Alles muss gut sein

Sepang..  Geplant ist eine Talkrunde zum Großen Preis von Malaysia am Sonntag (9 Uhr MESZ/RTL und Sky). Doch Fernando Alonso, der Spät-Starter in diese Formel-1-Saison, befindet sich im Mantra-Modus. So hartnäckig der Pilot auch nach seinem schweren Test-Unfall gefragt wird, immerhin eine knappe halbe Stunde lang, so ausweichend antwortet er. „Ich bin glücklich, hier zu sein“, sagt der Spanier, und danach sagt er: „Ich bin glücklich, hier zu sein.“ Und am Ende behauptet er dann, dass er einer der „glücklichsten Menschen auf der Welt“ sei. Allerdings geht sein Gesichtsausdruck nicht immer ganz synchron mit seiner Verklärung der Rennwelt. Und die Fakten wirken wenig beruhigend, wenn er jetzt wieder in seinen McLaren-Honda steigt, mit dem er vor fünf Wochen verunglückte.

Denn immer noch ist unklar, was die Ursache für den Crash war. Außer, dass die Lenkung blockiert hat. Der 33-Jährige, für den der Teamwechsel von Ferrari nach England die letzte Chance bedeutet, in den nächsten Jahren doch noch seinen dritten Weltmeistertitel einzufahren, verstrickt sich in Widersprüche. Am Ende, als mehr Fragen als Antworten aufgeworfen sind, ist zumindest klar: McLaren tappt im Dunkeln, und hinter der Fassade aus Gelassenheit bei Alonso müssen Zweifel wohnen.

Einschlag in Betonmauer

Am 22. Februar, beim Abschluss der zweiten Testwoche vor der Saison, war der MP 4/30 zwischen Kurve drei und vier auf dem Circuit de Catalunya urplötzlich rechts von der Strecke abgebogen und in einer Betonmauer eingeschlagen. Alonso wurde mit dem Helikopter auf die Intensivstation eines Krankenhauses geflogen. Aus der geplanten einen Nacht wurden drei, und danach sprachen die Ärzte ein Fahrverbot aus – nach der Gehirnerschütterung hätte bei einem weiteren Unfall das Risiko schwerer Hirnschädigungen bestanden. Der Neustart musste auf dieses Wochenende verschoben werden.

Erklärungen gab es trotz der Analyse der Blackbox keine, Deutungen viele – die Bewusstlosigkeit des Fahrers sei vielleicht durch einen Stromschlag ausgelöst worden, vielleicht durch giftige Batteriedämpfe. Am Donnerstag sitzt Alonso in Sepang und versucht, mit ein paar Mythen aufzuräumen. Zum Beispiel mit denen zu seiner Amnesie: „Ich bin weder im Jahr 1995 aufgewacht, noch habe ich Italienisch gesprochen. Ich war überhaupt nicht bewusstlos im Auto, erst später, nachdem man mir für den Hubschrauberflug Medikamente gegeben hatte.“ Er könne sich an alles erinnern, auch daran, wie er nach dem Aufprall alles im Cockpit ordnungsgemäß ausgeschaltet habe.

Nur eben eines weiß er nicht: Wie es überhaupt zu dem Unfall kommen konnte.

Rennfahrer haben eine besondere Beziehung zu Unfällen. Die müssen nicht zwingend zu einem Trauma führen – so lange sie sich hinterher den Unfallgrund erklären können. Denn nur das nährt den Glauben an die eigenen Fähigkeiten und die der Technik. Und genau daran mangelt es auch fünf Wochen später. Das Team beharrt darauf, dass man kein technisches Versagen feststellen konnte. Alonso selbst konnte das aber nicht genügen.

Die Lenkung hat blockiert

Deshalb hat er die vergangene Woche einen Abstecher nach England gemacht. In der Universitätsklinik in Cambridge wurde er von Medizinern auf Fahrtauglichkeit gecheckt, er selbst aber wollte in der Rennfabrik in Woking durch Datenauswertungen und Simulationsfahrten das technische „Warum?“ beantwortet wissen. Offenbar ist das nicht gelungen. „Die Lenkung hat blockiert“, gesteht Fernando Alonso beim Gespräch an der Rennstrecke ein. Die Lenkung?! Das ist so ziemlich der heikelste Part an einem Rennwagen, von den Bremsen mal abgesehen. Die Punkte, bei denen sich die Vertrauensfrage stellt.

Und? „Null Zweifel und null Sorgen,“ hält Alonso entgegen.