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Ballack fällt bei Bayer nur beim Wechsel auf

20.02.2011 | 19:31 Uhr
Ballack fällt bei Bayer nur beim Wechsel auf

Leverkusen.   Bayer Leverkusen hält dank Stefan Reinartz und Stefan Kießling als Tabellenzweiter Bayern München weiter auf Distanz, während die Lage für den VfB Stuttgart nach einem 2:4 bei Bayer immer bedrohlicher wird.

Eine Stunde und fünf Minuten waren zwischen Bayer Leverkusen und dem VfB Stuttgart gespielt, da geschah etwas, auf das kaum einer der 28 551 Zuschauer geachtet haben dürfte: Stuttgarts Timo Gebhardt kam für Shinji Okazaki auf den Platz. Dass Gebhardts Einwechslung vollkommen unterging und auch vom Stadionsprecher erst mit einiger Verzögerung bekannt gegeben wurde, hatte einen einfachen Grund: Wenige Meter entfernt betrat gleichzeitig Michael Ballack den Rasen.

Auf dem Platz fiel keiner von beiden groß auf, die Geschichte des Leverkusener 4:2 (2:1) über Stuttgart schrieben andere. Aber es sagt alles über Ballacks Stellenwert, dass sich Bayers Trainer Jupp Heynckes nach dem Sieg zu keinem anderen Spieler äußern musste. Fünfundzwanzig Minuten also gönnte Heynckes seinem Star dieses Mal. Ballack fiel nicht weiter auf, er blieb am Ball so vorsichtig wie in der Körpersprache zurückhaltend, und manchmal schien es so, als wollten seine Kollegen zeigen, dass sie nicht gerade auf die Rückkehr des Nationalmannschaftskapitäns gewartet hatten.

Kloppos Ahnen

So etwas würde Jupp Heynckes aber nicht auf seinem so lange verletzten Star sitzen lassen. 2:2 stand es, als Ballack – und neben ihm Lars Bender – aufs Feld kamen. Zu diesem Zeitpunkt war Stuttgart dem 3:2 näher als Bayer, und Heynckes hatte das Gefühl beschlichen, „handeln zu müssen“. Die Rechnung ging auf, und Heynckes, der Ballack zurecht noch nicht bei einhundert Prozent sieht, will an seinem Kurs des vorsichtigen Aufbaus festhalten. „Ich habe die Geduld“, sagte Heynckes, „ich hoffe, der Michael hat sie auch.“

Tatsächlich schrieben die Geschichte des Spiels andere. Stefan Kießling etwa, dem der Coach zuletzt ebenfalls eine Pause verordnet hatte. Nach sieben Minuten erzielte Kießling das 1:0, in der Nachspielzeit stocherte er den Ball zum 4:2 über die Linie, als Stuttgart alles nach vorne geworfen hatte. „Die Pause hat mir gut getan, ich spüre ja das grundsätzliche Vertrauen des Trainers“, sagte Kießling anschließend, und ein bisschen klang das wie eine versteckte Botschaft an einen prominenten Mitspieler.

Keeper Rene Adler war auch so ein Leverkusener, der die Geschichte der Partie hätte schreiben können. Hätten nicht Kießling zum 4:2 und vorher Stefan Reinartz nach einer Ecke mit dem Kopf zum vorentscheidenden 3:2 getroffen, wäre es wohl keine schöne Geschichte geworden.

Stuttgart spielte nämlich überhaupt nicht wie ein Team aus dem Tabellenkeller, die Elf des früheren Leverkusener Trainers Bruno Labbadia glich Kießlings frühes 1:0 durch Martin Harnik (16.) aus, sie steckte auch das 2:1 von Gonzalo Castro (41.) nach einem herrlichen Angriff über Simon Rolfes und Miroslav Kadlec weg und machte das 2:2 durch einen 25-Meter-Hammer von Zdravko Kuzmanovic sieben Minuten nach der Pause.

Dabei sah Rene Adler gar nicht gut aus. Noch wird es in Leverkusen höchstens hinter der vorgehaltenen Hand erzählt, aber Adlers Zauber ist ein bisschen verflogen. „Ich habe nach dem Schuss in die Gesichter der Jungs geschaut“, sagte Adler, „die sind davon ausgegangen,   dass ich den halte. Genau wie ich.“

So viel Ehrlichkeit konnte sich Adler immerhin leicht leisten. Bayer wackelte nach dem 2:2, es fiel aber nicht, weil Cacau nur den Pfosten traf und Reinartz und Kießling mit ihren Treffern den Sieg sicherten. „Nach einem 4:2 ist mir das Gegentor relativ wurscht“, sagte Adler.

Die Fußball-Kaiserin

Was bleibt? Bei Stefan Kießling die „feste Absicht, Platz zwei zu verteidigen“. Bei Bruno Labbadia das, was man nach einem guten Spiel und einer weiteren Niederlage so hört: den Sonntag abhaken, auf die Leistung aufbauen, in einer Woche von vorne anfangen. Hätte fast von Michael Ballack stammen können.

 

Klaus Wille

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