Am Ende geht Iserlohn in die Knie

Ingolstadt..  Die mitgereisten Fans recken ihre Schals in die Höhe und besingen und beklatschen ihre Mannschaft. Doch die Iserlohn Roosters wollen in diesem Moment nur eins: in ihrer Kabine verschwinden. 6:1 – so leuchtet das Ergebnis vom Videowürfen unter dem Hallendach der Saturn-Arena. Mit dieser deutlichen Niederlage scheiden die Roosters aus den Play-offs der Deutschen Eishockey Liga aus, während der Gastgeber ERC Ingolstadt in das Halbfinale gegen die Düsseldorfer EG einzieht – und sich ausgiebig feiert.

Den lang ersehnten Moment, in dem sich ihnen die Chance zur Revanche bietet, nutzen die Ingolstädter Fans bereits viel früher. „Laaange, Laaange, Laaange“, höhnen sie von der Tribüne unmittelbar hinter Mathias Lange. Trotz seines blauen Helmes, trotz der lauten Musik, die nach jedem Torerfolg aus den Boxen wummert, und dem Jubel im Rest der Arena muss der Torwart der Roosters die Rufe seines Namens hören. Sie sind eine Replik darauf, dass in Iserlohn stets die gesamte Eishalle am Seilersee von den „Tiiiiimoo, Tiiimoo“-Rufen ausgefüllt wird, um Ingolstadts Goalie Timo Pielmeier zu verunsichern.

Verbale Revanche

Der Patzer, den sich Mathias Lange in dieser 11. Minute leistet, bietet aber nicht nur dem ERC-Anhang die Chance zur verbalen Revanche. Lange, der 29-jährige österreichische Nationaltorwart, sieht den Verlegenheitsschuss von Alexandre Picard und reißt seine Fang-Hand hoch. Eine leichte Beute für einen Mann wie ihn, denken viele. Doch die Scheibe fliegt an seiner Hand vorbei ins Netz – der amtierende deutsche Meister darf den Ausgleich zum 1:1 bejubeln.

Natürlich trägt der junge Vater, sein Sohn wurde erst vor wenigen Tagen geboren, deshalb nicht die alleinige Schuld am bitteren Aus der Sauerländer, die entkräftet und weniger fokussiert wirken, aber dieser Ausgleichstreffer schockiert die Roosters nach dem frühen Führungstreffer von Cody Sylvester in der 4. Minute. „Die zwei Gegentore haben uns die Luft genommen“, sagt Co-Trainer Jamie Bartman in der zweiten Drittelpause.

Schließlich gilt das Duell Lange vs. Pielmeier vom Beginn der Serie an als eines der entscheidenden. Als eines der brisantesten in diesem Duell zweier Mannschaften auf Augenhöhe.

Deshalb machen Trainer Jari Pasanen und Co. nach dem vierten Spiel in Ingolstadt auch ein Geheimnis um die Verletzung ihres Torwarts Nummer 1, als gehe es um den heiligen Eishockey-Gral. Niemand soll vorhersagen können, ob die Saison für Lange beendet ist oder ob er zurückkehren wird, um im Kampf um den Einzug in das Halbfinale die entscheidenden Paraden zu zeigen. „Es sieht nicht gut aus“, sagt die Nummer 24 der Roosters nur knapp, als er am Knie bandagiert nach den Spielen fünf und sechs aus der Kabine humpelt. Weil sein Ersatzmann Daniar Dshunussow jedoch nicht vom Puck-Glück verfolgt wird, steht Lange im sechsten Aufeinandertreffen wieder zwischen den Pfosten („Ich wollte versuchen, der Mannschaft zu helfen. Geholfen hat es nicht.“). Und leistet sich Fehler, während Pielmeier bärenstark hält. Beim Gegentreffer zum 1:2 durch Brandon Buck (20.) sieht er ebenfalls nicht gut aus, während er beim 1:3 durch Benedikt Kohl (22.) chancenlos ist. Anschließend sorgt er mit seinen Paraden dafür, dass die Hoffnung auf eine Rückkehr der Roosters bis zur 50. Minute keimt. Erst als Christoph Gawlik auf 4:1 erhöht, steht das Saisonende fest. „Wir haben die Serie nicht heute verloren, sondern in Spiel 3 oder 5, da waren wir näher dran“, hält der enttäuschte Torwart fest. „Das Knie ist nicht da, wo es sein soll. Wir haben mich fitgespritzt. Das ist nicht ideal.“ Und auch das Geheimnis seiner Verletzung ist gelüftet: Eine Innenband-Dehnung und Meniskusverletzung bremste ihn aus.

Mannschaft für die neue Saison

Nach der Saison ist vor der Saison: Für Pasanen und Manager Karsten Mende wird es in den kommenden Tagen darum gehen, die Mannschaft für die neue Spielzeit aufzustellen. Und mit ein bisschen Abstand werden sie auch eine grandiose Saison feiern, die Roosters. Mit ihren Fans.