belohnt: In Minute 59 zielte Robert Lewandowski genau, 2:2. Und in Minute 74 machte es Thomas Müller ähnlich, auch er legte den Ball punktgenau ins Eck, 3:2.

Mehr war beim besten Willen nicht drin. Der FC Bayern hatte im Rückspiel sein Gesicht gewahrt, doch in der Summe der beiden Halbfinals triumphierte eine Mannschaft, die in ihren besten Phasen Fußball zum Niederknien zelebriert.