Ein Jahr des Hoffens und Bangens in Düsseldorf
23.12.2010 | 13:24 Uhr 2010-12-23T13:24:00+0100
Düsseldorf.Man kann nicht von einem guten Jahr für die Basketballer aus der Landeshauptstadt sprechen. Dem sportlichen Abstieg folgte die Insolvenz und der Neuaufbau. Aber geretten sind die Giants noch lange nicht. Der Jahresrückblick.
Es sollte alles besser werden auf dem Basketball-Parkett in der Landeshauptstadt. Auf eine gute Debütsaison der Giants Düsseldorf folgte in der Spielzeit 2009/10 der sportliche Abstieg und das finanzielle Aus. Trotz abgewandter Insolvenz stehen die Sterne der neu-firmierten Gloria Giants nicht besonders gut.
Lange hoffte man in Düsseldorf, dass der sympathische Basketball-Fachmann Achim Kuczmann noch die Wende in Reisholz herbeiführen werde. Doch Kuczmann und seine Giants Düsseldorf verloren Spiel und Spiel und im März 2010 zogen die Gesellschafter des Basketball-Bundesligisten die Konsequenzen. „Wir mussten auf die brisante sportliche Situation reagieren“, begründet Claudio Di Padova, Geschäftsführer der Giganten, die Entlassung von Kuczmann. Der beförderte Co-Trainer Hansi Gnad sollte dem Team neue Impulse geben und das Ziel Klassenerhalt realisieren.
Phoenix war der Anfang vom Ende
Bamberg versalzte dem 2,08-Meter-Mann die Premiere als Chefcoach und auch im emotional geladenen Derby gegen Abstiegskonkurrenten und Aufsteiger Phoenix Hagen gingen die Riesen vom Rhein als Verlierer vom Platz. Nach dieser Niederlage vor 3640 Zuschauern in der erstmals bei einem Basketball-Match ausverkauften Reisholzer Halle zitterten die Giants – erst im zweiten Jahr ihrer Existenz – schon vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit.
Das Restprogramm, das die Düsseldorfer vor der Brust hatten, war alles andere als leicht. Die Giants mussten ausschließlich gegen Teams an, die um Play-off-Platzierungen spielten und der sportliche Abstieg war ein mehr als nur ein realistisches Szenario. Es folgten Wochen des Zitterns, denn die Hoffnung gab in Reisholz niemand auf. Zwar ließ
Geschäftsführer Di Padova ließ durchblicken, dass kaum einer der Sponsoren bei einem Abstieg erhalten bleiben würde, aber das Team von Coach Gnad riss sich zusammen und sorgte mit einem Sieg gegen Frankfurt für neuen Mut.
„Wir brauchen aber noch einen Sieg, mit zweien würden wir auf jeden Fall drin bleiben“, gab sich Gnad vor den Spielen gegen Berlin, Ludwigsburg, Quakenbrück, Bremerhaven, und Göttingen zuversichtlich – doch es sollte anders kommen. Die Überschriften der NRZ und bei DerWesten gaben den Ablauf der letzten Saisonauftritte der Giants deutlich wieder: „Hilflos, wehrlos, chancenlos“, „Die Giants sind mit einem Bein in Liga zwei“, „Göttingen sorgt für Abstieg der Düsseldorf Giants“.
Kassensturz und Wildcard
Die Giants Düsseldorf und Geschäftsführer Claudio Di Padova standen vor einem Scherbenhaufen. Es musste nun nicht mehr auf dem Parkett im Burg Wächter-Castello gekämpft werden, sondern an ganz anderen Fronten. 320.000 Euro fehlten beim Kassensturz und als Pro-A-Verein wollten die Giganten nicht antreten. Für Di Padova und den Insolvenzverwalter Horst Piepenburg begann ein Rennen mit der Zeit. Die Wildcard sollte her und eine neue GmbH wurde gegründet. Erstmal kursierte auch der Name des ehemaligen Trainer der Frankfurt Skyliners, Murat Didin in der Landeshauptstadt.
Die Zeitungen titelten „Später Retter aus der Türkei?“, „Die Wildcard ist für die Giants greifbar“, und „Trainiert Murat Didin die Giants?“ und am 14. Juli 2010 trudelte die erfreuliche Nachricht aus Köln bei den Düsseldorfern ein: Die Giganten sind gerettet. BBL-Geschäftsführer Jan Pommer teilte dem Giants-Chef mit, dass die Giants am 1. Oktober 2010 mit einem Auswärtsspiel bei den Eisbären Bremerhaven in die neue Spielzeit der Basketball-Bundesliga starten dürfen. „Ich freue mich unglaublich, dass das geklappt hat“, strahlte Di Padova nach der geglückten Rettungsmission.
Glanz und Gloria
Der Verein sortierte sich neu – fast komplett. Murat Didin wurde als neuer Trainer vorgestellt und Geschäftsführer Di Padova kehrte den Erstliga-Basketballern den Rücken und der vollständige Kader aussortiert. Neben der Gloria-Hotelkette aus der Türkei, sprangen auch Turkish Airlines und der Lebensmittelhersteller Yayla an Bord der Sponsoren. Mit rund einer Millionen Euro sollte Didin ein bundesliga-taugliches Team auf das Parkett bringen – doch der Anfang war schwer, holprig und auch kurios. 24 Stunden vor dem Auftaktspiel schickte der Coach drei Spieler nach Hause und verpflichtete gleich drei Neue. Doch der Auftakt ging mit einer 70:96-Pleite bei den Eisbären Bremerhaven tüchtig in die Hose.
Acht Niederlagen in Folge
„Dieser Neustart ist wie eine Geburt. Schmerzhaft am Anfang, aber wenn die Kinder heranwachsen, dann macht es richtig Spaß“, zeigte sich der 55-Jährige Türke optimistisch. Spaß machte der Start in die Spielzeit den Giants und ihren Fans sicherlich nicht. Auch die NBA-erfahrenen Jamaal Tatum und Olumuyiwa Famutimi schafften es nicht, die Qualität des Kaders so anzuheben, dass die Riesen vom Rhein konkurrenzfähig waren – vor allem konditionell reichte es bei der Mannschaft meistens nicht. Wenn nicht im dritten, dann verließ die Giants meistens im vierten Viertel der BBL-Spiele die Ausdauer und Konzentration. Es hagelte deutliche Niederlagen gegen die Artland Dragons (91:68) und die BG Göttingen (80:61) und auch gegen Rekordmeister ALBA Berlin gerieten die Giganten deutlich unter die Räder (91:47).
Erst im neunten Spiel der Saison verließen die Düsseldorf die Halle als Sieger und zum ersten Mal seit dem 80:78-Erfolg am 2. Januar über Braunschweig wurde in der Halle an der Karl-Hohmann-Straße ein Sieg der neu formierten Basketballer der Giants gefeiert. Mit 80:78 schlugen die Giants den Mitteldeutschen BC und mit dem souveränen 86:58-Sieg über Phoenix Hagen starte das Team von Didin eine Mini-Serie in der BBL.
Trotzdem gingen die Giants mit vier Punkten auf dem Konto in die Weihnachtspause. Soll am Ende der Saison 2010/11 nicht wieder der sportliche Abstieg stehen, müssen die Düsseldorfer wenigstens zwei Mannschaften hinter sich lassen. Murat Didin sucht händeringend nach neuen Geldern für neue Spieler – wenigstens ein Center muss noch in die Rotation. Die Konkurrenten bis Ende April kommen aus Ulm, Tübingen, Hagen, Gießen und Bayreuth.
Wenn am Ende Platz 16 herausspringt und die Giants eine weitere Spielzeit Erstliga-Basketball in der Landeshauptstadt anbieten, wird sicherlich ein neuer Anlauf genommen, damit alles besser wird ins Reisholz.
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