Trotz Aus im NBA-Ost-Finale: Schröder hat sich Namen gemacht

Dennis Schröder und seine Atlanta Hawks hatten keine Chance gegen die Cleveland Cavaliers.
Dennis Schröder und seine Atlanta Hawks hatten keine Chance gegen die Cleveland Cavaliers.
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Was wir bereits wissen
Basketball-Nationalspieler Dennis Schröder ist mit den Atlanta Hawks in den NBA-Playoffs ausgeschieden. Einen Erfolg kann er trotzdem verbuchen.

Washington.. „Ungestümes Glühwürmchen“. So hat ihn in einer Mischung aus Bewunderung und Belächeln ein Moderator auf dem Sport-Kanal ESPN genannt. Mag stimmen. Nur am Ende seiner zweiten Saison in der amerikanischen Profi-Basketball-Liga NBA hatte Dennis Schröder keine Gelegenheit mehr zu leuchten. Der 21-Jährige war im Laufe der Saison bei den Atlanta Hawks zum Leistungsträger gereift.

NBA-Playoffs In den letzten beiden Partien gegen die bärenstarken Cleveland Cavaliers, die sich mit 4:0-Siegen gegen das Team aus Georgia durchsetzten und ab 4. Juni im Finale stehen, musste der nach dem Ausscheiden von Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks einzige Deutsche in den Playoffs eine neue Erfahrung machen: wie schnell Lob im milliardenschweren NBA-Zirkus über Nacht zum Tadel werden kann. Trainer Mike Budenholzer ließ den Braunschweiger anders als zuvor gegen Brooklyn und Washington, als Schröder in Schlüsselsituationen die Verantwortung für den Alles-oder-Nichts-Wurf übertragen bekam, in den entscheidenden Spielen gegen das Team um den Basketball-Dominator LeBron James die meiste Zeit auf der Bank schmoren.

Ein Dämpfer, gewissermaßen eine Misstrauenserklärung für Schröder, der sich durch beeindruckend abgeklärte Szenen selbst nach missglückten Hochrisiko-Spielzügen in seiner zweiten NBA-Saison einen Namen gemacht und den Status des Grünschnabels hinter sich gelassen hat. Seither, so erinnerte sich Schröder unlängst im Gespräch mit deutschen Journalisten, geben dem Mann mit der Trikotnummer 17 auch Stars wie John Wall (Washington) oder Chris Paul (Los Angeles) vor dem Spiel die Hand.

Dennis Schröder ist nun jemand in den USA

Den Großen des Metiers blieb schon in der regulären Spielzeit (60 Siege in 82 Spielen) nicht verborgen, dass der Sohn einer gambischen Mutter und eines deutschen, mit 46 Jahren viel zu früh gestorbenen Vaters eine Qualität mitbringt, die in diesem Alter wenige Rookies auszuleben wagen: explosive Schnelligkeit, die - klug eingesetzt -Mitspielern ungestörtes Zielen ermöglicht.

NBA-Playoffs Und die Abgebrühtheit, das auch dann mit unbekümmerter Coolness weiter zu tun, wenn es misslingt. Das Selbstbewusstsein dafür hat Schröder größtenteils bereits mit über den Atlantik gebracht. Den Rest besorgten Fortüne und Budenholzers Rückendeckung. Umso schmerzlicher, dass er sie dem jungen Point-Guard in der Alles-oder-nichts-Phase der Meisterschaft entzog. Oder wollte er ihn davor schützen, von James & Co. überrollt zu werden? Gestern Abend hatte Cleveland am Ende sagenafte 30 Punkte Vorsprung...

Wer Dennis Schröder in diesen Wochen nach einem Spiel in der Umkleidekabine beobachtet, kann den Unterschied kaum übersehen. Die tätowierten Schultern sind breiter geworden, die Muskeln auf 1,86 Meter sichtbarer verteilt. Team-Kollegen, die das Mehrfache der 1,6 Millionen Dollar bekommen, die Atlanta Schröder zuletzt überwies, nehmen in wahr und ernst. „Ich habe einfach sehr hart gearbeitet im vergangenen Sommer“, sagte Schröder dieser Zeitung nach der vierten Partei gegen die Washington Wizards, „das hat sich enorm ausgezahlt.“

US-Medien schreiben Schröder Schuld für NBA-Aus zu

Dass Schröder dennoch viel zu lernen hat, räumt der im Gespräch sympathisch scheu und bedacht auftretende Niedersache ohne Umschweife ein. Bevor er zu Bundestrainer Chris Fleming stoßen wird, um im September die deutsche Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft zu verstärken, will Schröder bei Mannschaftskamerad Kyle Korver in Los Angeles in die Wurf-Schule gehen.

NBA „Er kann mir zeigen, wie ich besser werden kann.“ Korver, gegen Cleveland nach einer Verletzung am Sprunggelenk früh ausgeschieden, war in der regulären Saison der treffsicherste Drei-Punkte-Schütze der NBA.

Der beim großen Greg Popovich in San Antonio in die Trainer-Lehre gegangene Budenholzer wird sich in diesen Tagen gleichwohl vor seinen Schützling stellen müssen. Detailversessene Scharfrichter der großen US-Sport-Medien gaben überraschend brachial anhand von Statistiken ausgerechnet Schröder die Hauptschuld für das unter dem Strich sehr schwache Auftreten der Hawks gegen Cleveland. Tenor: Der Youngster hatte zu oft den Ball. Und wenn er den Ball hatte, gab er ihn zu selten im richtigen Moment ab - und leistete sich zu viele Fehlversuche beim Abschluss.

Schröders peilt im folgenden Jahr Stammplatz an

Bewertungen, die mit dem in Kontrast stehen, was Schröder von den Wortführern der Hawks zu hören bekam. „Wenn dir wichtige Mitspieler sagen, dass dich keiner stoppen kann und dass schon irgendwer den Rebound holt, wenn du nicht triffst, dann spielst du auch besser.“

NBA-Playoffs Eben das geschah in einer Schlüsselmoment gegen Washington, der Atlanta schon vor Wochen das Saisonende hätte einläuten können. Schröder ging kurz vor der Schluss-Sirene auf Geheiß von Budenholzer allein auf den gegnerischen Korb zu, vergeigte knapp. Aber dann wuchtete Al Horford, eine Hüne der Hawks, den frei gewordenen Ball zwei Sekunden vor Ende zum Sieg in den Korb. Schröder gab die Vorlage.

Sein Vertrag, in der kommenden Saison schon mit 2,6 Millionen Dollar dotiert, hält Dennis Schröder noch mindestens eine Saison in Atlanta. Danach, mutmaßen Beobachter, werden die Hawks entweder ihn oder Jeff Teague, die Nr. 1 auf der Spielmacher-Position, verkaufen. Für Schröder kein Beinbruch. Er schielt auf die Start-Aufstellung. Er will einen Stammplatz. Ob in Atlanta oder anderswo. „Ich will im nächsten Jahr einen weiteren Schritt machen.“