Defensive von Phoenix Hagen stört Göttinger nachhaltig

Hagener Erleichterung: der finale Mannschaftskreis nach getaner Arbeit in Görringen.
Hagener Erleichterung: der finale Mannschaftskreis nach getaner Arbeit in Görringen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit 83:73 bei der BG Göttingen gelang Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen bereits der siebte Auswärtssieg. Trainer Ingo Freyer führte ihn vor allem auf die starke Defensvivleistung zurück.

Göttingen.. Es war wohl die alte Gewohnheit an diesem Ort. „Nie mehr 2. Liga“, skandierten die sangesfreudigen Fans von Phoenix Hagen, als der siebte Auswärtssieg geschafft war. Das Standardrepertoire notorisch gefährdeter Basketball-Bundesligisten schien ihnen angemessen - wie bei ihrer letzten Reise in Göttingens Sparkassen-Arena im April 2012. Als die Hagener den vorletzten Schritt zum damals reichlich mühseligen Klassenerhalt gemacht hatten. Am 21. Spieltag der Saison 2014/15 besteht solche Gewissheit natürlich noch nicht. Der 83:73 (36:28)-Coup bei der BG Göttingen allerdings vergrößert das Phoenix-Polster zu den Abstiegsrängen, zu Platz sieben wiederum fehlt weiter nur ein Sieg. Wovon Coach Ingo Freyer indes nichts wissen will: „Wir gucken nicht nach oben, die Absicherung nach unten ist wichtig.“

Ein bisschen feiern, da kam er nicht umhin, musste aber auch der Phoenix-Trainer. Seinen 44. Geburtstag beging Freyer am Samstag, ihren „Ingo Meistercoach“ ließen die etwa 300 in drei Bussen und zahlreichen Pkw mitgereisten Hagener Fans nach der Schlusssirene hochleben. Und beorderten ihn ans Megafon für die obligate „Humba“, die der gebürtige Hamburger inklusive eines eingestreuten „FC St. Pauli“ souverän erledigte. „Ich bin sehr, sehr froh, dass wir nach der Packung von München heute wieder unseren Rhythmus gefunden haben“, lobte Freyer später sein Team, das beim Aufsteiger nicht einmal zurückgelegen hatte.

Freyer lobt Hagener Defensivleistung

Dass der Jubilar beste Laune hatte, lag nicht in erster Linie am offensiven Output seiner weit hochprozentiger als die Gastgeber treffenden Spieler. Sondern noch mehr an deren defensivem Engagement. „Ich habe bei uns selten eine so konstant gute Verteidigung gesehen“, würdigte Freyer. Auch BG-Coach Johan Roijakkers führte die mit 35 Prozent ausgesprochen überschaubare Wurfquote seines Teams auf den Einfluss der Hagener zurück: „Ihre Defensive ist besser als viele denken.“

Spielbericht Was die Gäste nach dem blau-gelben Konfetti-Regen, mit dem die Phoenix-Fans direkt nach dem ersten Angriff für eine kurze Putz-Unterbrechung gesorgt hatten, schnell untermauerten. Göttingens Offensive ließen sie nicht in einen Rhythmus kommen, auf der anderen Seite setzte bald der an diesem Abend überragende David Bell die Akzente. Die ersten drei Dreier verwandelte der Kapitän, nach dem 6:6 (3. Minute) durch Göttingens Raymar Morgan setzte sich Phoenix so erstmals ab (13:6, 6.). Fehlerfrei agierten die Gäste nicht, so kam die BG zum 16:15 (8.) heran, ehe erneut Bell die im auswärts-untypischen Gelb gewandeten Gäste schnell wieder wegziehen ließ. Göttingen dagegen traf weder aus der Distanz (1 von 13 vor der Pause) noch unter dem Korb, beim 36:26 (19.) durch Todd Brown war der Hagener Vorsprung erstmals zweistellig.

Schlussviertel wird zwischenzeitlich zum Drama

Irgendwann, das war klar, müssten auch die Gastgeber besser treffen, das taten sie nach dem Wechsel. Doch Dreier von Jamal Boykin und Dominik Bahiense de Mello reichten nur für das 40:38, ehe wieder Phoenix sich absetzte. Weil neben Bell jetzt auch Larry Gordon seinen Wurfrhythmus fand, 15 Punkte – darunter drei Wirkungstreffer aus der Distanz – trug der lange verletzte Flügelspieler in Durchgang zwei bei. Beim 60:49 (28.) durch Urule Igbavboa lagen die Hagener wieder klarer vorn, ehe man im Schlussviertel zurückkehrte zum Drama.

Denn nun setzte sich auch Khalid El-Amin in Szene, der sich mit Bell ein episches Duell lieferte. Sein Vierpunktspiel zum 68:67 knappe fünf Minuten vor dem Ende ließ die Fans der Veilchen wieder hoffen, zumal Bell sein viertes Foul sah. Doch die Gäste behielten die Nerven, nach dem 72:70 – El Amin hatte seinen vierten Dreier in diesem Viertel getroffen (37.) – sorgten Dino Gregory, der gegen BG-Center Morgan stark verteidigte, Keith Ramsey und Brown für den Zwischenspurt zum 78:70. 100 Sekunden vor dem Ende war die Vorentscheidung gefallen, der als Scorer zuvor unauffällige Zamal Nixon vollendete von der Freiwurflinie. Es wurde Zeit für die ausgiebigen Feierlichkeiten im Hagener Block. „Auswärtssieg!“, hatten die Phoenix-Fans hoffnungsfroh schon in Halbzeit eins skandiert, nun konnten sie dies inbrünstig wiederholen - zum siebten Mal triumphierte Phoenix in der Fremde. Völlig verdient, wie Göttingens Coach Johan Roijakkers später einräumte: „Hagen war von Anfang an die bessere Mannschaft.“ So sah es auch Ex-Phoenix-Akteur Dominik Spohr an einem für ihn unglücklichen Abend. „Wir haben unsere Würfe nicht getroffen, ich allen voran“, bekannte er: „So gewinnst du gegen Hagen nicht.“

  • BG Göttingen – Phoenix Hagen 73:83 (28:36)
  • BG Göttingen: Ruoff (8, 0/3 Dreier, 7 Rebounds, 8 Assists, 6 Ballverluste), El Amin (21, 4/10 Dreier), Morgan (14, 6 Rebounds), de Mello (10, 2/5 Dreier), Spohr, Godbold (11, 3/8 Dreier), Boykin (8, 2/7 Dreier, 8 Rebounds), Kulawick, Kamp, Njei (1), Onwuegbuzie.

  • Phoenix Hagen: Bell (31, 5/8 Dreier, 10/10 Freiwürfe, 7 Rebounds), Gregory (8, 4 Ballverluste, 3 Blocks), Gordon (17, 3/5 Dreier, 12 Rebounds), Nixon (6, 7 Assists, 4 Ballverluste), Brown (8, 0/2 Dreier), Ramsey (4, 7 Rebounds), Geske (3), Igbavboa (4), Bleck (2).

  • Spielviertel: 16:18, 12:18, 26:24, 19:23

  • Teamstatistik: 35:50 % Wurfquote, 11/38:8/16 Dreier, 6/7:23/26 Freiwürfe, 36:43 Rebounds, 19:11 Assists, 8:3 Ballgewinne, 11:20 Ballverluste, 2:4 Blocks.

  • Zuschauer: 3447 (ausverkauft)