Auf dem Weg zum echten Van-Gaal-Team

London..  Nur ein Tag Pause nach den Spielen am „Boxing Day“ und dazu noch ein Frühaufsteher-Anstoß um 12 Uhr mittags, zwanzig Minuten bevor der erste planmäßige Zug aus Manchester in der Hauptstadt ankam: Kein Wunder, dass Man-United-Coach Louis van Gaal sich vor dem 0:0 bei Tottenham Hotspur ein weiteres Mal über die britische Vorstellung von fröhlichen Weihnachten ärgern musste. „Laut Fifa- und Uefa-Regeln ist es verboten, innerhalb von 48 Stunden zu spielen“, grantelte der Niederländer, „aber in England ist es in Ordnung.“

Es sei unmöglich, sich in der kurzen Zeit angemessen auf den nächsten Gegner vorzubereiten. Vielleicht ist das momentan aber auch gar nicht so wichtig, weil sich das im Sommer für 200 Millionen Euro generalüberholte Team (Platz sieben in der Saison 2013/14) nach schwierigem Start wieder auf die traditionelle Offensivstärke verlassen kann. Eine unveränderte Aufstellung nach dem 3:1-Sieg gegen Newcastle am vergangenen Freitag – trotz hoher Belastung – zeugte von der Rückkehr des Selbstbewusstseins. Das hatte es zuletzt vor über zwei Jahren gegeben, als noch Alex Ferguson auf der Bank saß.

Kritik an Belastung der Spieler

Sieben von acht Partien hatten die Red Devils vor dem torlosen Unentschieden in den vergangenen Wochen gewonnen, obwohl von den Van-Gaal’schen Fußball-Prinzipien (Ballbesitz, Positionsspiel) in der laufenden Saison noch recht wenig zu sehen ist. Sein United verzichtet auf Kontrolle in der Zentrale und spielt dafür lieber mit zwei ganz nach vorne ausgerichteten Flügelläufern vor der Dreierkette und zweieinhalb famosen Spitzen: Robin van Persie und der Kolumbianer Radamel Falcao, Wayne Rooney dahinter.

Das Remis dürfte fürs Erste die unrealistische Diskussion über Uniteds möglichen Gewinn der Meisterschaft beenden, van Gaal ist das gar nicht mal so unrecht. „Ich habe den Spielern gesagt, wenn man diese Art von Spiel nicht gewinnen kann, wenn man die bessere Mannschaft ist, ist es sehr schwierig, die Liga zu gewinnen.“ Ausdrücklich wehrte er sich gegen den Eindruck, dass sein United den teuersten Hurra-Fußball der Welt praktiziere, ohne Konzept für die Arbeit nach hinten: „Wir haben jetzt sechs Mal zu Null gespielt, also stimmt es nicht, was die Leute schreiben.“ Richtig zufrieden mit den Fortschritten bei den Renovierungsarbeiten im Old Trafford ist er trotz Platz drei mit 36 Punkten nicht. „2015 werden wir besser, dass kann ich versprechen“, lautete der Vorsatz des Niederländers fürs neue Jahr.