Auch das Auswärtstrikot spendet keine Energie

Hagen..  Der Sprungwurf war schulbuchmäßig, ohne Ringberührung rauschte der Ball durchs Korbnetz. Diese drei Punkte allerdings blieben Basketball-Bundesligist Artland Dragons versagt, Tyron McCoy hatte in einer Spielpause aus der Coaching-Zone getroffen. Der Gäste-Trainer war damit aber beispielgebend für sein Team. Mehr als die Hälfte aller Distanzwürfe trafen die Quakenbrücker, gleich drei Spieler blieben ohne Fehlversuch. Ein zentraler Grund für den 91:79 (41:39)-Sieg der Drachen bei Phoenix Hagen. „Artland hat große Qualitäten von der Dreierlinie, das hat das Team heute gezeigt“, sagte Phoenix-Coach Ingo Freyer und räumte nach der bereits neunten Heimniederlage ein: „Wir hatten von Beginn an nicht den Energie-Level, den wir brauchen, um zu gewinnen.“ Mit der nötigen Energie hätte das ungeachtet der Dreierstärke der Gäste klappen können.

Im ungewohnten Auswärts-Look hatten die Gastgeber versucht, dem sich ausweitenden Heimkomplex zu begegnen. Die blauen Trikots, in denen Phoenix schon fünf der bislang sieben Siege in der Fremde erstritten hatte, sollten helfen. „Sportler sind ja abergläubisch“, erklärte Geschäftsführer Oliver Herkelmann später: „Deshalb haben wir sie gefragt, ob wir mal die Trikotfarbe wechseln sollen.“ Die in Blau gewohnte Intensität und Aggressivität retteten die Phoenix-Spieler allerdings nicht mit hinüber. Beim 6:2 (3. Minute), zu dem maßgeblich der schnelle Zamal Nixon (mit 22 Punkten bester Werfer der Hagener) beitrug, führten die Gastgeber zwar schnell. Dann jedoch fielen die ersten Dragons-Dreier durch Brandon Thomas und Dennis Horner (8:12, 5.), am Korb setzte sich der starke Andreas Seiferth immer wieder durch. Sowohl Dino Gregory als auch Urule Igbavboa sahen gegen den Artland-Center kein Land. Und Freyer vermisste robuste Gegenwehr: „Da muss man mal richtig foulen, damit setzt man ein Zeichen.“

Sechs Minuten ohne Feldkorb

Eine 7:0-Serie und viel Tempo brachte Phoenix die Führung zwischenzeitlich zurück (23:18, 9.), dann aber blieb man fast sechs Minuten ohne Feldkorb, agierte überhastet. Erst nach dem 25:31 traf Keith Ramsey per Fastbreak-Dunking (16.). Und dem in Göttingen so starken David Bell gelang nur ein Dreier zum 34:37 (18.), gemeinsam mit Nixon ließ er die Phoenix-Fans angesichts des nur knappen Pausen-Rückstands noch hoffen.

Dank Nixon führten die Hagener beim 46:45 (23.) sogar noch einmal, doch ihre Fehlerquote stieg nun weiter. Die Gäste dagegen trafen aus der Distanz nun in Serie. Noch einmal wehrte sich Phoenix vor allem durch den agilen Ramsey. Zum 65:71 (32.) hatte er nach Ballgewinn getroffen, ein weiterer Steal Ramseys bot Bell die Chance zur weiteren Verkürzung. Doch der Kapitän verpasste den Fastbreak-Korbleger, auf der Gegenseite traf dagegen Chad Toppert den Dreier gegen die entblößte Phoenix-Abwehr - symptomatisch an diesem Abend.

Es war für die Gastgeber der Anfang vom Ende, eine 0:17-Serie später (65:88, 36.) hatten sich die Dragons für die Hinspielniederlage vor wenigen Wochen eindrucksvoll revanchiert.