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Aus der Keksfabrik in die erfolgreiche Zukunft

24.01.2015 | 00:11 Uhr

Doha. Schon früh am Morgen setzte Dagur Sigurdsson eine persönliche Bestmarke. Elf Kilometer lief er am Freitag nach dem Aufstehen. „Weltrekord“, sagte der Isländer mit einem Schmunzeln, „das hilft, um fit zu sein. Man muss das schöne Wetter nutzen und sich bewegen.“ Der Mann, der bei der Weltmeisterschaft in Katar für das neue deutsche Handball-Hoch verantwortlich ist, lebt seinen Spielern Disziplin vor. „Er ist ein Vorbild für die Truppe“, meinte Teammanager Oliver Roggisch.

Die deutschen Handballer haben in der Vorrunde der WM für Furore gesorgt - und Sigurdsson ist dafür verantwortlich. Die Führung des Deutschen Handballbundes (DHB) ist davon beeindruckt, die Fans sind verzaubert. Doch eine Überhöhung, wie einst bei Trainer Vlado Stenzel als „Magier“ nach dem WM-Sieg 1978, hält Verbandschef Bernhard Bauer nicht mehr für zeitgemäß. „Die Zeiten der Magier sind längst vorüber. Selbst Zauberer im Varieté werden sagen, dass das harte Handarbeit ist. Er ist ein genialer Handwerker, aber er ist mit Sicherheit kein Zauberer.“

Lehre mit Taktiktafel

Sigurdssons Markenzeichen ist die Taktiktafel. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet der Isländer mit dem blauen Brett, auf dem er rote, gelbe und blaue Magneten für die Spieler hin- und herschiebt, um seine Spielideen zu verdeutlichen. Die Tafel hat er vom Handball-Funktionär Roland Frühstück geschenkt bekommen, als er Spielertrainer beim österreichischen Klub A1 Bregenz war. Das Utensil hat sich bewährt. „Wenn man einen Verein trainiert, sprechen nicht alle gleich gut deutsch. Da ist es einfacher, wenn man etwas zeigen kann“, so Sigurdsson, „ich kann aber auch ohne.“

In der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft hat der frühere Nationalspieler mit seiner Auswahl einen Trainings- und Testspieltrip in seine Heimat unternommen. Die Mannschaft wohnte in einer ehemaligen Keksfabrik, die Sigurdsson als Hostel namens Kex als Mitinhaber betreibt. „Zwei Sorten von Urlaubern werden im „Kex Hostel“ eine Überraschung erleben: Inselbesucher mit kleinem Geldbeutel und Mumpitzliebhaber“, schrieb einst das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“. Die Nationalspieler übernachteten im Schlafsaal mit Doppelstockbetten.

Und um ungewöhnliche Ideen für seine Mannen ist der Trainer auch nicht verlegen. Nach einem rustikalen Pizzaessen und etwas Rotwein kam der künstlerische Teil. Mit Hilfe eines Schauspielers wurde „Romeo und Julia“ einstudiert, mit einer Tänzerin Tanzeinlagen a la Beyonce geübt sowie mit einem Musiker ein Lied komponiert. „Das war ein Teambuilding, wie ich es noch nie erlebt habe“, berichtete Oliver Roggisch.

Die Spieler sind begeistert von Sigurdsson. Manche nennen ihn wortkarg, andere prägnant. „Er ist ein introvertierter Typ, er bringt keine Hektik rein. Er ist immer cool. Das ist wichtig vor allem für die jungen Spieler“, erzählte Torhüter Carsten Lichtlein. Sein Kollege Silvio Heinevetter, der den Isländer bis Saisonende auch noch als Klubtrainer bei den Füchsen Berlin hat, ließ sich nur wenig entlocken. „Man kann mit ihm Spaß haben, aber man muss erst die Sachen abarbeiten, die abzuarbeiten sind“, sagte der Schlussmann.

Gegenseitiges Vertrauen

Sigurdsson gibt seinen Spielern viel Freiraum. Er macht keine Vorgaben, wer wann wohin gehen darf oder er im Hotel sein muss. „Der Trainer vertraut der Mannschaft“, sagte Roggisch, „und die Mannschaft vertraut ihm.“ So kann der Isländer sorglos laufen gehen.

Martin Kloth

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2015-01-24 00:11
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