Aufgabe erfüllt, weiter so

Dortmund..  Sollte bei Borussia Dortmund schon jemand nach einem Song suchen, mit dem sich die heiteren und furchtbaren – Schwarzgelb mischt das ja gern – Szenen der Saison im Zusammenschnitt untermalen lassen: Es bietet sich „Oops! I Did It Again“ von Pop-Philosophin Britney Spears an. Grob übersetzt bedeutet das: Verdammte Hacke, ich hab’s schon wieder getan. Und wenn der BVB in dieser Spielzeit, vor der die Ambitionen hoch flogen und in der am Ende im besten Fall eine Bauchlandung herausspringen kann, zu etwas neigt, dann doch zur Wiederholung, zum Schreiben von Geschichten, die der Fußball manchmal verfasst, mit denen er aber gewöhnlich nicht in Serie geht.

Jürgen Klopp sprach nach dem 4:2-Sieg gegen die Mainzer im eigenen Stadion von „Prüfungen, die wir bestehen müssen“. Dass der Trainer mit dieser Diktion ein wenig ins Alttestamentarische lappte (übel gelauntes Schicksal), lässt sich mit einer Szene aus der 57. Sekunde erklären. Mainz brachte den Ball irgendwie in den Strafraum des BVB, Innenverteidiger Neven Subotic verteidigte innen nicht gut, Torhüter Roman Weidenfeller stürmte allerdings raus, faustete, klärte, drehte ab – und musste miterleben, wie der gewiefte Elkin Soto von weit links außen mit einem extrafeinen Schuss ein Traumtor beziehungsweise Alptraumtor erzielte.

Erstmals einen Rückstand gedreht

Blöde Gegentore auch minderer ästhetischer Qualität hatten die Dortmunder schon zuvor reichlich kassiert. Und elf Mal haben sie dabei nach Rückständen nicht zurückgeschlagen, sondern ihre insgesamt elf Niederlagen eingesammelt. Diesmal hatte Ilkay Gündogan bereits auf dem Rasen „das Gefühl, das es ein bisschen anders war“ als sonst. Die Borussia knickte nämlich nicht ein wie ein vom 30-Tonner gerammter Laternenpfahl. Sie startete selbst den Motor, machte mächtig Druck und verbreitete sogar spielerischen Glanz.

Anschließend wurde der Mann gefeiert, der nach dem Ausgleich von Subotic (49. Minute) das 2:1 besorgte (55.) und dem Kollegen Pierre-Emerick Aubameyang das 3:2 (71.) mit formidablem Pass auflegte. Marco Reus, der unter der Woche seine Vertragslaufzeit bis ins Jahr 2019 ausgedehnt und deshalb auch in einer Rolle gepunktet hatte, mit der er selbst sicher fremdeln würde: der Rolle des Spiritus Rector, des anführenden, inspirierenden Geistes. Reus mochte nach dem Erfolg, der Dortmund erstmals seit dem 14. Spieltag aus der Abstiegszone befreite, wie immer nicht viel reden. 4:2-Schütze Nuri Sahin (78., zwischenzeitlich hatte Yunus Mali ein 2:2 hergestellt, 56.) übernahm das. Er erklärte schlicht: „Wir brauchen ihn“ – und meinte Reus, um den herum sich schon die Diskussion entfaltet hatte, dass das geschätzte Acht-Millionen-Gehalt, das er beziehen soll, im Ensemble Missgunst erzeugen könnte.

Bis auf Mats Hummels, der vergrippt auf einen Einsatz verzichten musste, und Aubameyang dürften aktuell jedoch wenige Akteure des BVB bei anderen Klubs in diese ökonomischen Regionen vordringen können. Vielleicht demnächst Aubameyang. Dass Kasper Hjulmand bei seiner Analyse des 3:2 von einer „Weltklasseaktion“ berichtete, wurde zwar meist etwas einseitig interpretiert. Der Mainz-Coach meinte aber: die Zusammenarbeit von Reus und Aubameyang. Er meinte: beide.

Zu selten im Sturmzentrum

Bei der Rückschau auf die „wenigen Fehler“ (Klopp in der Winterpause), die man in der schlimmen Hinrunde begangenen habe, könnte dies ein Thema werden: dass der Gabuner, für den wettbewerbsübergreifend (inklusive Supercup) 14 Treffer und neun Vorbereitungen zu Buche stehen, häufig nicht wie beim 3:0 in Freiburg und beim 4:2 gegen Mainz in der Sturmzentrale positioniert wurde. Im noch einmal wahrscheinlicher gewordenen Fall des Klassenerhaltes wäre das dann nicht mehr wichtig.

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