Phoenix Hagen will den Abstand nach unten weiter vergrößern

Todd Brown bedankte sich nach Sieg über Bayreuth vor allem bei den Ärzten. Ob sein Kiefer schon wieder einen Einsatz im nächsten Ligaspiel zulässt, ist aber offen.
Todd Brown bedankte sich nach Sieg über Bayreuth vor allem bei den Ärzten. Ob sein Kiefer schon wieder einen Einsatz im nächsten Ligaspiel zulässt, ist aber offen.
Foto: WP

Hagen.. Die Frage nach dem Matchwinner in der Oberfrankenhalle musste nicht gestellt werden. Mit seinem Wahnsinns-Dreier aus der eigenen Hälfte war das für Phoenix Hagen natürlich Niklas Geske. Die „wahren MVP“ allerdings, so empfand es Kollege Todd Brown, seien einige Bayreuther Ärzte. Nach dem Hagener 76:73-Sieg bei medi Bayreuth richteten die Mediziner noch am späten Samstagabend den arg malträtierten Kiefer des Phoenix-Flügelspielers. „Es hat eine Stunde gedauert, aber sie haben mich wieder zusammengeflickt“, bedankte sich Brown mit einem Foto auf Twitter und Instagram bei den Nothelfern.

Seine Verletzung Sekunden-Bruchteile vor Geskes Buzzerbeater hatten angesichts des furiosen Finales zunächst nicht viele mitbekommen. Als medi-Neuzugang Je’Kel Foster im vermeintlich letzten Angriff zum Hagener Korb zog, bekam der zur Abwehr geeilte Brown den Ellbogen des Bayreuthers heftig ins Gesicht. Drei nach hinten gedrückte Schneidezähne, eine aufgeplatzte Lippe und ein Haarriss im Kiefer waren die Folge. Bayreuths Mannschaftsarzt Dr. Holger Eggers kümmerte sich direkt um Brown, brachte ihn in die kieferchirurgische Klinik Eulert, Kochel & Partner, wo die Lippe des US-Amerikaners mit drei Stichen genäht und die Zähne mittels eingezogener Spange stabilisiert wurden. Die Rückreise nach einstündiger Behandlung aus Oberfranken konnte Brown bereits wieder mit dem wartenden Phoenix-Bus antreten. Und befand später: „Wir hätten das Spiel früher gewinnen müssen, ohne es auf einen Last-Second-Shot ankommen zu lassen.“

Brown-Einsatz gegen Ulm fraglich

Die Zahnspange muss Brown nun einen Monat tragen. Ob er - eventuell mit Mundschutz - am Freitag im Heimspiel gegen ratiopharm Ulm (20 Uhr) bereits wieder spielen kann, war am Montag noch unklar. „Wir müssen sehen, was der Zahnarzt in Hagen sagt“, meinte Trainer Ingo Freyer, der nach erneuter Untersuchung auch auf die Rückkehr von Larry Gordon ins komplette Teamtraining hofft: „Am besten wäre es natürlich, wenn beide spielen könnten.“ Fragezeichen gibt es darüber hinaus noch bei Center Dino Gregory, der sich in Bayreuth eine leichte Muskelzerrung im Oberschenkel zuzog. „Ich hoffe, wir kriegen ihn bis Freitag wieder hin“, sagte Mannschaftsarzt Dr. Helmut Queckenstedt.

Geske Was gegen die am Sonntag daheim mit 67:76 gegen Frankfurt unterlegenen Ulmer wichtig wäre, denn Gregory - in Bayreuth hinter David Bell auch noch zweitbester Werfer - verleiht gemeinsam mit Keith Ramsey den Hagenern unter dem Korb eine ganz andere Stabilität. So blockten sie etwa vier Würfe der Gastgeber ab. „Was Keith und Dino gegen die starken Bayreuther Center zusammen geleistet haben, war schon stark“, würdigte Oliver Herkelmann. Abgesehen von den letzten vier Minuten, als der 71:60-Vorsprung zusammenschmolz, war der Phoenix-Geschäftsführer ohnehin mit dem Auftritt der Gäste hoch zufrieden. „Unser letzter Wurf war sicher glücklich, aber in Summe war das schon eine sehr reife Leistung und extrem verdient“, befand er. Und das ohne Gordon und mit einem Zamal Nixon auf der Spielmacher-Position, der angesichts von null Treffern bei elf Würfen aus dem Feld einen sehr gebrauchten Tag erwischt hatte.

Herkelmann lobt Niklas Geske

„Es zieht sich durch, dass Zamal gerade gegen eine Zonenverteidigung nicht so gut zurecht kommt“, bedauert Herkelmann, „gut, dass Niklas Geske momentan auf einem so hohen Niveau spielt.“ Wobei er angesichts des Trubels um dessen „Jahrhundert-Wurf“ betonte: „Er ist ein junger Spieler, da wird irgendwann auch eine Leistungsdelle kommen.“ Aktuell aber werden die Hagener nach vier Siegen in Folge schon wieder nach Playoff-Ambitionen gefragt. „Schön, dass solche Fragen und keine anderen gerade Thema sind“, sagte Herkelmann dazu: „Aber darum sollten wir uns jetzt gar keine Gedanken machen. Sondern sehen, dass der Abstand nach unten noch größer wird.“