Ausgerechnet aus Dortmund
11.09.2008 | 13:20 Uhr 2008-09-11T13:20:00+0200
Dortmund. Schalkes 75.000. Mitglied Karola Rose ist in der Stadt des Erzrivalen zu Hause. Ihr Lebensgefährte ist Fan seit Kindesbeinen, aber kein Mitglied. Revier-Derby erleben sie im Spanien-Urlaub vor dem Fernseher
Es macht etwas stutzig: Das 75 000. Mitglied des FC Schalke 04 kommt aus der Stadt des Erzrivalen. Und plötzlich - auch deshalb - ist Karola Rose aus Lütgendortmund ein bisschen berühmt und muss Medien-Rummel ertragen. Für kurze Zeit. Hier ein Interview, dort eines, Schalke-TV will etwas - und und und. Davon ist sie überrascht worden? "Jaaa", sagt sie. "Es ist doch gar nicht so mein Ding, im Mittelpunkt zu stehen."
Das muss die 55-jährige Sekretärin auch gar nicht so sehr, sie hat ja ihren Dieter, Nachname Bollwahn - und der kommt aus Wanne-Eickel. Auf seinem Auto ist der Schalke-Aufkleber längst nicht so außergewöhnlich wie auf dem seiner Lebensgefährtin, die doch eigentlich nur Schalke-Mitglied geworden ist, um leichter an Karten für Heimspiele zu kommen. Es gibt aber auch die Dieter-Bollwahn-Variante: "Ich glaube, das ist so ein bisschen Liebe gewesen."
Karola Roses Liebe zu Dieter Bollwahn jedenfalls sorgte dafür, dass sie trotz der hohen BVB-Sympathiewerte in der Familie auch ihre Liebe für Schalke 04 entdeckte. Obwohl sie auf den feinen Unterschied unbedingt hinweisen will. "Dieter ist ein 1000-prozentiger Schalker", sagt sie. "Der Verein hat große Wirkung auf sein Inneres." Und sie? "Ich bin der realistische Fan. Spielen die blöd, sage ich das auch. Aber bei Dieter bleibt der Enthusiasmus. Ich bin dann blöd und habe keine Ahnung." Es ist aber nicht so, dass sie deshalb böse wird.
Dieter Bollwahn lacht, er trägt ein Schalke-Trikot, seine Karola nur ein Armband, das dank der Aufschrift "Blau und Weiß - ein Leben lang" eher ein Schalker Herzband ist. Und für den 58-Jährigen, der 37 Jahre für die Wanner Traditionsfirma Heitkamp gearbeitet hat und inzwischen beim Studentenwerk Dortmund beschäftigt ist, ist der Schalke schon seit mehr als 50 Jahren eine Herzensangelegenheit: Die bislang letzte Deutsche Meisterschaft 1958, das 3:0 von Hannover gegen den Hamburger SV, hat er am Radio verfolgt; beim ersten Schalker Bundesliga-Spiel 1963 gegen den VfB Stuttgart, als Willi Koslowski und Waldemar Gerhardt zum 2:0-Sieg trafen, ist er zu Fuß von Wanne-Eickel in die Glückauf-Kampfahn gegangen.
"Ich war damals schon fasziniert", sagt er. Geändert hat sich an diesem Zustand nichts. Und das liegt vor allem auch am Mythos Schalke. "Fans trifft man auf der ganzen Welt", sagt Karola Rose, die auch ihr zweites Hobby, das Reisen, mit Dieter Bollwahn teilt. Der erste Weg, sagen sie, führe sie in ihrem Urlaubsort immer ins dortige Fußball-Stadion. Das ist Genuss. Wenn's um Frust geht, braucht zumindest Dieter Bollwahn auch Schalker Hilfe. So ist er auch regelmäßiger Gast beim Training "Ich fahre mit dem Fahrrad hin, laufe zwei Stunden rum, und dann geht's mir besser", sagt er.
Die Vorbereitung aufs Revierderby hat er aber nicht genau beobachten können. Wenn am Samstag die Partie zwischen dem BVB und Schalke angepfiffen wird, zittern Karola Rose und Dieter Bollwahn vor einem Fernseh-Gerät in Spanien. Urlaub, der war nicht anders zu legen. "2:0. Für Schalke", sagt Schalkes Nummer 75 000, deren Lieblings-Spieler die Nummern 1 und 14 tragen: Manuel Neuer und Gerald Asamoah. "1:1", sagt der Schalker ohne Mitglieds-Nummer. Das sei schon okay so, genau wie eine Wiederholung des dritten Platzes in der Bundesliga. Mehr nicht? "Die Qualifikation für die Champions League wäre schon schön", sagt Dieter Bollwahn. "Aber wissen Sie: Ich bin dreimal abgestiegen. Das ist viel schlimmer, als nicht Deutscher Meister zu werden."

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