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Abgang der deutschen Damen

21.01.2015 | 00:10 Uhr

Melbourne. Die Sache sieht nicht gut aus, so viel steht fest. Der Tag zuvor sei schon ernüchternd gewesen, meinte Bundestrainerin Barbara Rittner, den habe sie noch nicht ganz verarbeitet, und nun komme noch was dazu. Noch was – das war die Niederlage von Andrea Petkovic, keine 24 Stunden nach den Niederlagen von Angelique Kerber und Sabine Lisicki, und obwohl die einzelnen Ereignisse prinzipiell nichts miteinander zu tun haben, landen sie trotzdem in einer Rubrik. Das sieht auch die Chefin so. Keine Frage, sagt Barbara Rittner, an diesem Ergebnis könne man nichts schönreden.

Gelassen in der Niederlage

Petkovic selbst nahm die Niederlage gegen Madison Brengle (7:5, 6:7, 3:6) anders als früher bei ähnlichen Gelegenheiten vergleichsweise gelassen hin. Sie wusste, dass ein großer Teil mit der starken Leistung der Amerikanerin zu tun hatte, die bereits gut in Form ist, wie die Ergebnisse aus den ersten Wochen des Jahres zeigen. Es ist halt die uralte Geschichte: Siege führen zu Selbstvertrauen, und Selbstvertrauen führt zu weiteren Siegen.

Ebenso wie Lisicki war auch Petkovic mit zwei Erstrunden-Niederlagen nach Melbourne gekommen, und obwohl sie eine deutlich bessere Figur machte als die beiden anderen aus dem deutschen Fed-Cup-Team, sah man auch ihr in entscheidenden Phasen eine gewisse Unsicherheit an. „Wenn du zweimal erste Runde verloren hast, dann kommen schnell Zweifel“, meinte die Bundestrainerin dazu, die aus ihrer aktiven Zeit ziemlich gut weiß, wie schnell die Hand dann zittert. „Wenn das so einfach wäre mit dem Kopf. Ich ziehe meinen Hut vor solchen Spielerinnen wie Scharapowa oder Williams, die ihr bestes Tennis spielen, wenn es darauf ankommt.“

Andrea Petkovic hätte mit einem guten Turnier die Chance gehabt, in der Weltrangliste unter die Top Ten zurückzukehren, wird nun aber trotz der frühen Niederlage keinen Boden verlieren, weil sie im vergangenen Jahr ebenfalls in Runde eins ausgeschieden war. Sie war enttäuscht, meinte aber, das sei weder ein Riesen-Skandal noch eine Riesen-Überraschung. „Und ich war auch nicht grottenschlecht. Manches lief unglücklich, der Aufschlag war nicht gut, und ich war nicht entschlossen genug.“

Nachlässigkeiten, die bestraft werden, heute mehr als vor ein paar Jahren. Zu diesem Thema äußerte sich auch Caroline Wozniacki, die schon in der ersten Runde alle Hände voll zu tun hatte und in der zweiten gegen die lange verletzte, zweimalige Turniersiegerin Wiktoria Asarenka noch mehr zu tun haben wird. Vor fünf, sechs Jahren habe man im Frauentennis noch gewusst, dass in den ersten Runden nicht die härtesten Aufgaben auf die Besten warten, dass man eine Chance habe, sich in Ruhe warmzuspielen. Heute sei das komplett anders, und als Beweis dafür taugen die Ergebnisse der ersten Runde in Melbourne allemal; elf der 32 Gesetzten sind schon nicht mehr dabei. „Jeder gewinnt, jeder verliert“, sagt Petkovic, „das macht es für die Zuschauer interessant. Für die gesetzten Spielerinnen, die verlieren, eher weniger.“

Aber was ist nun mit dem deutschen Aspekt der ersten Runde? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Niederlagen von Kerber, Petkovic und Lisicki oder nicht? Barbara Rittner meint, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun; die Spielerinnen hätten sich ja in den vergangenen Wochen alle individuell mit ihren Teams auf das neue Jahr vorbereitet. Dieselbe Frage an Andrea Petkovic führt zu einem etwas anderen Ergebnis, das zumindest die Möglichkeit einer Verbindung einbezieht. Sie sagt: „Ich weiß nicht, ob es was mit dem Fed Cup zu tun hat. Wir wollten den Pott, aber am Ende haben wir sang- und klanglos verloren.“

Schocktherapie

Was es nach dem Anfang November in Prag verlorenen Finale gegen die Tschechinnen innerhalb der Mannschaft noch zu sagen gab, ist nun ausgesprochen. Vor Beginn des Turniers hatten sich in Melbourne alle zusammengesetzt, und Rittner sagt, das sei ein gutes, offenes Gespräch gewesen. Danach seien sie zusammen Essen gegangen, alles sei in Ordnung gewesen.

In gut zwei Wochen geht es weiter mit dem Fed Cup, mit der ersten Runde gegen Australien in Stuttgart. „Auch wenn hier alle gut gespielt hätten, wäre das wahnsinnig schwer geworden“, sagt die Chefin. „So haben wir die Möglichkeit, uns relativ früh zu treffen, und vielleicht ist das ja auch irgendwie eine Schocktherapie, dass sich jede Einzelne sagt: Jetzt erst recht.“ Theoretisch hätten sie sich das in Melbourne auch schon sagen können.

Doris Henkel

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