Phoenix Hagen bringt Tübingen völlig aus dem Rhythmus

David Bell, hier gegen den Tübinger Augustine Rubit, gehörte zu den stärksten Hagenern beim Auswärtserfolg bei den Walter Tigers.
David Bell, hier gegen den Tübinger Augustine Rubit, gehörte zu den stärksten Hagenern beim Auswärtserfolg bei den Walter Tigers.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Mit intensiver Defensive brachte Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen die Walter Tigers Tübingen nach der Pause völlig aus dem Rhyhtmus. Der 92:69 (33:40)-Sieg ist bereits der neunte Auswärtserfolg.

Tübingen.. Schnell, wild, unorthodox. Das Etikett, das an den Bundesliga-Basketballern von Phoenix Hagen heftet, erneuern die gegnerischen Trainer vor jedem Duell. Und doch kommt es vor, dass Erstliga-Teams auf diesen Spielstil so gar nicht vorbereitet sind. Etwa wenn die Hagener an Intensität noch zulegen, wie es ihnen Coach Ingo Freyer für das Duell bei den Walter Tigers Tübingen verordnet hatte. Mit unentwegtem Doppeln und Rotieren in der Defensive brachten sie die Gastgeber völlig aus dem Rhythmus, das zahlte sich beim 92:69 (33:40)-Erfolg nach der Pause aus. „Das war ein guter Überraschungseffekt, weil wir zuletzt nicht so gespielt haben“, freute sich Freyer nach dem höchsten Saisonsieg. Es war der bereits neunte Coup in der Fremde, nur Alba Berlin übertrifft Phoenix in dieser Beziehung noch.

Die Ansage war frech. „Hundert“, antwortete Phoenix-Coach Freyer vor dem Hochball - ein bisschen augenzwinkernd - auf die Moderatoren-Frage, wie viele Punkte sein Team denn in der Tübinger Paul-Horn-Arena zu erzielen gedenke. Und es hätte sogar fast zur ambitionierten Marke gereicht, hätten die Gäste nicht vor der Pause aus der Distanz gar nichts getroffen. Dass der Trainer die Aussage durchaus ernst gemeint hatte, bekannte er nach dem Spiel. „Ich hatte gehofft, dass wir durch diese Verteidigung mehr Steals und einfache Körbe kriegen als sonst“, sagte Freyer, „und es hätte ja auch fast geklappt mit den 100.“

Hagen bis zur Pause schwach aus der Distanz

Danach sah es vor der Pause nicht wirklich aus. Zwar setzten die Hagener gegen die körperliche Überlegenheit der Tübinger unter dem Korb schon jetzt Doppeln des Spielaufbaus und stetes Rotieren in der Abwehr, die resultierenden Ballgewinne wurden indes nur unzureichend genutzt. Vor allem von der Dreierlinie fehlte zunächst völlig die sichere Hand, bei acht Versuchen in Halbzeit eins sprang kein einziger Treffer heraus. Die Tübinger um Jimmy McKinney und Vladimir Mihajlovic machten es zunächst besser, verwandelten gleich sieben Distanzwürfe.

Nach dem 9:10 durch den Fastbreak-Alleyhoop von Keith Ramsey nach Zuspiel von Zamal Nixon (7. Minute), dessen einzige gelungene Aktion dies allerdings blieb, setzten sich die Gastgeber so auf 23:11 (11.) ab. Phoenix kämpfte sich durch Larry Gordon und den stark verbesserten Dino Gregory heran, glich zum 33:33 (17.) aus. Doch immer wieder vergaben die Hagener auch in Überzahl gute Chancen, zur Pause lag Tübingen mit 40:33 vorn. Und die Gäste hatten erst ein Drittel der angestrebten 100 geschafft. Was Freyer nicht irritierte: „Ich war frohen Mutes in der Pause, weil wir eine Menge richtig gemacht haben.“

Bell und Gordon ragen heraus

Das Gefühl trog den Coach nicht, mit dem ersten Dreier durch David Bell direkt nach Wiederbeginn löste sein Team die offensive Bremse. Der Kapitän und Gordon - beide herausragend - trafen aus der Distanz jetzt in Serie, nach dem 53:55 (28.) setzten die Gäste sich endgültig ab (54:64, 29.). Weil sie mit intensiver Defensive insgesamt 21 Ballverluste der Tübinger provozierten und so deren Offensive nachhaltig stoppten. „Sie haben uns zu schlechten Entscheidungen gezwungen“, erkannte Tigers-Spielmacher Branislav Ratkovica an. Selbst die frühen Foulprobleme der Stammkräfte irritierten die Hagener nicht, nur Ramsey musste mit dem fünften Vergehen vom Feld (62:75, 34.). Nixon und Urule Igbavboa brachte Freyer nach dem Wechsel dennoch nicht mehr: „Wir hatten gerade einen Lauf, den wollte ich nicht unterbrechen.“ Die mit Niklas Geske im Aufbau umformierte Startfünf, der Todd Brown und Fabian Bleck Entlastung verschafften, rechtfertigte diese Maßnahme. Nach dem 66:79 (35.) enteilten die Hagener mit elf Punkten in Serie endgültig. Ob Freyer Donnerstag daheim gegen den Mitteldeutschen BC ähnlich spielen lässt, weiß er indes noch nicht: „Die Überraschung ist ja jetzt weg.“

  • Walter Tigers Tübingen -Phoenix Hagen 69:92 (40:33)
  • Walter Tigers Tübingen: Mihailovic (13, 3/7 Dreier), McKinney (12, 4/9 Dreier), Ratkovica (9, 8 Assists, 6 Ballverluste), Rubit (8, 4 Ballverluste), Radosavljevic (8), Nadjfeji (6, 4 Ballverluste), Jönke (6), Wallace (5), Kashirov (2), Albus.

  • Phoenix Hagen: Bell (28, 3/8 Dreier, 6 Steals), Gordon (26, 3/4 Dreier, 7 Rebounds, 3 Ballverluste), Gregory (17, 8 Rebounds, 2 Blocks), Ramsey (9, 6 Rebounds, 3 Steals, 2 Blocks), Brown (5), Geske (5, 4 Assists), Bleck (2), Nixon, Igbavboa, Krume.

  • Spielviertel: 19:11, 21:22, 19:35, 10:24.

  • Teamstatistik: 39:52% Wurfquote, 9/26:8/20 Dreier, 16/22:18/23 Freiwürfe, 32:35 Rebounds, 18:13 Assists, 10:13 Steals, 21:16 Ballverluste, 2:4 Blocks.

  • Zuschauer: 2970.