„Bestechung kommt in allen Sportarten vor”
31.03.2009 | 12:54 Uhr 2009-03-31T12:54:00+0200Hagen. Zwei Uhren vom spanischen Superklub Real Madrid erinnern den Hagener Kaufmann Willy Bestgen an große Zeiten als Basketball-Schiedsrichter. Die Zeitmesser laufen schon lange nicht mehr. „Kann kein teures Laufwerk sein”, meint der 73-Jährige.
Die Uhren waren kleine Aufmerksamkeiten für den Unparteiischen, der auch grobe Formen von Bestechung erlebt hat. „So etwas kommt in allen Sportarten vor”, sagt Bestgen - nicht nur im Handball, also auch im Basketball und anderen Disziplinen.
Manipulationsversuche in den 60'er und 70'er Jahren erlebt
Berichte über Manipulationen im Handball haben den Westfalen aufmerken lassen. Bestgen war mit 25 Jahren der jüngste Spielleiter des Weltverbands FIBA. Zwischen 1961 und 1976 hat er 192 Länder- und Europacupspiele geleitet. Darunter befanden sich sechs Europa-Finales. Willy Bestgen ist in der Welt weit herumgekommen und hat alle Formen versuchter Einflussnahme erlebt.
Es wurde mit Freundlichkeit gearbeitet. „Bei Niederlagen war man dann Persona non Grata”, so Bestgen. Mal lag ein Haar-Föhn, eine Flasche Whisky oder eine Lederjacke in seiner Kabine. „Ich habe die Sachen nicht genommen, eine Frage der Persönlichkeit”, sagt der ehemalige Unparteiische.
Mansche haben sich beeinflussen lassen
Aber auch er habe es erlebt, dass Pfeifenmänner „jenseits von Gut und Böse” gewesen seien. So habe ein Partner, mit dem er international zusammen pfeifen musste, gelegentlich „große Taschen gehabt”. Der sei mit Scheuklappen übers Spielfeld gelaufen.
Der Hagener hat nichts dagegen, wenn die Schiedsrichter am Abend vor dem Match von Vereinsvertretern schick zum Essen ausgeführt werden. Das sei international üblich und werde speziell von Großklubs in Italien und Spanien sehr gepflegt. Das sei auch zu seiner Zeit als Schiedsrichter-Betreuer bei Brandt Hagen so gewesen: „Da waren wir auch nicht in der Betriebskantine, sondern beim Italiener”.
Schiedsrichter aus Südosteuropa besonders anfällig
Doch speziell Spielleiter aus Südosteuropa seien sehr anfällig für gute Gaben. „Für die waren früher fünfzig Mark mehr als ein Monatsverdienst”, berichtet Bestgen. Derartige Versuche gebe es auch heute. Da sei es die Frage, ob der Technische Kommissar des Verbands eine Persönlichkeit sei. Der Verein Real Madrid habe ihn einmal am Abend vor einem Europacup-Auftritt in einen Nachtklub eingeladen. „Da brauchte ich gar nicht abzusagen, das hat der Delegierte unterbunden”, so der Hagener Basketball-Experte.
„Ich habe es erlebt, dass Schiedsrichter jenseits von Gut und Böse waren und große Taschen hatten.” Willy Bestgen
Heute werden die Pfeifenmänner von den Verbänden großzügig bedacht. Zahlte die internationale Organisation dem Spielleiter vor vielen Jahren 200 Schweizer Franken pro Einsatz, so sind es heute 2000. Da werden die Methoden subtiler. Willi Bestgen weiß von einem Partner, der in der Nacht vor einem Europacup-Einsatz in Rumänien im Zimmer Besuch von einer Dame bekam, die keine war, deren Offerte er aber auch nicht abwies. „Drei Minuten später standen zwei Funktionäre und eine Ärztin in der Tür und sagten: Na, wir werden doch jetzt nicht mehr verlieren?”, berichtet der Basketball-Fachmann, der bei den Olympischen Spielen 1972 in München sieben Begegnungen leitete.
Schiedsrichter in der Bundesliga sind sauber
„In der Bundesliga sind alle Schiedsrichter sauber, sie sind alle bestens geschult”, legt Bestgen die Hand für seine Nachfolger ins Feuer. Aber die Unparteiischen hätten immer noch viele Einwirkungs-Möglichkeiten auf den Spielausgang. Diese seien im Handball größer als im Basketball. „Wenn ich im Handball dem einen Verein fünf Mal Zeitspiel durchgehen lasse und es beim anderen fünf Mal ahnde, kann das eine Differenz von zehn Toren ausmachen”, sagt Bestgen. Sein Vorschlag: Die Handballer sollten eine Zeitregel wie im Basketball einführen, wonach Angriffe innerhalb bestimmter Zeit abzuschließen sind.
Einmal hat Willy Bestgen von einem internationalen Einsatz als Schiedsrichter in Moskau Kavier mitgebracht. Es war etwas mehr, als erlaubt war. Aber er hatte ihn selbst bezahlt.

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