Zum ganz großen Coup fehlt Phoenix Hagen nicht viel

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Was wir bereits wissen
So nah am Coup in Berlin war Phoenix Hagen noch nie. Bei Favorit Alba Berlin unterlagen die Hagener diesmal nur knapp mit 74:78 (40:52).

Berlin/Hagen.. In dieser Saison gelingt in der Fremde fast alles, selbst in Berlins riesiger O2-World. Nicht viel fehlte Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen auch ohne den verletzten Kapitän David Bell zum großen Coup in der Hauptstadt. Es wäre der überraschendste in einer ohnehin sehr starken Auswärts-Saison überhaupt gewesen, immerhin verließ man die Arena am Ostbahnhof bisher stets mit deftigen Packungen. Beim sechsten Versuch dagegen besaß das Team von Trainer Ingo Freyer bis in die Schlusssekunden Siegchancen, unterlag gegen Alba Berlin nur knapp mit 74:78 (40:52). „Wir haben bis zum Ende alles gegeben“, lobte der Chefcoach, auch Geschäftsführer Oliver Herkelmann hob hervor: „Das war echt stark. Ein Spiel, an dem man sich erfreuen konnte, auch wenn wir es nicht gewonnen haben.“

Ohne Scheu starteten die Hagener im großen Rund, die ersten Minuten gehörten ihnen. Mit Todd Brown anstelle des verletzten David Bell in der Startfünf übten sie von Beginn an viel Druck auf den Berliner Aufbau aus, kamen zu Ballgewinnen, führten nach vier Minuten und Browns Dreier mit 15:9. Gastgeber-Coach Sasa Obradovic war sauer, reagierte mit frühen Wechseln. Und allmählich stellte sich der Favorit auf die Hagener Spielweise besser ein. Die Gäste kamen gegen die nun intensiver verteidigenden Berliner kaum noch zum Abschluss, dagegen fand Alba die freien Spieler. Vor allem Niels Giffey nutzte dies, seine drei Dreier - der letzte mit der Sirene - brachten die 30:23-Viertelführung für den Vizemeister.

Wobei die Hagener schon hier im Rebound klar unterlegen waren, den Berlinern immer wieder zweite und dritte Chancen gab. Der Trend setzte sich auch im zweiten Viertel fort, zumal Niklas Geske nach dem 38:34 (15.) sein drittes Foul sah und auf die Bank musste. Und Vertreter Zamal Nixon erneut ganz wenig Fortune entwickelte. Als er beim 49:37 (18.) auch den freien Korbleger vergab, nahm Freyer - zwischenzeitlich für den Wurf einer Wasserflasche mit einem technischen Foul bestraft - ihn heraus, brachte Youngster Jonas Grof.

Der führte sich mit einem Fastbreak-Dunking prima ein, wechselte sich nun mit Geske im Aufbau ab. Berlin schien dennoch nun wie erwartet zu enteilen, zumal die Hagener Stammkräfte stark foulbelastet waren. Als Reggie Redding zum 64:44 traf (25.) und Larry Gordon sein viertes Foul sah, drohte die übliche hohe Niederlage. Doch die Gäste wehrten sich weiter, brachten die Berliner mit ihrer unorthodoxen Verteidigung zunehmend aus dem Rhythmus. „Es war unser Ziel, dass die Berliner nicht einmal dahin kommen, ihr normales System zu spielen“, erklärte Freyer später. Das gelang, zudem griff sich Phoenix - allen voran Dino Gregory - nun auch mehr Rebounds. Und als dann der überzeugende Brown seinen Wurfrhythmus gefunden hatte und zum 73:67 traf, zeigte der Favorit knapp zwei Minuten vor dem Ende Wirkung. Gordons Dreier drehte sich direkt danach zwar wieder aus dem Ring, Grof hielt Phoenix jedoch bis zum 77:74 sieben Sekunden vor dem Ende im Spiel. Erst als dann Berlins Jamel McLean den zweiten Versuch von der Freiwurflinie verwandelte, war die Chance auf den Coup dahin. „Wir waren so nah dran wie nie zuvor, einen Sieg in Berlin zu holen“, bedauerte Freyer: „Aber gerade meinen jungen Spielern, die Verantwortung übernommen haben und für David Bell in die Bresche gesprungen sind, muss ich ein Kompliment machen.“

Phoenix-Geschäftsführer Herkelmann gibt Lizenzantrag ab

Auf dem Weg zum Spiel in Berlin hat Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann zum gestrigen Stichtag bei der Bundesliga-Zentrale in Köln den Lizenzantrag für die Saison 2015/16 abgegeben. Gegenüber dem Vorjahr kann das Budget leicht gesteigert werden, der Etatansatz liegt knapp unter 2,9 Millionen Euro. „Es bleibt schwierig, damit kann man noch keine Wunschliste zusammenstellen“, machte Herkelmann deutlich, „aber wir sind auf dem richtigen Weg. Und wir haben die Hoffnung, dass sich das durch Netzwerke und Power der neuen Gesellschafter noch stabilisiert.“

Alba Berlin - Phoenix Hagen 78:74 (52:40)

Alba Berlin: Giffey (14, 4/7 Dreier, 7 Rebounds), King (3), Akpinar, Vargas, Banic (12), Redding (10, 7 Assists, 5 Ballverluste), Wohlfarth-Bottermann, Renfore (6), Hammonds (11, 2/2 Dreier), McLean (12, 7 Rebounds), Freese (1), Radosevic (9).

Phoenix Hagen: Tolaj, Geske (5, 1/4 Dreier, 3 Ballverluste), Nixon, Bleck (5), Krume, Igbavboa (4), Grof (8), Brown (21, 2/8 Dreier, 7 Rebounds), Gordon (18, 2/5 Dreier, 3 Ballverluste), Gregory (11, 7 Rebounds), Ramsey (2, 6 Assists)

Spielviertel: 30:23, 22:17, 15:14, 11:20.

Teamstatistik: 47:59 % Wurfquote (Zweier), 6/22:5/21 Dreier, 24/36:15/22 Freiwürfe, 43:32 Rebounds, 17:17 Assists, 3:9 Ballgewinne, 19:12 Ballverluste, 2:1 Blocks.

Zuschauer: 7277