Bayern halten Traditionen aufrecht

Doha/München..  Der 34-Jährige mit den dunklen Haaren und dem prominenten Namen gab eine gute Innenverteidigerfigur ab. Hoch gewachsen ist er, und dass dieser körperlich robuste Mann zur Reisegesellschaft des FC Bayern zählen werde, war bereits bestätigt worden. Ein offizieller Zugang war also dabei, als sich das 26-köpfige Team von Trainer Pep Guardiola mit Javier Martinez, aber ohne die Langzeitverletzten Philipp Lahm und Thiago Alcantara am Freitag aufmachte ins Trainingslager in Katars Hauptstadt Doha. Auch im ersten Training am Abend war der neue Mann zugegen, mitgespielt hat er aber nicht. Er ist der neue Mannschaftsarzt des FC Bayern.

Kilian Müller-Wohlfahrt heißt er und arbeitete bisher als Orthopäde in einem Münchner und einem Berliner Klinikum. Nun soll der Sportmediziner in Katar und danach an der Säbener Straße eingearbeitet werden und mittelfristig in die Fußstapfen seines Vaters, des langjährigen Mannschaftsarztes Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, 72, treten. „Kilian wird bei jedem Training vor Ort sein, für eine Erstversorgung zur Verfügung stehen und alle weiteren Dinge mit seinem Vater in der Praxis besprechen“, teilte Sportvorstand Mathias Sammer mit.

Balsam für Guardiolas Seele

Das trifft sich für beide Parteien ganz gut. Die Münchner können sich auf Konstanz bei der medizinischen Betreuung verlassen und erfüllen nebenbei Guardiolas Forderung nach einem ständig präsenten Arzt. Darum hatte es zuletzt Streit gegeben, im Fall des Dauerkniepatienten Thiago auch um Therapieformen. Nebenbei ist für die Müller-Wohlfahrts die Fortführung der Familientradition auf dem werbewirksamen Posten angenehm.

Man bleibt beim FC Bayern mitunter gern unter sich – das gilt auch für das Trainingslager. Trainer Guardiola ist mit Katars besseren Kreisen befreundet. Er war dort zwei Jahre lang Spieler beim Klub Al-Ahli und ist weiter Imagebotschafter des umstrittenen WM-Gastgeberlandes von 2022, das er einst dem FC Barcelona als Trikotpartner vermittelte. „Die sportliche Führung hat sich extrem dafür ausgesprochen, dort hinzugehen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Herausragende Trainingsbedingungen und das milde Winterwetter waren offenbar wichtiger bei der Entscheidungsfindung als die viel kritisierten Bedingungen für Billig-Gastarbeiter.

Der FC Schalke 04 trainiert gerade ebenfalls auf der 290 000 Quadratmeter großen und luxuriösen Anlage der „Aspire Academy for Sports Excellence“. Schalke übt dort vertragsgemäß kostenlos auf Einladung des Emirats und freut sich über die günstige Werbung in der Golfregion. Das gilt ganz ähnlich für den FC Bayern. Mit deutlich mehr als einer Million Euro sollen die Katarer die Münchner sogar für ihre Geschichten aus acht und einer Nacht entlohnen.