Phoenix Hagen droht wieder Abstiegskampf bis ins Frühjahr

Larry Gordon, Keith Ramsey und Co. konnten die Bremerhavener nur zeitweise ausbremsen.
Larry Gordon, Keith Ramsey und Co. konnten die Bremerhavener nur zeitweise ausbremsen.
Foto: WP

Bremerhaven..  Also doch wieder Abstiegskampf bis ins Frühjahr: Die Chance, früh wie nie in der Saison die bedrohte Tabellenregion zu verlassen, hat Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen verpasst. Die Eisbären Bremerhaven beendeten ihre lange Niederlagenserie ausgerechnet gegen die bisher auswärts so starken Hagener. Und profitierten bei ihrem 92:85 (48:48)-Erfolg auch von einer reichlich einseitigen Foul- und Freiwurfverteilung. Von der etwa Phoenix-Topwerfer Larry Gordon stark betroffen war, der früh vom Feld musste. „Jede kleine Berührung wurde gepfiffen“, ärgerte der sich, „aber leider nicht auf beiden Seiten.“

Play-off-Zeiten sind vorbei

Die Playoff-Zeiten sind eine Weile vorbei, aber an Abstiegskampf sind sie auch nicht wirklich gewöhnt an der Nordsee. Umso mehr Aktionismus entwickelten die Eisbären nun nach dem Sturz auf Platz 17. Zuerst der Trainerwechsel von Calvin Oldham zu Muli Katzurin, nun schon die dritte Nachverpflichtung: Sergio Kerusch, amerikanischer Guard mit deutschem Pass und schon länger in Bremerhaven im Training, wurde noch gestern mit einem Vertrag bis Saisonende ausgestattet und debütierte gegen Hagen. Während aus dem Überangebot an Importspielern diesmal Bryan Chase und Jake O’Brien pausieren mussten. „Winterschlaf war gestern“, hieß das Motto, das die Gastgeber nach neun Pleiten in Serie aufwecken sollte.

Es funktionierte zunächst, die Eisbären bissen und kratzten wie angekündigt. Worunter zunächst Hagens Niklas Geske litt, der die Hand von Devin Searcy ins Gesicht bekam und behandelt werden musste (9. Minute). Bis hier hatte Phoenix die frühen Bremerhavener Führungen (7:2, 16:12) immer wieder ausgeglichen. Nach dem 19:19 aber setzten sich die zunächst weit intensiver agierenden Gastgeber weiter ab. Beim 32:22 durch den Dreier von Myles Hesson (13.) sah sich Freyer zur Auszeit genötigt, doch zunächst dominierten weiter die Hausherren. Zudem musste Phoenix in schneller Folge durch die wenig ausgewogen urteilenden Referees um Toni Rodriguez die jeweils dritten Foulpfiffe gegen David Bell und Urule Igbavboa hinnehmen (14.).

Einzig Gordon war es nun zu verdanken, dass die Hagener nicht ganz den Kontakt verloren. Zum 44:32 (17.) setzte sich Bremerhaven dank Hesson und Flavio Stückemann dennoch ab, ehe auch die Gäste endlich die Intensität erhöhten. Ganze zwei Minuten benötigten sie dank etlicher Ballgewinne zur 2:13-Serie, mit der Pausensirene glich Geske sogar aus.

Basketball-Bundesliga Von nun an war es lange ein Spiel auf Augenhöhe, beim 64:66 durch Todd Brown (29.) aber führte Phoenix letztmals. Offensiv erreichten zuwenig Hagener Normalform, neben Gordon galt dies nur für Keith Ramsey und im zweiten Abschnitt Bell. Weit homogener agierten da die Gastgeber, am Ende hatten gleich sieben Spieler neun Punkte und mehr auf dem Statistikbogen. „Wenn wir mit Larry, Keith und Dave nur drei Spieler haben, die den Fight richtig annehmen, ist es schwer zu gewinnen“, analysierte Freyer später.

Keine Alternativen gesehen

Und zunehmend litten die Gäste unter der hohen Foulbelastung gerade der Leistungsträger. Nach dem 78:75 (34..) kassierten Gordon, Bell, Igbavboa und Ramsey ihr jeweils viertes Foul, Freyer ließ dennoch alle Stammkräfte auf dem Parkett. „Ich habe gemerkt, dass ich wechseln musste“, erklärte der Coach später: „Aber ich habe auf die Bank geguckt und niemand gesehen, der uns etwas hätte geben können.“ Bremerhaven um den starken Hesson, der gleich fünf Hagener Angriffe wegblockte, nutzte dies, zog immer wieder zum Korb. Nach dem 81:80 (37.) musste Gordon als erster mit Foulhöchstzahl vom Feld, handelte sich – symptomatisch an diesem Abend – durch eine wegwerfende Handbewegung noch ein technisches Extra-Foul ein. Nun erlahmte der Phoenix-Widerstand, zumal bald Dino Gregory und Bell folgten. Als der Phoenix-Kapitän 54 Sekunden vor der Schlusssirene ging (89:85), war der Weg für die Eisbären frei. Zur Erleichterung des neuen Coaches Katzurin: „Wir hatten eine Menge Druck, haben uns den Sieg aber verdient.“

Sein Gegenüber Freyer dagegen monierte mit Blick auf die Statistik die deutliche Ungleichbehandlung durch die Referees: „Beide Teams haben mit dem gleichen Level an Intensität und Aggressivität gespielt. Da ist es doch sehr unglücklich, dass wir 35 Fouls kriegen, Bremerhaven aber nur 22.“ Vom Freiwurfverhältnis von 47:20 für die Bremerhavener ganz zu schweigen. Der Ausfall einiger Spieler, so fügte der Phoenix-Trainer hinzu, sei allerdings auch nicht zu kompensieren gewesen.

Eisbären Bremerhaven: Stückemann (10, 2/3 Dreier), Williams (19,, 7 Reboun ds, 7 Assists), Ehambe (10, 7 Rebounds), Searcy (12, 10 Rebounds), Schultze (4), Hesson (21, 2/2 Dreier, 10 Rebounds, 4 Assists, 5 Blocks), Smith (9), Kerusch (11), Schneiders (5), McGee.

Phoenix Hagen: Gordon (14, 5/9 Dreier, 6 Rebounds), Ramsey (17, 7 Rebounds, 4 Blocks), Nixon (1, 6 Rebounds, 8 Assists), Bell (17, 2/5 Dreier), Igbavboa (4), Brown (12, 2/8 Dreier), Gregory (7), Geske (3), Bleck, Tolaj.


Spielviertel: 23:20, 16:21, 22:27, 18:23.


Teamstatistik: 43:43% Wurfquote, 6/13:9/25 Dreier, 32/47:13/20 Freiwürfe, 51:37 Rebounds, 21:17 Assists, 6:8 Steals, 15:15 Ballverluste, 6:6 Blocks.


Zuschauer: 3060.