1000 Millionen Leidenschaften

Porto..  Ein bisschen heimisch könnte sich Thiago Alcántara glatt fühlen, hier im Mannschaftshotel des FC Bayern München, gleich neben der Heimat des Fußballklubs mit dem hübschen Namen Boavista Porto, Schöne Aussicht Porto. Allein schon wegen der Sprache, die ihm durch seinen Vater Mazinho vertraut ist.

Der wurde 1994 mit Brasilien Weltmeister, und Thiago hat seine ersten Lebensjahre in der Heimat des Papas verbracht und besitzt neben der spanischen auch die brasilianische Staatsbürgerschaft. Außerdem haben sie in Porto ein ausgeprägtes Faible für Kicker wie ihn, für kreative Mittelfeldspieler mit feinen Füßen. Das gilt besonders für den FC Porto, Bayerns Gegner im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF).

Der bisher einzigen noch ungeschlagenen Mannschaft der Champions League geht es beim Personal allerdings ein bisschen wie dem FC Bayern. Nicht nur Christian Tello fällt aus, auch der Topangreifer Jackson wird wohl kaum mitwirken können. Sie sind zwei tragende Säulen im 4-3-3-System von Trainer Julen Lopetegui, der einst mit Münchens Chefcoach Pep Guardiola beim FC Barcelona zusammen spielte und Thiago ebenso trainierte wie Juan Bernat.

Loblieder von Guardiola

Die Zuversicht ist dennoch groß. Auch wenn zwei Spiele auf höchstem Niveau nötig seien, „denken wir alle, dass wir eine große Chance haben, das Finale der Champions League zu erreichen“, sagte Rechtsverteidiger Danilo, der sich bereits für die kommende Saison Real Madrid versprochen hat.

Die Bayern sehen sich trotz der vielen Ausfälle von Arjen Robben über Franck Ribéry, David Alaba, Bastian Schweinsteiger und Medhi Benatia bis hin zu Javier Martínez als Favorit. Aber sie ahnen, dass ihnen bei diesem spielstarken Gegner mit den vielen Talenten eine knifflige Aufgabe bevorsteht. Gerade deshalb fühlen sie sich gezwungen, dem mutig-kreativen Stil mutig kreativ zu begegnen.

Diese Rolle fällt nun vor allem Thiago zu. „Wir brauchen seine Qualität, seine Persönlichkeit“, sagt Guardiola. Und der Trainer nennt seinen Lieblingsspieler gewohnt überhöht einen „Mann mit 1000 Millionen Leidenschaften“. Die lassen sich ziemlich exakt benennen. Sie reichen von Fußball über Fußball bis hin zu Fußball. „Wir leben, schlafen und essen, um Fußball zu spielen“, sagt Thiago.

Allein schon deshalb würde es ihm nicht einfallen, sich über das schon wieder große Pensum zu beklagen, obwohl er nach drei Innenbandrissen im rechten Knie und 371 Tagen Verletzungspause eigentlich langsam wieder an den intensiven Spielrhythmus gewöhnt werden sollte und nach seinen Einsätzen stets bekannte, müde zu sein. Nun kommt ihm in Porto schon die Schlüsselrolle zu, das Spiel anzuschieben, mit pfiffigen Ideen, schnittigen Pässen in die Tiefe, Ballsicherheit und Esprit.

Schnellverfahren

Die jüngste Zwischenbilanz des 24-Jährigen liest sich wie ein Schnellverfahren oder gar Crashkurs durch die ganze Bandbreite des Profifußballs. Im Kader gegen Borussia Mönchengladbach. Ein 21-minütiges Comeback in Dortmund. 52 Minuten im Pokal-Viertelfinale bei Bayer Leverkusen. Erstmals von Beginn an und für 70 Minuten am Samstag gegen Frankfurt. „Er ist ein genialer Fußballer. Er hat Möglichkeiten, die nicht viele haben“, findet Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Mehr noch: „Mit den überragenden Qualitäten von Thiago und der zuletzt gezeigten Leidenschaft“ könne man gegen Porto weiterkommen.

Thiago plus Leidenschaft – das sagt alles über seinen Stellenwert im Spiel der Bayern.