Bayern-Profis reisen mit "leeren Köpfen" zur EM
23.05.2012 | 12:13 Uhr 2012-05-23T12:13:50+0200
München. Nach der bitteren Finalpleite in der Champions League reisen die acht Bayern-Profis als "Pflegefälle" zur Nationalmannschaft. Joachim Löw muss sie nun schnellstmöglich wieder aufrichten.
Nationalspieler Jerome Boateng trug bei seinem Abgang aus der Münchner Arena eine schwarze Kappe mit der Aufschrift "I've got 99 problems". Bundestrainer Joachim Löw hat zwar nicht 99 Probleme, aber zumindest acht. Genau die Bayern-Profis, die nach der Pleite im Champions-League-Finale einen Tag später als geplant am Samstagabend als "Pflegefälle" im deutschen EM-Trainingscamp in Tourrettes anreisen werden.
"Das begleitet uns nicht nur zur EM, das begleitet uns das ganze Leben", sagte Toni Kroos, als er nach dem 3:2 im Saisonabschlussspiel der Bayern gegen die Niederlande danach gefragt wurde, ob er die bittere Niederlage gegen den FC Chelsea schon verdaut hätte. WM-Torschützenkönig Thomas Müller berichtete, dass es "umso schwieriger wird, je mehr Abstand man gewinnt." Und wie kommt man darüber am besten hinweg? "Die einen sagen Urlaub, die anderen, dass das Leben weitergehen muss. Und im Fußball schaffen es Spieler nicht, die vergebenen Chancen ewig nachtrauern."
Müller erinnerte an das verlorene Champions-League-Finale der Bayern vor zwei Jahren, nach dem für das deutsche Nationalteam immerhin ein dritter Platz bei der WM in Südafrika folgte. Diesmal sitzt der Schmerz jedoch ungleich tiefer, was den Nationalspielern bei ihrem letzten Saisonauftritt in München auch anzumerken war. Bastian Schweinsteiger zum Beispiel, der im Finale den entscheidenden Elfmeter vergeben hatte, saß offiziell wegen Wadenproblemen nur im roten Trainingsanzug auf der Bank. Genau wie Manuel Neuer, beide wollten sich genau wie Siegtorschütze Mario Gomez danach auch nicht äußern.
Wohlfühlprogramm mit Formel 1 und Psychologen
Das tat Karl-Heinz Rummenigge dafür in der ARD: "Wir sind alle in den Köpfen noch leer. Es wird einige Zeit dauern, weil es einfach zu bitter und brutal war", sagte der Bayern-Vorstandsboss: "Ich hoffe, Jogi Löw kriegt es schnell hin, dass er die Spieler psychologisch wieder aufrichtet." Dafür soll nach einem zusätzlichen Tag Sonderurlaub ein Wohlfühlprogramm sorgen, das am Sonntag mit einem kollektiven Besuch beim Großen Formel-1-Preis von Monaco beginnt. Einige Bayern-Nationalspieler werden sicher auch das Bedürfnis haben, das Drama von München mit dem DFB-Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann zu verarbeiten.
Kapitän Philipp Lahm verriet aber auch, dass die Bayern-Nationalspieler das Geschehene in Gesprächen untereinander aufarbeiten. "Wir richten den Blick nach vorn, wir sind ehrgeizige Leistungssportler und wollen den Erfolg", sagte Lahm und fügte mit Blick auf die Vize-Saison der Bayern mit drei zweiten Plätzen hinzu: "Und wir wollen nicht mehr Zweiter werden." Inmitten der acht Probleme für Jogi Löw ist immerhin das eine Hoffnung auf den ersten Titel für Deutschland seit 16 Jahren. (dapd)

10:52
...die Überschrift kann ich gut nachvollziehen.
Liegt aber meiner Ansicht nicht an den vergeigten Titeln, sondern ist eher ein Grundproblem der Herrschaften.