Applaus für die frohe Botschaft

Dortmund..  Es ist das Heimspiel nach dem Heimspiel, bei dem der Wind plötzlich stramm aus Richtung Südkurve wehte, mitten hinein in die ohnehin nicht fröhlichen Gesichter der von Unmutsäußerungen ihrer Fans bis dahin weitgehend verschonten Dortmunder Spieler. Im Nachhinein kann festgehalten werden: Es hat ihnen zumindest nicht grob geschadet, dass die treuesten aller Anhänger es satt hatten, dass sie nach diesem 0:1 gegen den FC Augsburg nicht mehr dazu bereit waren, im Stile besorgter Pädagogen mentale Aufbauhilfe zu leisten. Der schmerzlichen Niederlage und den schmerzlichen Pfiffen ließ der BVB einen blitzsauberen 3:0-Sieg beim SC Freiburg folgen. Die nächste Aufgabe: Am Freitag gegen Mainz (20.30 Uhr) die mehr als 80 000 Anhänger im eigenen Riesenstadion auf keinen Fall noch einmal enttäuschen.

Auch diese neue Situation kann als zusätzlicher Druck empfunden werden. Lange, sehr lange unterstützten die schwarz-gelben Sympathisanten ihre taumelnde Mannschaft vorbehaltlos. Jetzt haben sie gezeigt: Wir können auch anders. Doch in dieser kurzen Phase zwischen dem größten Frusterlebnis in einer an Frusterlebnissen superreichen Saison ist einiges passiert, was die Nervenkostüme beim BVB straffen helfen könnte. Der Sieg im Breisgau. Vor allem aber die Verkündung der Vertragsverlängerung von Marco Reus als frohe Botschaft. Jürgen Klopp berichtete am Mittwoch, dass seine Spieler dem Angreifer mit Weltreputation, der sich dem abstiegsbedrohten Klub bis ins Jahr 2019 hinein verpflichtet hat, in der Kabine applaudiert hätten. Ob er selbst beteiligt war, ließ der Trainer offen. Er sagte aber nicht nur, dass er sich gefreut habe, er erläuterte auch, welchen Wert der Zeitpunkt der Unterschrift des 25-Jährigen unter dem neuen Kontrakt für ihn hat. „Froh über ein so frühzeitig wichtiges Zeichen für uns alle“, sei er, so Klopp.

Tatsächlich war es ja ungewöhnlich, dass Reus die Entscheidung über Bleiben oder Gehen nicht ein paar Wochen vor sich her geschoben hatte. Schaun mer mal, wie es dann aussieht, schaun mer mal, ob wir nicht doch der Zweitklassigkeit allzu gefährlich nahe kommen. Weil Reus so nicht dachte, weil er gegengezeichnet hat ohne Ausstiegsklausel und mit Gültigkeit auch für Liga zwei, ist das Signal von solcher Leuchtkraft. Der Profi selbst, der in den vergangenen Monaten mit allen Großklubs in Verbindung gebracht worden war, die nicht als zahlungsunfähig gelten, habe anschließend „sehr gelöst gewirkt, sehr frei“, erzählte der Trainer. Das wäre dann schon einmal ein bedeutender Kopf, der sich nicht mehr bedrohlich senkt. Für die anderen Köpfe hofft Klopp, „dass man das gegen Mainz auch spürt, dass wir alle an eine erfolgreiche Zukunft glauben“.

Auf Sven Bender und Sebastian Kehl, die erst Anfang nächster Woche ins Teamtraining zurückkehren, sowie auf Erik Durm, der fiebernd im Bett liegt, und Jakub Blaszczykowski, der an einer Entzündung der Nasennebenhöhlen leidet, wird der Trainer gegen seinen Ex-Klub nicht zurückgreifen können. Der Rest der Glaubensgemeinschaft steht gegen einen Kontrahenten, der ebenfalls schwierige Tage hinter sich hat, zur Verfügung. „Zwei Spiele“, so Klopp, „haben wir selten in Folge gewonnen. Das heißt aber nicht, dass es nicht mehr möglich ist.“

Zwei Spiele in Folge gewonnen? Das geschah zuletzt an Spieltag zwei und drei. Damals konnte niemand ahnen, dass irgendwann dieser Satz fallen würde, gesprochen vom Trainer Borussia Dortmunds: „Wir müssen wieder dafür sorgen, dass es Grund gibt, uns frenetisch zu applaudieren.“ Aber: andere Zeiten, andere Bitten.