Phoenix-Albtraum endet um fünf Uhr in der Früh

Urule Igbavboa, der hier gegen Bayern-Nationalspieler Robin Benzing zum Korb zieht, war gemeinsam mit David Bell bester Werfer.
Urule Igbavboa, der hier gegen Bayern-Nationalspieler Robin Benzing zum Korb zieht, war gemeinsam mit David Bell bester Werfer.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die 79:124-Pleite bei Bayern München war die deutlichste Saison-Niederlage der Liga überhaupt. Phoenix Hagen war körperlich deutlich unterlegen.

München/Hagen.. Um fünf Uhr in der Frühe war die Albtraum-Reise vorbei. Insgesamt 18 Stunden auf Deutschlands verschneiten Autobahnen hatten die Bundesliga-Basketballer von Phoenix Hagen da hinter sich. Und eine kräftige 79:124 (44:65)-Packung beim FC Bayern München, die deutlichste Saison-Niederlage der Liga überhaupt - und die dritthöchste Pleite der Klubhistorie. „Ein, zwei von diesen Klatschen haben wir leider in jeder Saison“, bedauerte Co-Trainer Steven Wriedt, „wenn wir mit unserem Spielstil gegen die Großen nicht mithalten können, passiert so etwas.“ Und Phoenix-Flügel Fabian Bleck bekannte nach der Reise zum deutschen Meister selbstkritisch: „Wir haben uns nicht gewehrt.“

Dabei war der Start für die Gäste vor 5512 Zuschauern im Audi Dome auch ohne den verletzten Keith Ramsey gar nicht schlecht. Vor allem die ersten acht Minuten lief alles nach Plan. Nach der ersten Führung durch Kapitän David Bell agierten die Hagener auf Augenhöhe, auch wenn der Favorit von Beginn an aus der Distanz hochprozentig traf. Doch auch Phoenix fand immer wieder die freien Dreierschützen, zum 19:19 (7. Minute) glich Zamal Nixon aus. Und wenig später lag das Team von Trainer Ingo Freyer beim 21:24 sogar in Führung, weil Todd Brown und Urule Igbavboa Bayern-Fehler zu zwei Fastbreaks nutzten (8.). Das sah sich Gastgeber-Coach Svetislav Pesic nicht länger mit an, er bat zur Auszeit und richtete klare Worten an sein Team. „Der Trainer will immer das Maximum von uns. Wenn wir es nicht geben, ist er sauer“, bekannte FCB-Akteur Nihad Djedovic später: „Wir haben dann alles gemacht, was der Trainer gesagt hat.“

Bis zum 36:44 in der 14. Minute blieb Phoenix noch dran

Was Phoenix nun schmerzhaft zu spüren bekam. Eine schnelle 7:0-Serie brachte die Gastgeber wieder nach vorne, bis zur ersten Viertelpause hatte Robin Benzing dem erstmals komplett antretenden Meister - ein Akteur wie Yassin Idbihi fand nur Platz auf der Tribüne - schon einen kleinen Vorsprung verschafft. Vor allem unter dem Korb waren John Bryant, Vladimir Stimac und Co. den Gästen nun drückend überlegen, griffen sich Offensiv-Rebounds in Serie, erarbeiten zweite und dritte Wurfchancen für ihr Team. „Die körperliche Unterlegenheit war unser Hauptproblem“, sagte Wriedt.

Bis zum 44:36 (14.) durch Dino Gregory blieben die Hagener noch einigermaßen dran, dann setzte sich der Favorit durch sieben Punkte von Bryce Taylor ab. „14 Minuten haben wir gut gegengehalten, dann zeigte sich der Unterschied an Qualität“, bekannte Wriedt. Nun dominierten die Münchner endgültig, während die Hagener freie Dreierschützen gegen die aggressive Bayern-Defensive nicht mehr fanden und am Brett etliche Chancen liegenließen. Bis zur Pause wuchs der Rückstand schon deutlich, nach dem Wechsel setzte sich dies nahtlos fort, da die Gastgeber nicht nachließen.

Pleite Die Hagener, denen in Halbzeit zwei erst nach knapp vier Minuten durch Bell der erste Korb gelang, resignierten nun sichtbar. „Wir haben versucht, die Intensität hochzuhalten“, sagte Freyer, „aber je länger das Spiel ging, umso schwerer wurde das.“ Djedovics Dreier zum 118:68 drei Minuten vor der Schlussirene ließ sogar die höchste Phoenix-Schlappe überhaupt befürchten. Wenigstens das verhinderten die deutschen Nachwuchskräfte Bleck, Niklas Geske, Moritz Krume und Arber Tolaj gemeinsam mit Topwerfer Urule Igbavboa. So bleibt das 62:113 vom 24. November 2012 in Oldenburg weiter historischer Negativwert. Ein schwacher Trost nach einem freudlosem Hagener Wochenende in München.

FC Bayern München - Phoenix Hagen 124:79 (65:44)

FC Bayern München: Taylor (19, 4/4 Dreier), Bryant (17, 9 Rebounds, 2 Blocks), Savanovic (13, 8 Rebounds), Benzing (12), Micic (11, 2/3 Dreier, 8 Assists), Jagla (10), Stimac (9, 8 Rebounds), Zipser (9, 3 Blocks), Schaffartzik (8, 2/4 Dreier), Djedovic (8), Gavel (8), Staiger.

Phoenix Hagen: Bell (13, 2/5 Dreier), Igbavboa (13), Brown (12), Gregory (10, 5 Rebounds), Gordon (9), Geske (6, 4 Assists, 3 Ballverluste), Nixon (6, 8 Assists), Tolaj (4), Bleck (4, 2 Blocks), Krume.

Viertel: 34:28, 31:16, 22:16, 37:19

Teamstatistik: 56:43 % Wurfquote, 13/27:6/14 Dreier, 31/39:15/22 Freiwürfe, 46:27 Rebounds, 34:16 Assists, 4:5 Ballgewinne, 10:13 Ballverluste, 6:3 Blocks. - Zuschauer: 5512