Alte Liebe

Es ist erst wenige Wochen her, da brachte es Otto Fischer in Russland durch seine Leidenschaft für Spartak Moskau zu einiger Bekanntheit. Denn für das Derby gegen Dynamo reiste er extra aus seiner Heimatstadt Tscheljabinsk in die Hauptstadt. Zu überwinden hatte er dabei schlappe 1800 Kilometer und insgesamt vier Zeitzonen, was an sich schon allerhand ist, was aber erst recht verrückt wirkt, wenn man weiß, dass Fischer bereits 102 Jahre alt ist.

Als die Spartak-Verantwortlichen davon erfuhren, bereiteten sie Fischer einen tollen Empfang. Er bekam eine Stadionführung und schließlich durfte er die Partie aus einer VIP-Loge verfolgen.

Natürlich wurde auch im Fernsehen über den „Opa-Fan“ berichtet - sehr zu dessen Leidwesen. Denn kaum zurück in seiner Heimat ging er einem angeblichen Sozialarbeiter auf den Leim. Der hatte die Berichterstattung im Fernsehen verfolgt, gab sich nun als Freund aus - und erleichterte den armen Mann um seine kompletten Ersparnisse.

Nun zahlte sich freilich aus, dass Fischer bei seiner Reise viele Freunde gewonnen hatte. Denn prompt legten Fanklubs, Spieler und Vorstandsmitglieder zusammen und brachten so 500 000 Rubel für Fischer auf, die dessen Leid vorerst mindern sollen.

In den vergangenen Tagen stellten sich viele Fans die Frage, wie Fischer an sein Geld kommen soll. Doch da unterschätzten sie dessen Leidenschaft. Natürlich (!) wird der sich in wenigen Tagen wieder in den Zug schwingen, um nach Moskau zu reisen. Das Geld spielt dabei freilich nur eine untergeordnete Rolle. Ihn interessiert viel mehr die Partie gegen Kuban Krasnodar, bei der er live dabei sein möchte, immer gemäß seinem Motto: „Es ist besser etwas einmal zu sehen, als 100 Mal davon zu hören.“ Alte (Fußball-)Liebe rostet eben nicht.

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