Ammann schwer gestürzt

Bischofshofen..  Einmal bei dieser 63. Vierschanzentournee durfte mit Richard Freitag ein deutscher Skispringer mit dem Triumph in Innsbruck die Hauptrolle spielen. Doch als der Skisprung-Grand-Slam am Dreikönigstag in Bischofshofen entschieden wurde, waren sie wieder nur Nebendarsteller bei der großen Flugshow von Gastgeber Österreich. Das „fliegende Doppelzimmer“ mit Stefan Kraft und Michael Hayböck lieferte sich vor 25 000 begeisterten Fans ein dramatisches Duell um den nun schon siebten Austria-Tourneesieg in Serie.

Stabiler Zustand bei Ammann

Überschattet wurde die finale Flugshow vom schweren Sturz des viermaligen Olympiasiegers Simon Ammann aus der Schweiz, der ins Krankenhaus gebracht wurde. Der Sturz sah dramatisch aus, aber Ammann war beim Transport ins Krankenhaus bei Bewusstsein und in stabilem Zustand. Schon am Vortag war der US-Amerikaner Nicholas Fairall schwer gestürzt. Er musste nach einer Wirbelsäulenverletzung notoperiert werden.

Zwei traurige Nachrichten bei der grandiosen Flugshow des „fliegenden Doppelzimmers“.

Erst der letzte Sprung dieser Tournee entschied, und am Ende konnten die beiden Freunde an ihrer Heimschanze jubeln und ritten auf den Schultern ihrer Teamkollegen durch die Arena. Der 21 Jahre junge Bayern-Fan Kraft rettete sechs Punkte Vorsprung auf seinen Kollegen ins Ziel und erhielt den goldenen Adler für den Tourneesieg. Michael Hayböck freute sich über den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere und die Spitze im Gesamtweltcup. „Es ist genial, wie im Märchen. Genauso haben wir es beide ausgemacht. Jetzt kann das Doppelzimmer zusammen feiern“, jubelte Kraft.

Kein Grund zum Jubeln hatten die deutschen Flieger, die die anvisierten Podestplätze verpassten. Zwei Tage nach dem ersten deutschen Tournee-Tagessieg seit zwölf Jahren landete Richard Freitag sowohl im Einzel- als auch Tourneer-Gesamtresultat auf Platz sechs. Dem als Sieganwärter angetretenen Severin Freund blieb zweimal Position acht. „Wir haben uns mehr vorgenommen, aber unser Jahr wird schon noch kommen“, meinte Freund.

Sven Hannawald, der vor 13 Jahren den letzten deutschen Gesamtsieg gefeiert hatte, zog eine gemischte Bilanz: „Das war wieder einmal eine Erfahrungstournee mit dem positiven Effekt, dass die deutschen Springer diesmal endlich einen Tagessieg erreicht haben.“

Das von Bundestrainer Werner Schuster offensiv angekündigte Ende der Misserfolgs-Serie war schon nach dem schlechtesten deutschen Tournee-Auftakt in Oberstdorf außer Reichweite geraten. „Das war eine schwierige Tournee“, räumte der Chefcoach ein. Wie in den Jahren zuvor dominierte „Felix Austria“, für die wieder zwei Nobodys die große Bühne eroberten. Beim großen Finale standen die Familien Kraft und Hayböck einträchtig zusammen im brodelnden Zielraum und erlebten ein Duell bis zum letzten Sprung.

Richard Freitag auf Platz sechs

21,3 Punkte Vorsprung hatte Kraft mit in das letzte der vier Springen genommen, das mit einer extrem kurzen Anlauflänge gesprungen wurde. Hayböck erwischte im ersten Durchgang einen Traumflug auf 137,5 Meter und verkürzte den Rückstand auf 13,6 Zähler. Beide marschierten im Gleichschritt zusammen zum letzten Sprung nach oben und dann wurde Kraft „doch noch ein bisschen nervös“. Doch es reichte: Als zweiter Salzburger Springer holte er sich den Tourneesieg nach Premierengewinner Josef Bradl (1953), nach dem das Stadion in Bischofshofen benannt ist.