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Bastelarbeiten am Paradeboot

17.05.2011 | 19:10 Uhr
Bastelarbeiten am Paradeboot

Dortmund.Sein Blick sagt mehr als alle Worte. Während seine Teamkollegen um ihn herum sichtlich gut drauf sind und flachsen, schaut Sebastian Schmidt bei der Vorstellung des Deutschlandachters für die Rudersaison 2011 grimmig in die Runde. Zwei Jahre lang hat der 26-Jährige im Flaggschiff des Deutschen Rudersports den Schlag angegeben. Jetzt ist er ausgebootet.

Seitdem er den Rhythmus vorgibt, ist der Achter in jedem Rennen als Erster über die Ziellinie geglitten und hat die Titel bei den Weltmeisterschaften 2009 und 2010 geholt. Die Sieges-Serie soll halten. Möglichst bis Olympia 2012: Nach der Schmach von Peking 2008, als der Achter nicht einmal das Finale erreichte, soll vier Jahre später das Projekt mit Gold in London gekrönt werden.

Alles ist ausgerichtet auf das ganz große Ziel. Der Weltcup in München (27. bis 29. Mai) ist die erste Standortbestimmung für den neuen Deutschlandachter. Aber ohne Sebastian Schmidt. Der Medizinstudent ist sauer über seine Ausbootung. Warum hat sich Ralf Holtmeyer nicht für den Gold-Schlagmann der Jahre 2009 und 2010, sondern für Kristof Wilke entschieden? Sebastian Schmidt fährt sich mit der Hand durch seine langen, wuscheligen Haare, zieht die Augenbrauen hoch und sagt dann kurz und knapp: „Da müssen Sie den Bundestrainer fragen.“

Holtmeyer zeigt Verständnis

Holtmeyer hat Verständnis für Schmidts Verstimmung: „Es ist klar, dass er nicht gern seinen Platz räumt.“ Jeder deutsche Ruderer will in den Deutschlandachter, aber der Name verrät die begrenzte Zahl der Rollsitze. Wie bastle ich einen Erfolgsachter? Für diese Frage gibt es keinen Bausatz, doch Erfahrung hilft. Holtmeyer ist kein Hobby-Bastler, er hat schon 1988 die Ruderer auf die passenden Plätze gesetzt und das Boot zu Olympia-Gold geführt.

Jetzt ist die Zeit des Experimentierens, wie es Holtmeyer ausdrückt. „Wann soll ich verschiedene Besatzungen ausprobieren, wenn nicht jetzt?“, fragt er. Also setzt er in München für Schmidt den physisch stärkeren Wilke auf die Schlagposition. Schmidt ist auch in München dabei. Auch am Schlag. Allerdings im Vierer. Das ist so, als ob der FC Bayern statt in der Champions League nur in der Europa League spielt. „Es ist nicht mein Ziel, im Vierer zu sitzen“, sagt Schmidt, „ich will so schnell wie möglich wieder in den Achter.“

Schmidt für Wilke

Schmidt wird seine Chance bekommen. Beim Weltcup in Hamburg steigen die vier stärksten Achter-Ruderer in den Vierer, Schmidt übernimmt für Wilke den Schlag. Danach ist Holtmeyers Bastelarbeit beendet, dann werden die Achter-Leibchen endgültig für die WM verteilt. „Ich muss jetzt Offenheit und Risikobereitschaft zeigen“, sagt Holtmeyer. „Die Ruderer sollen wissen, warum sie in welchem Boot sitzen.“

Drei Kriterien sind für den Trainer entscheidend: die physische Leistung auf dem Ergometer, der Test im Zweier auf dem Wasser und die Teamfähigkeit. Der Achter muss zusammenpassen. Vor allem technisch. „Der Teamgedanke ist wichtig, aber nicht entscheidend. Sonst wären wir eine Theken-Mannschaft“, sagt Holtmeyer. Der Kampf um die Plätze ist entbrannt. Wer es nicht in den Achter schafft, darf sich auch im Vierer Chancen auf einen WM-Titel oder den Olympiasieg machen. Ein Trostpreis sieht anders aus.

Thomas Lelgemann

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