Bei den NBA-Finals heißt es: Hulk oder Speedy Gonzalez?

Die Schlüsselfigur bei den Cavs: LeBron James. In den Halbfinalspielen warf er im Schnitt satte 28 Punkte.
Die Schlüsselfigur bei den Cavs: LeBron James. In den Halbfinalspielen warf er im Schnitt satte 28 Punkte.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Im US-Basketball-Finale zwischen Cleveland und Golden State kommt es ab Donnerstag auf zwei ganz unterschiedliche Schlüsselspieler an.

Washington.. Das „Allgemeine Krankenhaus“ von Akron hat es gut. Ganz gleich wie die Donnerstag beginnende und spätestens am 19. Juni endende Finalserie um die US-Basketball-Meisterschaft ausgeht: die Kliniken im Bundesstaat Ohio können immer behaupten, dass der Triumph in ihren Kreißsälen begann. Sowohl LeBron James, Überflieger der Cleveland Cavaliers, Jahrgang 1984, als auch Stephen Curry, Strippenzieher der Golden State Warriors aus Kalifornien, Jahrgang 1988, sind hier geboren. Das wär‘s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten der beiden Schlüsselspieler, die völlig unterschiedlich sind. Abgesehen von ihrer Extraklasse.

LeBron James

Mit seiner 2,03 Meter langen und 102 Kilogramm schweren Panzerschrank-Physis hat der zum fünften Mal hintereinander im Finale (ab 5. Juni, 3 Uhr) stehende „Auserwählte“ (Rücken-Tätowierung) in dieser Saison einmal mehr Maßstäbe gesetzt. Dabei fing das Unternehmen bescheiden an. Zum Jahreswechsel hing in der Quicken Loans Arena von Cleveland der Haussegen schief. James motzte. Auch über den aus Europa gekommenen Trainer David Blatt. Sogar ein großer Knall lag in der Luft. Doch mit Zukäufen (Shumpert, Smith und Mozgov) drehte die Mannschaft das dümpelnde Schiff auf Erfolgskurs.

NBA Der vorletzte Gegner in den Playoffs, die Atlanta Hawks mit dem Deutschen Dennis Schröder, wurde am Ende füsiliert. Mit knapp 28 Punkten im Schnitt trug James die Hauptlast im Angriff der „Cavs“, die mit Kevin Love (Schulter) und Spielmacher Kyrie Irving (Knie, Knöchel) auf zwei zentrale Akteure ganz oder teilweise verzichten mussten. Wie sich der Multi-Millionär reinhängte, ist in der seit 50 Jahren nach einem Profisport-Titel lechzenden Auto-Malocher-Stadt am Erie See gut angekommen.

Vergessen die Schmach, als Cleveland 2007 mit James im Endspiel gegen San Antonio 0:4 unterging. Vergeben, dass der „schwarze Hulk“ danach die Biege machte und mit Miami Heat zwei Titel holte. Cleveland macht dem „King“ längst wieder ergeben den Hof. Denn was herbeigeträumt wurde, ist eingetreten. James macht durch seine Urgewalt unter und über dem Korb andere ausweislich besser. Steht er auf dem Feld, haben Tristan Thompson und der australische Terrier Matthew Dellavedova bessere Quoten. Fallen sie in ein Loch, springt der Altmeister in die Bresche. Niemand kann ihn wirklich aufhalten.

Stephen Curry

Curry ist von Spielanlage und Statur her das Kontrastprogramm: „nur“ 1,91 Meter groß, vergleichsweise spirgelig gebaut, leichtfüßig. Typ: Speedy Gonzales. Einer, der den gegnerischen Riesen Knoten in die Beine spielt. Am Ende der regulären Saison standen Golden State 67 Siege in 82 Spielen zu Buche. Ohne „Steph“ wären die „Krieger“ nie so weit gekommen.

Der 27-Jährige hält aktuell mit insgesamt 359 Treffern den Saison-Rekord bei Drei-Punkte-Würfen. Imposante Abgeklärtheit selbst unter extremsten Druck haben ihm den Titel des allerwertvollsten Spielers (MVP) eingebracht. Schon als Knirps legte der bis heute wegen seiner Milchgesichtszüge oft unterschätzte Curry in einem Spiel in Toronto 63 Punkte hin. Vater Dell, damals bei den Raptors NBA-Profi, konnte sich die „Hinrichtung nicht ansehen“. Curry Junior ist heute der beste Distanz-Schütze in der NBA. Im Training versenkt er, wenn die anderen längst duschen, schon mal 94 Dreier hintereinander - von insgesamt 100.

Basketball Nur wenige behandeln den Ball auch aus vollem Dribbling heraus so geschmeidig. Dazu kommt die Gabe, seine Mitspieler blitzschnell mit telepathischen Pässen in Szene zu setzen. Und ein Selbstvertrauen beim fast roboterhaft verlässlichen Abschluss, das selbst Trainer Steven Kerr, als Spieler ein einsam hervorragender Dreier-Werfer und fünffacher Titelträger, „jedes Mal sprachlos macht“. Curry ist der „American Sniper“ aller in der Oracle-Arena von Oakland orchestrierten Basketball-Kriege. Drückt er nicht selber ab, kriegen Barnes, Bogut, Green oder der wunderbar introvertierte Klay Thompson die Verantwortung. Curry hat ein Kollektiv um sich. LeBron James wird am Ende den Karren allein ziehen müssen. Je länger der letzte „Krieg“ der Saison dauert, desto größer die Chancen für die Warriors auf den ersten Titel seit 40 Jahren.