40:0-Sieg für Phoenix gegen Crailsheim noch nicht amtlich

Und nun?David Bell, Zamal Nixon, Todd Brown, Keith Ramsey und Dino Gregory warten auf einen Gegner, der nicht kommt.
Und nun?David Bell, Zamal Nixon, Todd Brown, Keith Ramsey und Dino Gregory warten auf einen Gegner, der nicht kommt.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Was wir bereits wissen
Hagens Basketballer bleiben beschäftigungslos. Gegner Crailsheim Merlins steckt in winterbedingten Staus fest. Vieles spricht für eine 40:0-Wertung

Hagen.. „Drei, zwei, eins, null!“ Die meisten der 3145 Zuschauer in der ausverkauften Arena am Hagener Ischeland zählen laut mit, dann brandet Jubel auf. Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen hat im achten Anlauf den ersten Saison-Heimsieg geschafft. Und das zu Null! „Die Abwehr war heute Bombe“, lobt ein junger Phoenix-Fan. Dass David Bell, Zamal Nixon, Todd Brown, Keith Ramsey und Dino Gregory, die im Mittelkreis als Start-Fünf versammelt sind, einen 40:0-Sieg gegen die Crailsheim Merlins hinzaubern würden, damit hatte niemand gerechnet.

Es ging ganz leicht, ohne jegliche Gegenwehr. Denn es war gar kein Gegner da. Der Aufsteiger blieb bei der Anreise auf winterlich vereisten und verschneiten Straßen stecken. Außer Spesen viel gewesen.

Um 9.45 Uhr machte sich der Tross am Samstag im nordwürttembergischen Crailsheim auf den Weg in Richtung Westfalen. „Um 10.30 Uhr standen wir 50 Meter vor einem quer stehenden Lkw“, berichtet Joachim Mayershofer. Der Redakteur vom Hohenloher Tagblatt saß im Mannschaftsbus, der auf der A6 zwischen Schwäbisch Hall und Kupferzell feststeckte. „Erst hieß es seitens der Polizei, in 30 Minuten geht es weiter. Nach einer halben Stunde: „In 30 Minuten“ - und dann wieder „in 30 Minuten“. Schließlich erklärte die Autobahnmeisterei die Strecke für komplett gesperrt. „Nicht einmal die Polizei kam weiter“, so Mayershofer.

Zu Fuß zur nächsten Abfahrt

Auf Rädern geht nichts, die Basketballer steigen aus und machen sich zu Fuß auf den zwei Kilometer weiten Weg zur nächsten Abfahrt. Dort warten gegen 13.30 Uhr zwei Minibusse und ein Pkw zum Weitertransport. Jetzt kommt man bis ins unterfränkische Marktheidenfeld. Der nächste Stau! Hagen ist noch rund 300 Kilometer entfernt.

Per SMS informiert Merlins-Manager Martin Romig seinen Hagener Kollegen Oliver Herkelmann über die Anreiseprobleme. Spätestens um 17.30 Uhr - eine Stunde vor dem geplanten Spielbeginn hat Phoenix die allerletzten Stehplatzkarten verkauft - ist den Crailsheimern klar, dass sie an diesem Samstag kein Bundesliga-Spiel in Westfalen mehr austragen werden.

In Hagen machen Gerüchte die Runde. Ein Teil des Crailsheimer Teams sei per Pkw unterwegs und wohl gerade auf der Höhe von Siegen, heißt es. Derweil erkundigt sich Oliver Herkelmann per Handy bei BBL-Spielleiter Dirk Horstmann, was in solch einem Fall zu tun ist. Nach der angesetzten Spielzeit eine Stunde warten, also bis 19.30 Uhr, so die Antwort. Wenn dann keine fünf spielbereiten Crailsheimer Korbjäger auf dem Feld seien, werde nicht mehr gespielt. Herkelmann hakt nach, will wissen, was er noch machen muss, um auf die sichere Seite zu kommen. Selbst eine spielbereite Mannschaft stellen samt Schiedsrichtern und allem, was dazu gehört, erfährt er.

200 Liter Freibier als Entschädigung

Die Phoenix-Spieler halten sich warm, die Spieluhr wird auf 60 Minuten Wartezeit gestellt, die hinunter ticken. Bis 19.30 Uhr: „Drei, zwei, eins, null!“ Ein Basketball-Spiel gibt es nicht, aber 200 Liter Freibier als Entschädigung für die geduldig wartenden Fans.

Die meisten stoßen auf einen kampflosen 40:0-Erfolg an. Perfekt ist dieser aber noch nicht. Erst Spielleiter Dirk Horstmann wird die Partie zeitnah werten. „Wir haben alles versucht, was möglich war. Es wird nun darum gehen, ob es höhere Gewalt war oder nicht“, weiß Merlins-Geschäftsführer Martin Romig. Davon hängt ab, ob Phoenix erstmalig überhaupt zu Null gespielt hat.