Phoenix Hagen verärgert die Fans mit chronischem Heimkomplex

Ging im Spiel gegen den Mitteldeutschen BC zu Boden: Phoenix Hagens Niklas Geske.
Ging im Spiel gegen den Mitteldeutschen BC zu Boden: Phoenix Hagens Niklas Geske.
Foto: Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Warum der auswärtsstarke Basketball-Bundesligist gegen den Mitteldeutschen BC daheim schon die 13. Niederlage erlitt, kann niemand verstehen. Die Hagener Fans jedenfalls reagieren sauer.

Hagen.. Bis zu 18 Punkten Vorsprung, ein Gegner der bestenfalls durchschnittlichen Güteklasse, spürbare Unterstützung von den Rängen wie lange nicht: Was eigentlich noch benötigt Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen für einen Sieg in heimischer Enervie Arena? Auch beste Voraussetzungen reichten bei der 65:70 (42:27)-Pleite gegen den Mitteldeutschen BC nicht, der Heimkomplex wird chronisch. Das Team, das fünf Tage zuvor die zweite Halbzeit in Tübingen noch mit 30 Punkten für sich entschieden hatte, kollabierte diesmal nach der Pause offensiv völlig. Und hinterließ nach der 13. Niederlage am Ischeland wütend pfeifende Fans und ratlose Gastgeber. „Mittlerweile ist das eine stark mentale Sache“, befand Geschäftsführer Oliver Herkelmann - und war sich mit Niklas Geske einig: „So geht das jetzt das ganze Jahr. Richtig erklären kann man das nicht.“

Spielbericht Der junge Aufbauspieler wehrte sich noch mit am meisten gegen die Fortsetzung der schwarzen Heimserie. Geske spielte mit mehr als 28 Minuten lange wie nie, legte mit 17 Punkten und vier Steals Karriere-Bestwerte auf. Und hatte maßgeblichen Anteil, dass Phoenix selbst nach verspieltem Pausenvorsprung gut vier Minuten vor dem Ende wieder mit 60:53 führte. „Da war ich mir sicher, dass wir gewinnen“, sagte er später. Dann aber verpasste Phoenix-Kapitän David Bell den freien Dreier zur Vorentscheidung, dafür traf auf der Gegenseite Patrick Richard stark bedrängt mit Brett, der MBC war wieder dran. „Und bei uns hat es in dem einen oder anderen wieder angefangen zu arbeiten“, beobachtete Herkelmann die Angst der Gastgeber, wieder alles zu verspielen.

Geske, Bleck und Krume überzeugen

Geske humpelte nach dem 61:61-Ausgleich durch Gästecenter Djordje Pantelic 90 Sekunden vor der Sirene als zweiter Hagener nach Dino Gregory mit dem fünften Foul auf die Bank. Mit Vertreter Zamal Nixon im Aufbau gelang den Gastgebern offensiv nicht mehr viel. Bell, der sich in der Verantwortung sah, beging gleich mehrere Fehler, ließ zudem zwei Freiwürfe liegen. Und dann war es wieder Nixon, der die Anweisung von Ingo Freyer nicht umsetzen konnte. 18 Sekunden vor dem Ende hatte der Phoenix-Trainer beim 63:66 zur Auszeit gebeten, drei Punkte benötigten die Gastgeber zur Verlängerung. Freyer malte Spielzüge für Distanzwürfe aufs Taktikbrett, doch Nixon zog zum Korb, vergab auch noch, das war’s. „Zamal war nicht in der Lage, die freien Schützen zu sehen und den Pass zu spielen“, bedauerte der Coach anschließend - und kritisierte nicht nur Nixon: „Mit ihm und Todd Brown haben wir zwei Spieler, die nicht die Energie aufs Parkett bringen, die wir brauchen.“

Chefetage Das taten dafür die Phoenix-Youngster, neben Geske auch Fabian Bleck und der erstmals wieder länger berücksichtigte Moritz Krume. Bleck etwa trug nach dem 12:14 (8.) durch den sperrigen Pantelic, der den Rebound gegen Gregory und Keith Ramsey klar dominierte, offensiv maßgeblich zur Hagener Pausenführung bei. Unter dem starken Defensivdruck der Gastgeber produzierte der MBC etliche Fehler, traf zudem gerade mal gerade mal jeden vierten Wurf. Nur einen von 15 Dreiern in Halbzeit eins verwandelten die Gäste, dabei taten sich gerade die Ex-Hagener Mark Dorris und Malte Schwarz mit Fehlwürfen hervor. Phoenix nutzte das, der zweite Heimsieg schien früh Gestalt anzunehmen. 42:27 führte man zur Pause, nach Geskes zweitem Dreier sogar mit 18 Punkten (45:27, 21.).

Phoenix vergibt 18-Punkte-Vorsprung

Doch wie schnell so ein Polster dahinschmelzen kann, erfuhren die Gastgeber nun. Plötzlich trafen sie - allen voran Brown - fast nichts mehr, der MBC dafür umso mehr. Als Richard eine Dreierserie der nun effektiv den freien Werfer findenden Weißenfelser mit dem 49:50 beendete (29.), lag erstmals seit dem Startviertel wieder der MBC vorn. Dank Geske und Bell reagierten die Hagener nach dem 11:0-Lauf der Gäste noch einmal, ehe sie in den letzten drei Minuten die schon notorische Sieghemmung befiel. „Nach der Pause haben wir zu 100 Prozent unser Spiel durchgebracht“, konnte sich Gäste-Coach Silvano Poropat freuen, während Freyer auch auf die Blessuren von Ramsey (Knie), Gregory (Rücken) und Bell (Ellbogen) verwies: „Viele meiner Spieler gehen auf dem Zahnfleisch. Und von der Bank kommt im Moment wenig Energie - eher das Gegenteil.“

Phoenix Hagen - Mitteldeutscher BC 65:70 (42:27)

Phoenix Hagen: Bell (19, 1/6 Dreier, 12/15 Freiwürfe, 5 Rebounds, 5 Ballverluste), Geske (17, 2/2 Dreier, 4 Steals), Gordon (8, 6 Rebounds), Bleck (7, 3 Steals), Gregory (6), Brown (3), Nixon (3), Ramsey (2, 5 Rebounds), Krume.

Mitteldeutscher BC: Richard (14, 4/7 Dreier, 4 Assists), Standhardinger (13, 7 Rebounds), Vilhjalmsson (11), Pantelic (9, 14 Rebounds), Wyrick (7), Massenat (7, 1/4 Dreier, 8 Assists, 6 Ballverluste), Liyanage (3), Schwarz (3, 1/7 Dreier, 4 Assists), Clay (3), Dorris.

Spielviertel: 20:16, 22:11, 9:23, 14:20.

Teamstatistik: 36:38% Wurfquote, 4/16:9/28 Dreier, 21/26:19/28 Freiwürfe, 30:44 Rebounds, 10:21 Assists, 10:4 Steals, 14:19 Ballverluste, 2:0 Blocks.

Zuschauer: 3026.