Das sind die Reaktionen auf die geplante Phoenix-Insolvenz

Blickt in eine höchst unsichere Zukunft: Phoenix-Trainer Ingo Freyer.
Blickt in eine höchst unsichere Zukunft: Phoenix-Trainer Ingo Freyer.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
  • Liga zeigt sich „irritiert“ über angekündigten Insolvenzantrag.
  • Insolvenzverwalter Dirk Andres berät Phoenix.
  • Mannschaft ist noch nicht offiziell informiert.

Hagen.. Hohe Wellen schlägt die Ankündigung von Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen, einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stellen und sich auf diesem Weg sanieren zu wollen. Bestenfalls am heutigen Mittwoch, auf jeden Fall aber kurzfristig will der Erstligist den Antrag beim zuständigen Amtsgericht in Hagen einreichen. Begleitet und beraten wird Phoenix in dem Verfahren von Rechtsanwalt Dirk Andres, der auch beim Aus des damaligen Bundesligisten Brandt Hagen Ende 2003 als Insolvenzverwalter eingesetzt war. Am Dienstag stellte man bei Phoenix die notwendigen Unterlagen zusammen, erst nach dem Gerichtsentscheid will man über die nächsten Schritte informieren. Der Spielbetrieb, so heißt es, werde ohne Einschränkung aufrechterhalten. Reaktionen aus dem Phoenix-Umfeld hat diese Redaktion gesammelt. Insolvenz

Das sagt die Liga

„Irritiert“ zeigte sich Bundesliga-Geschäftsführer Stefan Holz über über Vorgehen und Handeln der Phoenix-Verantwortlichen, die die Stellung eines Insolvenzantrags schriftlich mitgeteilt hätten. „Die Zahlen, die uns im Oktober fristgerecht vorgelegt wurden, haben sich im Vergleich zu denen aus dem Juli erheblich negativ verändert“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme: „Wie es dazu kommen konnte, werden wir nun mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter aufarbeiten.“ Weitere mögliche Konsequenzen - neben dem automatischen Abzug von vier Punkten nach Nachweis des Insolvenzantrags - ließen sich noch nicht abschätzen, der Gutachterausschuss und dann der Lizenzligaausschuss müssten zeitnah die neuen Planzahlen bewerten. Es sei „nicht nachvollziehbar und nicht mit dem Fair-Play-Gedanken vereinbar“, so Holz, dass kurz nach dem Ende der letzten Saison vorgelegten Sanierungsplan erneut ein großes Delta entstanden sei.

Die Mannschaft

Noch nicht von offizieller Seite informiert über Insolvenzantrag und mögliche Konsequenzen ist das Phoenix-Team, das am Montag und Dienstag die regulären Trainingseinheiten absolvierte. „Morgen früh fangen wir mit der Vorbereitung auf das Bonn-Spiel an“, sagte Co-Trainer Steven Wriedt und räumte ein: „Natürlich ist ein komisches Gefühl in der Mannschaft, die bis gestern nicht mitbekommen hat, welche Probleme es gibt.“ Und Routinier Adam Hess räumte ein, dass er in seiner langen Karriere zum ersten Mal so eine Situation erlebe: „Als Spieler kann man nur spielen.“

Phoenix Hagen Angesichts der angekündigten radikalen Kostenreduzierung ist absehbar, dass es kurzfristig zu Personalmaßnahmen kommt und man sich von Kadermitgliedern trennen wird. Vor diesem Hintergrund ist etwa die Zukunft des im zehnten Jahr bei Phoenix agierenden Cheftrainers Ingo Freyer oder von Spielern wie Trent Plaisted offen. „Jeder muss sich auf den Prüfstand stellen“, sagte Aufsichtschef Sven Eklöh, „der Trainer muss beweisen, dass er sein Geld wert ist.“ Gleichzeitig muss man eine halbwegs wettbewerbsfähige Mannschaft zusammenhalten, um die noch 29 Partien bis zum dann wohl unvermeidlichen Abstieg in die ProA zu spielen.

Der Aufsichtsrats-Chef

Mit einer Mischung aus Selbstkritik und Zukunftsoptimismus wirbt Sven Eklöh bei Fans und Sponsoren dafür, dem Projekt Spitzenbasketball trotz der anstehenden Planinsolvenz das Vertrauen zu schenken. Altlastenproblematik („Die Riesenlast aus der Vergangenheit in Höhe von 1,2 Millionen stimmt“), Einbrüche beim Ticketverkauf und die sportliche Misere hätten das ohnehin auf dünnem Eis stehende Konzept zusammenbrechen lassen. „Die Planinsolvenz ist eine Chance, unter kontrollierter Führung das Projekt in positive Bahnen zu führen“, wirbt Eklöh dafür, schon heute das Fundament zu schaffen, die Altschulden endgültig abzubauen und zu prüfen, ob Hagen für Erstliga-Basketball der richtige Standort ist.

Phoenix „Wir müssen wieder das Feuer brennen lassen“, plädiert der Aufsichtsrats-Chef dafür, die Schuldzuweisungen untereinander zu beenden. „Wir müssen das Wir-Gefühl neu bündeln und uns den Fans sowie den Sponsoren stellen.“ Er stehe auch weiter zur Verfügung. Auch in der 2. Liga werde auf hohem Level ein professionelles Niveau geboten. „Das ist gar nicht schlimm für Hagen, es wird fantastische Spiele geben und uns die Gelegenheit zum Luftholen gegeben.“

Grundsätzlich müsse ein Sponsorenfundament geschaffen werden, das in der Summe mehr gebe. Dazu bedürfe es einer anderen Sponsorenansprache als in den Sommermonaten, ist sich Eklöh der eklatanten Fehler der jüngsten Vergangenheit bewusst. Daher gebe es auch viel Verunsicherung im Umfeld. Mit Geschäftsführer Patrick Seidel sei hier ein Profi gefunden worden, der diese Aufgabe mit hohem Engagement angehe.

Der BG-Vorsitzende

Letztes verbliebenes Phoenix-Gründungsmitglied ist Fredi Rissmann, Aufsichtsrat des Bundesligisten und gleichzeitig Klubchef von Phoenix-Keimzelle BG Hagen. „Ich war nicht so sehr überrascht, das hat sich in den letzten zwölf Monaten angedeutet“, sagte er, „bis zum Schluss hat man ja gehofft, dass sich noch Geldgeber finden.“ Doch zuletzt habe es eine gewisse Resignation gegeben: „Irgendwann kannst du die Leute nicht mehr zu Rettungsaktionen bewegen.“

Insolvenzantrag Den vorgesehenen Weg durch die Planinsolvenz durch 29 Spiele in die ProA hält Rissmann für lang. „Ich bin sehr skeptisch, ob das durchzuhalten ist, da brauchen Spieler und Verantwortliche gute Nerven“, sagt er. Im vor Saisonbeginn verlängerten Übertragungsvertrag des ursprünglichen Lizenzinhabers BG mit Phoenix sei festgelegt, dass das Teilnahmerecht im Falle einer Phoenix-Insolvenz wieder an die BG übergehe. Im Abstiegsfall könne Phoenix in der ProA starten, für eine ProB-Teilnahme indes würde die Lizenz ebenfalls an die BG gehen. Falls also ProA mit Phoenix nicht möglich sei, würden die Eilper den Start eine Liga tiefer stemmen können. Rissmann: „Basketball würde nicht von der Landkarte verschwinden.“

Der Ex-Geschäftsführer

Ex-Phoenix-Geschäftsführer Oliver Herkelmann hat sich gegen die Darstellung der aktuellen Führung gewehrt, während seiner Amtszeit sei ein Schuldenberg von 1,2 Millionen Euro angehäuft worden. „So viel ist es sicherlich nicht gewesen. Natürlich gab es erhebliche Verbindlichkeiten, denen durchaus auch Forderungen gegenüber standen.“ Die Diskrepanz zu den Zahlen, die er noch im Kopf habe, sei allerdings schon „erheblich“. Er selbst wollte jedoch keinen konkreten Betrag benennen. „Ich kann mich gerne mit den heute Verantwortlichen an einen Tisch setzen und die Zahlen diskutieren. Aber ich lasse mir keinen Dilettantismus unterstellen“, verwies Herkelmann darauf, dass er mit seinem Team zum 30. Juni 2015 eine saubere Buchhaltung, in der alles auf Stand gewesen sei, übergeben habe. Daher würde er auch Anzeige erstatten, wenn Leute Aussagen tätigten, die an Verleumdung seiner Person und seiner Arbeit grenzten.

Phoenix-Krise Gleichzeitig zeigte er sich erstaunt, dass heute von einer angeblich besseren Ertragslage gesprochen werde. Nach seinen Informationen gebe es deutlich geringere Umsatzerlöse. Allein aus dem Sponsoring und dem VIP-Karten-Verkauf fehlten Phoenix aktuell Einnahmen in Höhe von 650 000 bis 800 000 Euro. Ebenso haltlos sei die Darstellung, es seien über Jahre keine Offizialverbindlichkeiten beglichen worden. „Für jedes Lizenzierungsverfahren brauchten wir saubere Unterlagen.“ Dazu hätten auch immer Unbedenklichkeitsbescheinigungen der Sozialkassen und der Berufsgenossenschaft gehört.